Kultplätze bei Fourtou - Templerschatz (Nachtrag)

Veröffentlicht auf von asmodeus

2009 08030130 kleinNach der Veröffentlichung unseres Artikels über die Grotte Parégot (oder auch Parégéot), erreichten uns Anfragen von interessierten Lesern, die gerne noch genaueres über die Höhle, vor allen Dingen aber natürlich über die Templerschatzlegenden von uns erfahren wollten. Wir haben uns dazu entschlossen, diese Fragen zusammenfassend, im Blog, in einem ergänzenden Artikel zu beantworten.

 

Alle Interessenten waren sich mit uns zumindest erst einmal prinzipiell in dem einem Punkt einig: Den alten Überlieferungen könnte durchaus ein reales historisches Geschehen zugrunde liegen. Möglicherweise sogar wirklich eine Episode aus dem Jahr 1307, als der Templerorden vernichtet wurde. Es wäre also gewiss eine spannende Angelegenheit, die Spuren weiter zu verfolgen.

 

An die zustimmenden Kommentare schloss sich jedoch gleich eine durchaus berechtigte und naheliegende Frage an: „Wenn Ihr nun schon mal so nahe dran seid – warum pumpt Ihr dann nicht einfach den Siphon aus und hebt den Schatz?“

Weil das eben bei weitem nicht so „einfach“ ist, wie es zu sein scheint. Wir haben, weil wir uns die Sache anfangs ebenfalls viel zu simpel vorstellten, solch einen Versuch bereits unternommen. Ohne die geringsten Schwierigkeiten erlangten wir eine Genehmigung für die Untersuchung der Höhle inclusive pompage. Für das Unternehmen hatten wir uns eine leistungsfähige Tauchpumpe besorgt. Ihre technischen Daten – Förderleistung 15.000 l/h, max. Förderhöhe 8m, unempfindlich gegen Schmutzpartikel bis zu einem Durchmesser von 35mm. Dazu ein transportabler Stromgenerator. Das schien uns ausreichend zu sein, um einen Siphon von ungefähr 2x2m Querschnitt und 20m Länge innerhalb eines vertretbaren Zeitraumes auszupumpen. Um es kurz zu machen – unser Equipment reichte bei weitem nicht aus.

 

2009 08030135 kleinWie gründlich wir uns verschätzt hatten, wurde uns aber erst so richtig klar, als wir uns mit befreundeten Speleos über unser Abenteuer unterhielten. Und nach und nach erfuhren wir mehr Einzelheiten über die Tücken, mit denen diese Höhle Eindringlingen begegnet. Als Erster dürfte G. Sicard mit ihnen, in neuerer Zeit, Bekanntschaft gemacht haben, als er 1897 die Caunha Sanct besuchte und bei der Gelegenheit bestimmt auch einen Abstecher zur Grotte Parégéot unternahm. Am Siphon musste er wieder umkehren. Als nächster Besucher ist 1911 der berühmte Biospeleologe R. Jeannel verzeichnet, der sich für eine ganz bestimmte Art von Höhlenbewohnern interessierte. Für die seltenen, nur an wenigen Stellen, in den Pyrenäen, vorkommenden Dolichopoden. In den darauf folgenden Jahren, bis 1976, ist die Höhle vermutlich wiederholt aufgesucht worden, aber dennoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Erst für die Jahre 1976/77 erwähnt H. Salvayre die erste Visite des SCA.[1] Aber erst 1985 entschloss sich C. Bès (SCA) dazu, die Höhle eingehender zu untersuchen. Denn es stand schliesslich zu vermuten, dass sie sich hinter dem Siphon, den bis dahin noch niemand bezwungen hatte, weiter fortsetzen würde. In den Jahren, bis 1990 wurden im Rahmen zahlreicher Exkursionen des SCA die vielen kleineren Höhlen und Grotten im Nahbereich um die Paregeot erkundet.

 

Noch im Jahr 1989 unternahm der SCM[2] einen ersten Pumpversuch am Siphon der Paregeot und erlebte ungefähr das gleiche Desaster wie wir. Den nächsten Versuch starteten der SCA und der SCM mit stärkeren Geräten als beim ersten mal, am 19. und 20. Juli 1991. Aber auch dieser Anlauf scheiterte. Zugleich durchgeführte Wasserverfolgung[3] lies auf ein System schliessen, in dem der Mühlbach im Tal, die Quelle unterhalb des zweiten Wasserfalls und der Siphon miteinander kommunizieren

 

Dann, am 26. und 27. Oktober des selben Jahres fuhren die beiden Speleoclubs schwereres Geschütz auf. Eine Pumpe mit einer Leistung von 60 l/s und einen entsprechend starken Generator. Nach zwei Tagen unermüdlichen Pumpens, war der Siphon bezwungen und der Weg, über 160m, in den hinteren Teil der Höhle frei. Gerade als die Speleos so weit vorgedrungen waren, zeigte der Siphon wozu er fähig ist. Draussen war ein starkes Gewitter nieder gegangen und der Siphon füllte sich schlagartig mit Wasser. Den Speleos blieb gerade so viel Zeit, um sich mit Müh und Not in den vorderen Teil der Höhle zu retten und die Geräte zu sichern. Am nächsten Tag setzten sie die Erkundung der Höhle fort.

 

Der Zeitpunkt für die geschilderte Expedition muss als optimal gewählt betrachtet werden – weil ihm offenbar ein trockener Sommer vorausging. Schon ab Dezember ist dem Siphon normalerweise auch mit der zuletzt eingesetzten starken Pumpe nicht mehr beizukommen, weil dann schon wieder mehr Wasser im Berg unterwegs ist. Dann wird eine merkwürdige Besonderheit des Siphon zum kaum noch überwindbaren Hindernis.

 

Am Boden des Stollens, der den Siphon bildet, hat sich eine Sandschicht abgelagert, die auch Risse und Spalten zudeckt. Aber mitten in diesem Stollen tritt aus der Tiefe kommend Wasser aus dem Boden – eine fontaine. In den Trockenperioden gibt diese Quelle etwa 30 l/s her. Im Maximum strömen dann aber Wassermengen von 100 bis 150 l/s am Boden in den Siphon. Dann führen aber auch andere Leitungen in der Höhle Wasser und der Siphon läuft über. Ein Rätsel ist bisher die Tatsache, dass er im Sommer und Herbst nicht überläuft, obwohl die fontaine ja beständig Wasser einspeist. Doch der Wasserspiegel des kleinen Teiches, mit dem der Siphon beginnt, ist absolut unbeweglich. Nicht der geringste Hinweis auf fliessendes Wasser lässt ist feststellbar. Lediglich während der Pumpaktion machte sich die Quelle im Siphon bemerkbar.

 

Unsere Erklärung des Phänomens besteht darin, dass die vermeintliche Quelle eher so etwas wie eine kommunizierende Röhre darstellt, über die der Siphon mit einem anderen Wasserspeicher, irgendwo im Berg, verbunden ist, der vermittels jener Röhre, das Niveau des Wasserspiegels vom Siphon reguliert.

 

Cauna Juli 2009 (26) kleinEine wirklich geniale Sperre, die in früherer Zeit praktisch nicht überwunden werden konnte. Hätten Bauern oder Abenteurer versucht, den Siphon mit Eimern auszuschöpfen oder mittels Handpumpen zu  leeren, lagen ihre Chancen bei Null. Wer früher tiefer in die Höhle vordringen wollte, hätte den Siphon durchtauchen müssen. Für einen zu allem entschlossenen, geübten Schwimmer kein unüberwindliches Hindernis – vorausgesetzt, er wüsste vor seinem Tauchgang schon, dass der geflutete  Tunnel „nur“ 20m lang ist. Höhlentauchen ist Gerätetauchen und kommt erst um 1955 in Deutschland auf. Erste, vereinzelte Tauchgänge von Helmtauchern in Höhlen wurden zwar schon 1880 bekannt. Aber in Siphons wagte sich kein Helmtaucher. Höhlentauchen gilt  nach wie vor als die anspruchvollste Disziplin im Tauchsport

 

Aber einen Schatz hätte man ganz bestimmt auf einem anderen Weg in die Höhle transportiert. Über eben jenen zweiten Zugang, der früher einmal existiert haben soll. Doch dann, als wir  uns eingehender mit den Besonderheiten der Paregeot befassten, kam uns eine wahrhaft phantastische Idee – vielleicht weil wir uns zu viele Indiana-Jones-Filme gegönnt hatten. Was, wenn sich der Wasserstand im Siphon auf irgend eine Art und Weise regulieren liesse?

 

Könnte das andere Bassin, mit dem der Siphon in Verbindung steht, nicht vielleicht relativ leicht erreichbar sein und von einem Mann, der über die Zusammenhänge Bescheid weiss, geleert werden, indem er eine Sperre frei gibt und das Wasser ablässt? Befänden sich beide Wasserreservoirs auf gleichem Niveau, würde der Wasserspiegel in beiden gleichmässig absinken. Wir hätten es hier im Grunde mit ungefähr so einer Sperranlage zu tun, wie sie verschiedenen Autoren zufolge von den Templern irgendwo unterirdisch errichtet worden sein soll, um entweder das Jesusgrab, oder das von Maria-Magdalena, oder ihre gewaltigen Schätze und Geheimnisse, oder die Bundeslade und noch so dies und das, oder auch alles zusammen zu verbergen. Nichts davon ist allerdings von den Speleos, im Oktober 1991, entdeckt worden. Doch andererseits suchten die keine Schätze und Reliquien und hatten im Verlauf ihrer Zitterpartie ganz gewiss andere Dinge im Kopf. Es ist überdies ja auch kaum damit zu rechnen, dass auf dem Höhlenboden, hinter dem Siphon, die Goldhaufen einfach nur so herumliegen. Ein möglicherweise angelegtes Depot kann sich nur in den höher gelegenen Bereichen des Höhlensystems finden lassen. Und die Stollen und Galerien verlaufen ja tatsächlich auf einer Länge von 160m um 10m ansteigend, in den Berg hinein.

 

Die britischen Autoren Andrews/Schellenberger entwickelten das bisher überzeugendste Szenario hinsichtlich Jesusgrab, Templerschatzdepot und einem raffiniert getarnten und gesicherten unterirdischem bunkerartigem Bauwerk. „Im Nachhinein ist eine Liste hochinteressant, die wir ganz am Anfang unserer Nachforschungen aufgestellt hatten. Wir hatten alle die Bedingungen zusammengestellt, die ein perfektes Versteck erfüllen musste.

Die Voraussetzungen für ein perfektes Versteck sind folgende:

  1. Man müsste die Spuren des Baus leicht beseitigen können.
    (Man hätte gar nichts erst bauen brauchen – die Anlage ist auf natürliche Weise entstanden und musste nur genutzt, vielleicht noch unauffällig präpariert werden. Anm. asmodi)
  2. Die Stätte müsste leicht zu überwachen sein...Das könnte lange dauern; nur eine absolut unabhängige Organisation wäre dazu in der Lage.
    (Die Mühle wäre ein idealer Wachposten gewesen. Anm. asmodi)
  3. Das Versteck dürfte keine weitere Pflege benötigen. Natürliche Einflüsse – Erosion, grabende Tiere, Verfall und Instabilität – dürften den Eingang nicht freilegen können. Auch dürfte der Eingang nicht zufällig durch menschliche Hand freigelegt werden können.
    (Alle Voraussetzungen erfüllt, bis auf eine – den absolut perfekten Schutz kann es niemals geben. Gegen Erdbeben nicht und letztlich auch nicht gegen den „Zufall“. Auch nicht gegen den technischen Fortschritt. Solche Maschinen und Geräte, wie sie heute dem einfachen Hobbyschatzsucher zur Verfügung stehen, waren für die Menschen vor tausend Jahren, für die Tempelritter beispielsweise überhaupt nicht vorstellbar. Anm. asmodi)
  4. Der Erdboden sollte nicht porös, der Felsen nicht rissig sein. Ein vertikaler Schacht war somit von vornherein ausgeschlossen, weil immer die Wahrscheinlichkeit des Wassereinbruchs bestünde. Ein Tunnel zur Grabkammer müsste entweder nach oben ansteigen oder eine natürliche Drainage haben, sonst bestünde Überflutungsgefahr. Ein ansteigender Tunnel wäre in jedem Fall von Vorteil, denn der Abraum wäre leichter mit Hilfe von Wagen oder Schlitten abzutransportieren.
    (Alles auf natürliche Weise gegeben. Anm. asmodi)
  5. Über dem Zugangstunnel und der Schatzkammer müsste eine genügend dicke Schicht massiven Felsgesteins liegen, damit die Konstruktion auch ohne Stützen nicht einsturzgefährdet wäre. Am besten wäre eine vertikale Felswand, aber nur dann, wenn es eine Möglichkeit gäbe, den Eingang zu blockieren und zu verstecken...
    (Es gibt überhaupt keine bessere Tarnung als einen Ort in seinem natürlichen Zustand zu belassen und obendrein noch eine natürliche Sperre ihrem Zweck zu überlassen. In einer Gegend, in der es mehr Höhlen gibt als Bauernhäuser, weckt ein offener Höhleneingang wahrlich kaum Interesse. Schon gar nicht, wenn Wasser aus dem Eingang fliesst und das Rad einer Mühle antreibt. Anm. asmodi)
  6. Die Stätte des Geheimnisses müsste auch nach Jahrhunderte noch gut erkennbar und wieder auffindbar sein. Ein grosses natürliches Wahrzeichen – das weder entfernt noch von der Erosion abgetragen würde – wäre die beste Art, die Stätte zu markieren.

Diese Liste hätten wir auch nach der Identifizierung der Stelle aufgestellt haben können – so genau erfüllt das Versteck alle Voraussetzungen.“[4]

 

Kurioserweise könnte der letzte Satz des vorangestellten Zitats (in kursiv) ebenso gut von uns stammen – wenn wir damit auch nur zum Ausdruck bringen wollten, dass die Paregeotgrotte aufgrund ihrer natürlichen Beschaffenheit die besten Voraussetzungen für ein nahezu ideales Versteck aufweist.

 

Bautätigkeit – vorausgesetzt dergleichen hat in Paregeot überhaupt stattgefunden – müsste, wie schon erwähnt, statt der Höhle und dem Siphon, dem zweiten Bassin gegolten haben, das sich an einem ganz anderen Ort befindet. Und dort hätte man ganz offen und ohne das geringste Aufsehen zu erregen werkeln können. Die Höhle selber konnte man einfach in ihrem natürlichen Zustand belassen und brauchte lediglich im hinteren, höher gelegenen Abschnitt, eine mehr oder weniger grosse Kammer zu schaffen oder einen Hohlraum zu verschliessen, in dem man den Schatz verstaut hatte. Danach galt es nur noch den ehemaligen zweiten Zugang (von der Domaine Paregeot aus) zu verschütten und später vielleicht sogar noch zusätzlich zu überbauen. Von da an, war das Höhleninnere nur noch für jemanden zu erreichen, der sich mit der Wasserregulierung für den Siphon auskannte.

 

Paregot Juli 2009 (35) kleinWir betonen hier nochmals, dass alle diese Überlegungen spekulativen Charakter haben. Ob wir mit unseren bisherigen Vermutungen richtig liegen, und sei es auch nur teilweise, werden weitere Untersuchungen zeigen – die nun eventuell auch von anderer Seite her in Gang kommen. Schliesslich hatten wir ja gehofft, mit unserem Aufsatz über die Paregeot Interesse zu wecken und entsprechende Aktivitäten in Gang zu setzen – hoffentlich keine wilde, gnadenlose Raubgräberei...

 

Für einen erfolgreichen Alleingang reichen unsere eigenen Mittel und Möglichkeiten jedenfalls nicht aus. Da müssen wir – leider – realistisch sein und die Paregeot-Erkundung vorerst, mit einer kleinen Träne im Knopfloch, zurückstellen.  Wir verfolgen noch andere überaus interessante Spuren, und wir werden zu gegebener Zeit darüber berichten.

 

asmodeus

 

video: 

http://www.dailymotion.com/video/xfturf_das-paregeotgeheimnis_sport



[1] Speleo Club Aude

[2] Speleo Club Minervois

[3] Wassereinfärbung mit Fluorescein

[4] R. Andrews/P. Schellenberger, “Das letzte Grab Christi”, Gustav Lübbe Verlag, 1996

Veröffentlicht in Berichte und Materialien

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Tanya 08/30/2010 11:26


Ich bin von Natur immer so begeistert...ich schlage dir etwas vor: eine Reise in die Apuseni Gebirge wo so was auch gibt!:D