Kultplätze bei Fourtou - Wir wollen es wissen...

Veröffentlicht auf von asmodeus

Unsere bisherigen Artikel über die Grotte Paregeot weckten offensichtlich grosses Interesse und führten bereits wenige Tage nach ihrer Veröffentlichung zu überraschenden Entwicklungen, Es meldete sich u.a. ein deutsches Team, mit dem konkreten Vorschlag, den Siphon gemeinsam auszupumpen und den hinteren unzugänglichen Abschnitt der Höhle zu erkunden. Das deutsche Team wollte alles für den Zweck benötigte Material bereitstellen. Ein mehr als verlockendes Angebot, das wir natürlich gerne annahmen. Sollte sich plötzlich doch eine Chance bieten, den hinteren Abschnitt der geheimnisvollen Höhle zu erkunden?

 

Ich hatte in der Zwischenzeit noch mehr Einzelheiten über die Höhle in Erfahrung bringen können. So betrachteten die Einheimischen in früherer Zeit beide Grotten als Behausungen der Mitounes. Unterschieden aber zwischen den zwei Höhlen, indem sie die Grotte Paregeot auch „le Egues“ (was soviel wie Wasser bedeutet) oder einfach „le Moulin“ nannten – „die Mühlengrotte“.  Leider findet sich immer noch kein Beleg dafür, dass sich die Mühle direkt im Besitz der Templer befunden hätte. Es existiert lediglich eine alte Urkunde aus dem Jahr 1621, die den Erzbischof von Narbonne als Besitzer nennt.

 

pompage--12--blog.jpgZunächst jedoch ergaben sich unvorhergesehene Schwierigkeiten, bei der Beschaffung der Ausrüstung. Übliche Pumpen, die auf den ersten Blick geeignet erschienen, erwiesen sich im Test als nicht leistungsfähig genug. Es stellte sich heraus, dass wir eine Hochleistungspumpe einsetzen mussten, wenn wir auf der sicheren Seite sein wollten. Eine solche Pumpe liess sich denn mit einiger Mühe tatsächlich auftreiben und schon standen die nächsten Probleme ins Haus. Denn dieses Gerät wird mit 380V-Starkstrom betrieben. Unsere normalen 220V-Generatoren, über die wir verfügten, waren also ungeeignet. Im Betrieb hatte die Pumpe eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von ca. 6 kW und fördert 260.000 l/h, brauchte jedoch in der Anlaufphase beinahe die dreifache Leistung. So wurde schliesslich ein Generator mit der stattlichen Leistung von 21 kW angemietet. Dazu kamen mehr als 50m Starkstromkabel, sowie einige Rollen C-Schlauch (etwa der zweifache Querschnitt von Feuerwehrschlauch!). Dazu noch eine zweite „normale“ Pumpe, weil sowieso schon im Besitz, als Reserve, nebst ihrem Zubehör.

 

Zwischenzeitlich  musste ich mehrmals die Höhle und das Gelände untersuchen und vermessen. Denn die Starkstromkabel wurden extra für die pompage konfektioniert. Sowohl beim Transport, von D nach F, als auch bei der Installation vor Ort, sollte nicht unnötig viel Gewicht  anfallen. Das Wasser im Siphon befand sich Anfang August auf tiefsten Niveau. Was jedoch bedeutete, dass er sich bis auf den entferntesten Punkt vom Höhleneingang zurückgezogen hatte. Stromkabel und Pumpenschläuche mussten also entsprechen weit verlegt werden. Die Kabel bis hinauf, an die Strasse, zum Generator und die Schläuche, bis aus dem Höhleneingang hinaus. Alles mit ca. 10m Sicherheitszugabe, weil wir nicht wussten, wo sich der tiefste Punkt des Siphons befindet – und der konnte ja, gemäss Murphys Gesetz, durchaus am Ende, im Höhleninneren liegen.

 

06. August,

Der erste Tag

 

Nun begann das eigentliche Abenteuer, das sich von Anfang an als harte Arbeit erwies. Bis zum Nachmittag dieses Tages hatten wir alle Hände voll zu tun, mit dem Aufbau und der Installation des gesamten Gerätes. Alles Material wurde von der Strasse aus, über die Steilwand, bis vor den Eingang der Höhle, mit dem Seil abgelassen. Das war der leichtere Teil der Übung. Weitaus strapaziöser gestaltete sich der weitere Transport, ins Höhleninnere. Im Tunnel, der die Strasse unterquert, müssen zwei Absätze überwunden werden. Glatte, glitschige, fast vertikale Wände, von 3m und 2,5m, die man besser nicht unterschätzen sollte. Hier rutsch man auch bei normalen Begehungen, bei denen man die Hände frei hat, leicht einmal ab. Erstaunlicherweise gab es dennoch an allen drei Tagen an der Stelle keinen einzigen Ausrutscher.

 

pompage (24)blogDer Tunnel trifft auf eine kleine Caverne, aus der aus es dann nach links, in einem Kriechgang wieder abwärts geht, bis zur nächsten Caverne, hinter der unser Siphon beginnt. In der ersten Caverne errichteten wir unser Basislager, d.h. dort lagerten wir unser Material.

 

Zuerst setzten wir in einem Probelauf die kleinere Pumpe ein, weil sie leichter zu handhaben war. Bereits in diesem frühen Stadium der Exploration kamen dem Team aus Deutschland erste Bedenken an der Durchführbarkeit des Unternehmens. Der Siphon erschien den Kameraden zu eng für die grosse Pumpe. Während ich mir darin sicher war, dass der Platz ausreichen würde. Allerdings war mir auch klar, dass uns das Eigengewicht der Pumpe (ca. ein Zentner...) einiges abverlangen sollte. Da  es uns nicht sinnvoll erschien, am späten Nachmittag dieses Tages wirklich noch ernst zu machen, den Siphon also leer zu pumpen – wofür wir einige Stunden veranschlagten – nur um ausgerechnet dann abzubrechen, wenn die Röhre leer ist, wärmten wir uns gewissermassen erst mal auf. Wir liessen die kleine Pumpe bis in die Abendstunden hinein laufen. Mit dem voraussehbaren Ergebnis, dass dem Siphon auf diese Weise wirklich nicht beizukommen ist. Andererseits plagten mich nicht die geringsten Zweifel daran, dass es uns gelingen würde, den Siphon zu leeren. Was dem SCM zwanzig Jahre zuvor gelungen war, würde uns leichter fallen müssen, weil wir eine stärkere Pumpe einsetzen konnten.

Wir brachen unsere Versuche am Abend ab. Liessen das gesamte Gerät zurück und transportierten lediglich den Generator ab.

 

07. August,

Der zweite Tag

 

pompage (67)blogMorgens platzierten wir den Generator an einem günstigeren Platz, etwas näher über dem Höhleneingang. Anschliessend lisesen wir Hochleistungspumpe über die Steilwand ab. Sie musste exakt vor dem Höhleneingang ankommen, damit sie dort hinein gezogen werden konnte. Das schwere Gerät, in dem engen Tunnel, über die beiden Absätze zu bugsieren, war eine üble Schinderei. Dann weiter, bis zum Siphon, liess sie sich leichter ziehen. Und zu meiner Erleichterung, hatten wir im Siphon genügend Bewegungsfreiheit, für diese grosse Pumpe. Gegen Mittag war dann schliesslich alles verkabelt und alle Schläuche angeschlossen. Der Diesel wurde angelassen und wir konnten uns jetzt nur noch die Daumen drücken. Das wirkte Wunder. Wir wollten es beinahe nicht glauben, aber nach ungefähr 45 Minuten war der Siphon ausgepumpt.

 

pompage (54)blogAls wir nun mit der Pumpe weiter in den Siphon vorrückten, um eine vermeintliche letzte Pfütze zu trocken zu legen, brach dort drinnen die Hölle los. Wir hatten den unterirdischen Zufluss freigelegt. Aus dem Boden des Tunnels schossen wild gurgelnd zwei starke Fontänen und begannen den Siphon wieder zu füllen. Eine nicht ungefährliche Situation. Wir wussten zwar vorher schon, was uns hier erwartete, durften aber wieder einmal feststellen, wie weit Theorie und Praxis auseinander fallen können. Zu lesen oder zu hören, dass am Boden des Siphon Wasser austritt und ihn wieder wieder füllt, ist etwas völlig anderes, als zu erleben, auf welche Art und Weise sich das in dem niedrigen abspielt. Die gesamte Höhle wirkt dann als Resonanzkörper, in dem das wild aufsprudelnde Wasser einen infernalischen Krach verursacht. Wir konnten uns nur noch laut schreiend einigermassen verständigen. Nicht anders, als unsere Vorgänger, vor zwanzig Jahren, zogen wir uns für’s Erste zurück. Es dauerte etwa ebenso lange, wie wir gebraucht hatten, um das Wasser abzupumpen, bis der Wasserspiegel wieder seinen früheren Stand erreicht hatte. Dann lag der Siphon wieder still und ruhig vor uns, als könnte er kein Wässerchen trüben. Eine wahrhaft teuflische Falle...

 

pompage (45)blogWir berieten uns und fassten den Entschluss, die Pumpe bei einem ersten Vorstoss, über den Siphon hinaus, permanent weiter laufen zu lassen. Die Alternative hätte darin bestanden, den Siphon einfach wieder vollaufen zu lassen, nachdem ein Erkundungstrupp den Abschnitt passiert haben würde. Nach einer vereinbarten Zeit  musste dann später erneut der Rückweg freigemacht werden. Beide Möglichkeiten wirkten nicht gerade so restlos Vertrauen erweckend. Gleich zu Beginn des ersten Pumpganges hatten wir ein Leck in einem der C-Schläuche bemerkt. Direkt hinter dem Flansch schoss ein dünner Strahl Wasser aus dem Gewebe. Der kleine Schaden konnte mit Panzerband abgedichtet werden. Doch ob das auf die Dauer dem mächtigen Druck standhielt war fraglich. Und schon bildete sich an einer anderen Stelle ein neues Leck.

 

Auf jeden Fall stand fest, dass wir zwei Gruppen bilden mussten, die sich bei der Erkundung und an der Pumpe abwechselten. Jetzt wollten wir den Siphon aber erst einmal erneut auspumpen und dann sehen, wie wir weiter voran kommen würden.

 

pompage (31)blogGesagt getan, der zweite Pumpgang verlief reibungslos und als das Wasser aus dem Untergrund wieder hervorbrach, liessen wir die Pumpe weiterlaufen. Sie saugte auch brav das hereinströmende Wasser ab. Zog dabei aber auch viel Luft und Kies mit, was den Höllenlärm verdoppelte. Über einen längeren Zeitraum hinweg durften wir das dem Gerät jedenfalls nicht zumuten, ohne einen ernsthaften Schaden zu riskieren. Die Gruppe zögerte vor den Fontänen und niemand wollte sich so recht an den beiden bösartig grollenden Dingern vorbeidrücken. Deshalb erging an mich die Aufforderung: „Also, jetzt bist Du dran. Das ist schliesslich Dein Baby!“ Damit hatten die Kameraden wirklich nicht unrecht. Und der freundlichen Einladung hätte es eigentlich gar nicht bedurft. Ich robbte, so schnell ich konnte, an den Fontänen vorbei, durch den engen Durchlass, in die grosse Caverne, die sich hinter dem Siphon anschliesst – und stand nach wenigen Schritten vor einer 5m hohen, glatten und nassen Felswand.

 

pompage (30)blogMir bot sich ein phantastischer Anblick – ein Speleotraum! Ein Prachtstück von einer Grotte. Die Felswände über und über bedeckt mit Fossilien. Dann spürte ich, dass meine Füsse von Wasser umspült wurden. Erst jetzt widmete ich dem Boden der Grotte mehr Aufmerksamkeit. Auch hier trat an zwei Stellen Wasser aus engen Spalten im Fels. Längst nicht mit solch brachialer Gewalt, wie im Siphon, aber immer noch reichlich genug. Einer der Kameraden war mir gefolgt und stand nun sichtlich beeindruckt neben mir. Über uns, dicht unter der Kuppel der Caverne, entdeckten wir ein kleines Plateau, auf dem der Tunnel beginnt, welcher weiter in den Berg hineinführt, sich nach wenigen Metern in zwei Tunnel verzweigt, die sich nach weiteren etwa 60m wieder vereinen usw. Doch wie dort hinaufkommen???

 

Die anderen beiden Kameraden an der Pumpe riefen uns zurück. Wir waren an einem Punkt angekommen, an dem es eine Entscheidung zu treffen galt. Denn alle, ausser mir waren fest entschlossen, das Unternehmen abzubrechen. Meine Kameraden hatten ihr Limit erreicht. Alle drei hielten ein weiteres Vordringen für praktisch undurchführbar und vor allen Dingen für extrem riskant. Das sah ich jedoch ein wenig anders. Riskant war die Angelegenheit ganz ohne jeden Zweifel. Doch mit Risiken behaftet ist jede Höhlenexkursion. Oft genug auch mit erheblichen Risiken. Das gehörte schliesslich zu den Fragen, die wir im Vorfeld unserer Paregeot-Expedition bereits erörtert hatten. Hier bestand nun ein zusätzliche Risiko darin, möglicherweise vom Wasser im hinteren Teil der Höhle eingeschlossen zu werden. In Gefahr oder gar in Lebensgefahr würde man dadurch jedoch kaum geraten. Schon gar nicht oberhalb der 5m hohen Wand. Und selbst in der Caverne würde man bei vollgelaufenem Siphon maximal bis zu den Hüften im Wasser stehen – wahrscheinlich aber nur bis zu den Knien. Der Eingeschlossenen müsste also lediglich abwarten, bis die Anderen den Siphon wieder ausgepumpt haben würden. Weitaus gefährlicher erschien mir dagegen der Aufstieg bis zum oberen Tunnel – genauer, der Abstieg. Denn ich traute mir zwar den Aufstieg mit etwas Glück und Hilfe (Räuberleiter beispielsweise) zu, unbeschadet hinunter jedoch nur mit dem Seil. Da der Boden in der Caverne dick mit hereingespülten nassen Sand bedeckt ist, könnte man im äussersten Notfall sogar einen Absprung wagen. Ich bin Speleologe und ein leidlicher Kletterer und ich weiss, wie weit ich gehen kann. Bisher habe ich mich noch nie verschätzt. Aber als ich mich dazu bereit erklärte, allein weiter zu gehen, hagelte es auch gegen diese Variante Proteste. Und so kamen wir zur Abstimmung welche eindeutig ausfiel: drei Stimmen gegen meine Stimme. Das hatte ich zu akzeptieren und ich akzeptierte es selbstverständlich.

 

pompage (60)blogDen Ausschlag gab letztlich ein Umstand, der den Siphon unberechenbar erscheinen lässt.

Uns war aufgefallen, dass während des zweiten Pumpganges das Wasser mit noch mehr Gewalt aus dem Berg hervorbrach, als bei der ersten Aktion, in deren Verlauf wir auch noch keine weiteren kleinen Wasserzuflüsse bemerkt hatten. Sogar die Felswände, im Tunnel vor dem Siphon, erschienen uns merklich feuchter, ja eigentlich nass, zu sein, als würde vom Berg her verstärkt Wasser andrängen. Mir fiel dabei der Bericht der französischen Speleos ein, die von einem plötzlichen enormen Wassereinbruch beinahe eingeschlossen worden wären, den sie einem starken Gewitterguss anlasteten. Wenn damals vielleicht aber gar kein Gewitter die Ursache gewesen sein muss...? Ich gewann vielmehr den Eindruck, als würde sich der Wasserzufluss in den Siphon eventuell immer dann verstärken, wenn mehrmals nacheinander oder über einen längeren Zeitraum hinweg ausgepumpt wird. Vielleicht weil die Pumpe dabei Sand und Geröll mit dem Wasser aus den Zuflüssen saugt, die Zuleitungen frei macht oder auf andere Weise einen kräftigeren Zulauf provoziert.

 

Jetzt, da ich den Verlauf des Siphons kenne, würde ich es mir sogar zutrauen, ihn zu durchtauchen. Jedenfalls bin ich der Auffassung, dass er auf diese Weise einfacher zu überwinden ist. Die Risiken dürften vermutlich geringer sein als bei ausgepumpten Siphon. Die Tauchstrecke ist kurz, es existieren keine gefährlichen Hindernisse und man hätte genügend Bewegungsfreiheit.

 

pompage (55)blogUnser ursprüngliches Vorhaben, den hinteren Abschnitt der Höhle zu scannen, war unter den gegebenen Umständen jedenfalls nicht durchführbar. Immerhin machten wir einige  recht interessante Funden im Sand, vor dem Siphon:

 

Eine Keramikscherbe, von einem irdenen Gefäss. Vermutlich von einem Krug oder von einer Schüssel stammend.

 

Bruchstück einer Steinplatte, welche vielleicht eine Fussbodenfliesse oder eine Deckplatte gewesen sein könnte.

 

Einen Eisenklumpen. Kein Eisenerz, sondern zusammengeschmolzenes Eisen.

 

Diese drei Objekte fand ich, wie gesagt, im Sand, den das Wasser Boden des Tunnels, vor dem Siphon, in einer dicken Schicht abgelagert hat. Sie sind mit allergrösster Wahrscheinlichkeit vom Wasser aus dem Inneren der Höhle heraustransportiert worden. Die Stücke können demnach nur von der Oberfläche her in die unzugänglichen Bereiche der Höhle gelangt sein, ehe sie von dort wieder herausbefördert worden sind. pompage (61)blogEin sicheres Zeichen dafür, dass es von aussen her einen oder mehrere Zugänge oder Öffnungen gegeben haben müsste. Möglicherweise darf man anhand dieser Belege darauf schliessen, dass die Höhle den Menschen von Paregeot in früheren Zeiten tatsächlich als Lager, oder als Versteck und Unterkunft in Notzeiten diente.

 

 

 

 

 

 

 

 

asmodeus

 

video: 

http://www.dailymotion.com/video/xfturf_das-paregeotgeheimnis_sport

 

 

 

 

 

 

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