Was geschah in Camps?

Veröffentlicht auf von asmodeus

Ist der Gral schon entdeckt?

dsm09- so titelte das „Deutsche Schatzsuchermagazin“ in seiner Ausgabe 09/2004 für einen überaus abenteuerlich aufgemachten Artikel, denn: „Ein Insider aus Südfrankreich hat uns einen geheimnisvollen Bericht übersandt in dem detailliert beschrieben wird, wie eine konspirativ arbeitende Gruppe in den Bergen von Rennes-le-Chateau eine Höhle erforschte. Über ein Jahr wühlten sich die Mitglieder der Gruppe durch den Berg, bis sie eines Nachts plötzlich verschwanden. Was war geschehen? Hinterlassen haben sie Werkzeuge, Unterlagen und Maschinen ....“[1]

 

In jüngster Zeit rückt diese alte Affäre, aus dem Umfeld von Rennes-le-Château, wieder in den Mittelpunkt des Interesses von Rennologen und Schatzsuchern.[2] Worum ging und geht es dabei eigentlich?

 

Bei unserer nachfolgenden kurzen Darstellung des Sachverhaltes stützen wir uns auf den „geheimnisvollen Bericht eines Insiders“, der, zwischenzeitlich offenbar um ein paar ausschmückende Details bereichert, die brauchbarste, weil so gut wie einzige, Quelle zu sein Camp sur l'Agly (2) kleinscheint. So soll sich Mitte der achtziger Jahre eine Gruppe schwer bewaffneter Personen im Wald, nahe bei dem kleinen Dorf Camps-sur-l’Agly nieder gelassen haben. Über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren hinweg entfaltete die Gruppe, deren Zusammensetzung während dieser Zeit mehrfach wechselte, wilde Aktivitäten, rings um ein paar alte römische Minen. Den Einheimischen, aus Camps und aus Cubieres blieb natürlich nicht lange verborgen, was diese martialisch auftretenden Gestalten in den Bergen trieben. Es war ja schliesslich nicht zu überhören... Und zumindest die Jäger mussten spätestens in der ersten Jagdsaison nach Beginn des geheimnisvollen Treibens förmlich über Geräte und Material der Schatzsucher stolpern. Denn nichts anderes, als eine Mannschaft von Schatzsuchern, hatte sich hier offensichtlich Grosses vorgenommen.

 

Weil Jäger von den Schatzsuchern wiederholt  mit Schusswaffen bedroht wurden, erstatteten sie Anzeige. Die Flics rückten im Camp der Schatzjäger an und beschlagnahmten deren Waffen und Munition. (automatische Pistolen, grosskalibrige Revolver und Sturmgewehre). Aber, oh Wunder, Camp sur l'Agly (37) kleinschon am übernächsten Tag sollen alle Waffen wieder an ihre Eigentümer ausgehändigt worden sein. „Befehl von oben... hiess es.“ Die aufwändigen Grabungen gingen weiter. Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen stellte es sich jedoch heraus, dass die zuständige Gemeindeverwaltung keine Grabungsgenehmigung erteilt hatte, ja, dass noch nicht einmal eine Genehmigung beantragt worden war. Der es im Übrigen auch gar nicht bedurfte, weil die Grabungen auf privatem Grund und Boden stattfanden, wie der „Insider“ selbst ausführte. Unter Verweis auf ein neues Auto, welches sich der betreffende Grundeigentümer kurz nach Grabungsbeginn zulegte, schloss der „Insider“ dass der Eigentümer mit den Schatzgräbern im Bunde sei. Was sich jedoch an sich schon aus dem Umstand schliessen lässt, dass die paramilitärische Gruppe wohl kaum fünfzehn Jahre lang, ohne Einverständnis des Eigentümers, auf dessen privaten Grundstück hätte graben können.

 

Die Einwohner von Camps „gewöhnten“ sich mehr oder weniger an die eigenartigen Vorgänge vor ihrer Haustür.  Bis die Namen einiger Mitglieder des Grabungsteams eines Tages auf der Wählerliste für den Gemeinderat von Camps auftauchten. „Nach einer juristischen Protestaktion mehrerer Gemeinderäte, entschied das zuständige Gericht, dass alles in Ordnung wäre? So was gibt es normalerweise nicht! Aber das ist, im Nachhinein gesehen, auch ein Vorteil, wir kennen die Namen.“ Da die Kandidaten aber letztlich offenbar keinen Wahlsieg verzeichnen konnten, legte sich dieser Sturm im Wasserglas bald von selbst. Aber von da an „verschwanden die Waffen, manchmal explodierte im Dunkeln der Nacht ganz tief im Boden Dynamit, bis einer von denen abends, in der einzigen Telefonzelle des Dorfes brüllte:  <Wir haben es gefunden...!> Das war 1999.“

 

Schon kurz darauf war das gesamte Grabungsteam verschwunden. Zurück blieb so ziemlich die gesamte Ausrüstung und Material – und eine gewaltige Masse Müll.[3]

 

Camp sur l'Agly (29) kleinZurück blieben seit dem aber auch Fragen über Fragen. Vor ungefähr drei Jahren fragte beispielsweise ein Bekannter bei uns an, ob wir eventuell Näheres über die damaligen Vorgänge bei den alten römischen Minen wüssten. Wir hatten zwar schon von der mysteriösen Angelegenheit gehört, wussten damals darüber aber auch nicht viel mehr, als dem Artikel im DSM zu entnehmen ist. Doch unser Interesse war geweckt und wir beschlossen der Sache nachzugehen, wenn wir uns vorerst auch nicht allzu viel davon versprachen. Denn ganz egal welcher der unterschiedlichen Versionen, in denen die Geschichte inzwischen kursiert, man den Vorzug geben mag, sie alle laufen darauf hinaus, dass die betreffenden Aktivitäten abrupt endeten. Dass die Ausgräber Material von nicht unerheblichem Wert einfach stehen und liegen liessen und plötzlich, ganz entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten, still und leise, auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

 

Drängt sich hier nicht geradezu der Schluss auf, dass diese Leute erfolgreich gewesen sind, dass sie, nach jahrelanger Schwerstarbeit, fanden, was sie gesucht hatten? Keine andere Erklärung  will so recht überzeugen. Dass  die handvoll wehrfähigen Männer aus Camps,[4] ausgerüstet mit ihren Schrotflinten, einer bis an die Zähne bewaffneten, gut organisierten Gruppe von Abenteurern, derart das Fürchten gelehrt haben sollen, so dass dieselben in panischer Flucht auseinander stoben und nie wieder einen Fuss in die Nähe von Camps zu setzen wagten, wird wohl niemand ernstlich glauben wollen. Und selbst wenn, wären die Dörfler später ganz bestimmt eher froh darüber gewesen, wenn die Schatzgräber endlich ihre Gerätschaften abgeholt hätten. Doch das Zeug liegt heute, rund zwanzig Jahre später, immer noch dort im Wald herum. Bis auf die Rosinen, welche sich die Dörfler, nach eigenem Bekunden, aus dem Kuchen pickten. Könnte also die Episode in der Telefonzelle von Camps tatsächlich alles erklären?

 

Es sieht beinahe so aus. Doch wir wollen an anderer Stelle noch einmal darauf zurück kommen.

 

Camp sur l'Agly (48) kleinWas sich im Verlauf der fünfzehnjährigen Grabungsarbeiten im Wald bei Camps im einzelnen abspielte, ist, wie schon erwähnt, für Neugierige heute hauptsächlich nur noch anhand der Spuren zu eruieren, welche die Schatzsucher hinterliessen. Und diese Spuren sprechen eine deutliche Sprache. Dass daneben die unvermeidliche Gerüchteküche brodelte und noch immer brodelt, sollte uns dabei nicht weiter irritieren. Absonderliche Schauergeschichten  erblickten das Licht der Welt – wie zum Beispiel die, vom „Bauernaufstand“ in Camps-sur-l’Agly.

 

Welch geballte Waffengewalt der kleinen Bürgerwehr möglicherweise entgegen gestanden haben könnte, lässt sich im übrigen anhand eines Vorfalles erahnen, auf den der „Insider“ ausführlich in seinem Artikel eingeht. Weil er da Zusammenhänge zu sehen glaubt.

 

Im Jahr 2004 hoben Gendarmen, im Rahmen einer Razzia, auf dem Lazarc, ein Kriegswaffen-Arsenal aus. Mehr als achtzig Räumlichkeiten sollen damals von den Beamten durchsucht und dann versiegelt worden sein, weil sie als illegale Waffendepots dienten, darunter auch Kriegswaffen (automatische Pistolen, Sturmgewehre, grosskalibrige Revolver und mehrere tausend Schuss Munition). „Der Untersuchungsrichter von Millau untersucht den Ursprung dieses Arsenals und stösst auf eine Gruppe von Freunden und Helfern, die einer mysteriösen esoterischen Association angehören. Sechs Personen werden überführt. Alle sind Mitglieder eines merkwürdigen  eingetragenen Vereins mit der Bezeichnung „Gimel“ – das dem dritten Buchstaben des hebräischen Alphabets entspricht.“

 

Laut dem Vereinsregister, in der Unterpräfektur von Millau, ist dort ein „Semantisches Forschungszentrum Gimel“ seit dem 24. Juni 1995 als Verein eingetragen. Den Statuten des Vereins zufolge beabsichtigten die Mitglieder: Einen Weg psychosomatischer Praktiken durch die allgemeine  Semantik der neurolinguistischen Programmierung zu ebnen... wir suchen nach Spuren, die zu neuen Erklärungen von Phänomen mittels semanto-zetelischer Systeme führen, die auf die Interpretation von scriptularen und sonder-scriptularer Argumentation angewendet werden...  Es handelt sich dabei um extra-universitäre Studien jenes grossen historischen Initiationsgebildes. Merowinger, Westgoten, Templer, Katharer,, mittelalterliche Kabbalisten...[5]

 

Also, wirklich nur ein Haufen völlig durchgeknallter Esofreaks?

 

Fast könnte man die ganze Angelegenheit mit dieser Erklärung abtun. Zumal dann, wenn man den Aussagen des festgenommenen Vereinspräsidenten vor dem Untersuchungsrichter folgt:[6]

 

Richter: „Warum dieses ganze Arsenal?“

Gimel-Präsident: „Das ist eine Frage, die ich mir oft gestellt habe. ...wir haben an Vorträgen teilgenommen, über den Malteser-Orden. Wir waren von einem Mönch fasziniert, der uns über die Apokalypse erzählt hatte. Das machte uns Angst. Wir haben die Waffen gekauft.“

Richter: „Und Gimel?

Gimel-Präsident: „Wir haben einen absolut bescheuerten Verein gegründet. Wir waren seinerzeit seltsam. Wir interessierten uns für alles: Für die Ausserirdischen, für die Katharer, die Westgoten... Gimel symbolisiert das Geheimnis des Universums, den zartesten Teil Gottes. Ich hatte dieses Ding eingerichtet, um zu versuchen, Auskünfte und Informationen zu bekommen.“

Richter: „Ach so! Vielleicht in Zusammenhang mit der Suche eines legendären Schatzes, in Rennes-le-Château?“

Gimel-Präsident: „Ich ziehe es vor, nicht darüber zu sprechen!“

 

„Also doch...! – meinte der Insider zusammenfassend und sah sich in seinen Vorurteilen vollauf bestätigt. Weil: „Andere Quellen erzählen, dass die Verdächtigen echte archäologische Ausgrabungen durchführten, ohne dies zu bestätigen oder zu wissen, ob diese erfolgreich waren. Dessen ungeachtet stimmen die Zeugenaussagen darin überein, dass diese Gruppe sich auf die Suche und Bergung eines Schatzes stützte.

Eigene Recherchen ergeben auch, dass die vier oben genannten Personen (siehe damalige Wählerlisten von Camps-sur-Agly) per Zufall miteinander auf dem Larzac wohnen...[7] und einige 10km weiter, im gleichen Dorf..., z.B. der Präsident des Vereins...“

 

Neben den verschiedenen Indizien, die auf eine Verbindung zwischen dem Grabungsteam und den Vorgängen auf dem Lazarc hinweisen, existiert aber noch eine andere Spur, der wir unbedingt nachgehen wollten. 

 

Wir beschlossen, der Angelegenheit nun endlich auf den Grund gehen. Zuerst einmal widmeten wir uns intensiv der Grabungsstätte.

 

asmodeus

 

wird fortgesetzt...



[1] Zitat: DSM, Ausgabe 09, 2004, http//www.schatzsucher-magazin.de/

[2] siehe dazu: http//rennes.digital-culture.de/content/view/201/2/

[3] „...und viele Sachen, die nicht bekannt sind, weil sie von den Eingeborenen (uns)  geklaut wurden.“ (So im Original)

[4] aktuelle Einwohnerzahl : 60 Personen, laut Mairie von  Camps-sur-l’Agly

[5] Wir versuchen hier lediglich, den völlig verquasten und eigentlich wenig sinnvollen Inhalt ins Deutsche zu übertragen. Dieser komplette Unsinn kann, nach unserer Auffassung, ja wohl kaum ernst gemeint gewesen sein.

[6] In der Fassung des Insiders

[7] wir unterlassen auch an dieser Stelle die Nennung von Orts- und Personennamen und verweisen auf den Artikel im DSM

Veröffentlicht in Camps-sur-l'Agly

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prof. stuyvesant 12/17/2010 14:36


wenigstens eine url sollte man richtig schreiben können, wenn einem schon sonst nichts richtiges einfällt -