Gorge de Galamus - Im Schlund der Hölle Teil 2

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Eremitage Calamaus 21 kleinNeugierig geworden, versprachen wir uns am ehesten dort ein paar Antworten auf verschiedene unserer Fragen zu finden, wo schon die unglücklichen Albert Foncay Map und Marie-Bernard Brauge gesucht hatten – in den Höhlensystemen der Gorge de Galamus. Unserem Entdeckerdrang stand jedoch von jeher ein ärgerliches Hindernis in Form eines Gittertores entgegen. Die Türe sichert, aus gutem Grund, den Zugang zum Höllenschlund. Man geht auf dem Weg zur Eremitage nahe daran vorbei. Einem neugierigen Blick durch die Gitterstäbe offenbart sich lediglich die kleine Grotte, welche nach hinten hin schnell in eine enge Röhre übergeht. Unspektakulär – und man fragt sich, warum hier solcher Aufwand für das Bisschen Grotte getrieben worden sein mag. Klar, man möchte nach Möglichkeit verhindern, dass unerfahrene, leichtsinnige Touristen oder gar Kinder einen kleinen Abstecher unternehmen. Oder gibt es vielleicht noch andere Gründe? In einem Land, in dem zahllose, auch sehr grosse und überaus gefährliche Höhlen selten so gesichert sind, wie der Höllenschlund, darf man sich zumindest über diese Türe wundern. Doch andererseits ist „La Trou de Cité“ bei Lastours, einer anderen Touristenattraktion im Languedoc, gleichfalls mit einem stabilen Gitter versperrt, obwohl es sich dort, im Vergleich mit dem Höllenmaul, um eine eher „harmlose“ Höhle handelt.

 

Doch wir wollten uns eigentlich weniger die Köpfe darüber zerbrechen, warum die Höhle abgesperrt wurde – wir wollten viel lieber hinein. Gegen Ende Juli dieses Jahres ergab sich endlich die Gelegenheit dazu. Wir begleiteten Gäste bei einem Besuch in der Eremitage, passierten dabei wieder einmal das Objekt der Galamus Grotte (5) kleinBegierde, und stellten zu unserer freudigen Überraschung fest, dass die Tür ihren Zweck nicht mehr erfüllte. Diese möglicherweise einmalige Gelegenheit wollte ich mir, obwohl völlig unvorbereitet und nicht ausgerüstet, auf gar keinen Fall entgehen lassen. Ich schlüpfte kurzentschlossen in die Grotte und dann in die rückwärtige Röhre. Nur eine knapp drei Meter lange, enge Passage und schon tat sich vor mir eine schöne Grotte auf, deren Boden aber etwa drei Meter tief unten lag. Meine winzige Taschenlampe vermochte nicht einmal das Innere der Grotte ausreichend zu beleuchten. Sinnlos und viel zu riskant, weiter hinein zu klettern, obwohl eine Leiter einladend unter dem Einstiegsloch am Fels lehnte. Also kehrte ich um und vereinbarte mit meiner Frau eine Exkursion in diese Höhle zum schnellstmöglichen Zeitpunkt.

 

Gesagt getan – wir kehrten zwei Tage später zurück. Meine Frau sicherte im Zugangsbereich und schon begann unsere erste Exkursion in den Höllenschlund. Dabei gab ich mich keinen Illusionen hin. Nach allem, erste visite 1was wir bis dato über diese Höhle in Erfahrung gebracht hatten, war voraussehbar, dass ich im Alleingang nicht sehr weit vordringen konnte. Doch ich wollte mir wenigstens ein paar erste Eindrücke verschaffen – und die waren atemberaubend.

 

Auf dem Boden der Grotte angelangt, stand ich vor einer etwa brusthohen Felsbank, hinter der es steil weiter in die Tiefe ging. Mit Seilführung kein grosses Problem. Dann stand ich vor einem kurzen Tunnel, der nur in gebückter Haltung passiert werden kann. Er mündete in eine grössere Grotte, in der es weiter tief hinab ging. Meine Stimme erzeugte in dem Raum einen derartigen Hall, wie ich es selten in einer Höhle erlebte. Kein Zweifel, für solch eine Resonanz konnte unmöglich das Volumen in der Grotte sorgen, in der ich angekommen war. Wenige Meter vor mir endete der Boden der Caverne vor einem Abgrund. Ich bewegte mich vorsichtig bis an die Kante vor und versuchte herauszufinden, wie tief es dort hinunter ging. Dabei stellte ich fest, das ich auf einer Felsplatte lag. Der Raum unter mir weitete sich erste visite 4unter mir hinweg. Es  gab also nicht einmal eine Wand, an der ich die ca. 10m hätte hinunterklettern können – bis auf die gegenüber liegende Felswand natürlich. Aber die war von meiner Position aus auch nicht zu erreichen. Doch zum Glück hatten die Speleos hier schon Vorsorge getroffen. Als ich mich weiter umsah, entdeckte ich vier Haken über mir in der Wand. Von hier aus galt es sich also abzuseilen. Ich hätte nun ein weiteres Seil gebraucht und – da machte ich mir nichts vor – einen Sepeleokollegen. 

 

Der war bald gefunden. Peter Ernst hielt sich gerade in der Gegend auf und wir planten ohnehin, wie in den Jahren zuvor, einige gemeinsame Höhlenexkursionen zu unternehmen. Es traf sich also auf das beste, als Peter anfragte, ob ich noch von einer Höhle wüsste, die als weiteres highlight, neben dem von ihm entdeckten Höhlengrab, auf seine neue DVD passen würde. Dem Mann konnte geholfen werden und ich Galamus Grotte (16) kleinwar ebenfalls aus dem Schneider. Wie der Zufall es wollte, hatte er schon von der sagenumwobenen Höhle in der Gorge de Galamus gehört und war sichtlich begeistert, als er erfuhr, dass genau dieser Höllentrip als nächstes auf dem Programm stand. Wir schoben das Unternehmen nicht auf die lange Bank.

 

Bald darauf standen wir bereits auf dem vollgeparkten Parkplatz. Zunächst noch unschlüssig, weil wir lieber kein Aufsehen erregen wollten. Doch wir hätten bis in die späten Abendstunden warten müssen und wären wahrscheinlich selbst dann noch nicht ungesehen bis zum Höhleneingang gelangt. Also beluden wir uns schliesslich kurzentschlossen mit unserer Ausrüstung und schleppten das ganze Zeug, all die verwunderten Blicke einfach ignorierend, bis zum Gittertor, hinter dem wir schleunigst unbeobachtet in den Höllenschlund krochen.

 

Höllmaul m Peter (26) kleinUnser Weg verlief ohne Zwischenfälle bis zu der Stelle, an der ich schon bei meinem ersten Besuch angelangt war. Hier hängten wir unser Seil ein und was sich als die erste kleine Zitterpartie erwies. Die Haken sind so über dem Abgrund gesetzt worden, dass das Seil frei hängt. Ich kletterte also an der feuchten und glatten Wand bis zum äussersten Punkt, während Peter mich am Gurtzeug festhielt, denn das Seil musste vom vordersten Haken her durch alle anderen Haken nach hinten gefädelt werden. Dann war die erste Hürde genommen und nachdem wir uns abgeseilt hatten, fanden wird uns, am Grund angekommen, in einer grossen Halle wieder, die nach zwei Seiten in grosse abschüssige Galerien auslief.

 

Nachdem wir uns in der Halle umgesehen hatten, entschieden wir uns dafür zuerst die nach links verlaufende Galerie weiter zu verfolgen. Es stellte sich schon nach wenigen Metern heraus, dass sie über mehrere Stufen Höllmaul m Peter (25) kleinhinweg ziemlich steil in die Tiefe führte. Es war nicht zu übersehen, dass sich die Höhle in diesem Bereich vertikal entwickelt. Der Weg über die Stufen abwärts stellt dabei die gangbarere Möglichkeit dar. Denn bereits am Eingang in diese Galerie, rechter Hand, entdeckten wir eine wunderschöne, aber scheinbar bodenlose  Tropfsteingrotte. Man könnte sich also auch dort in die Tiefe abseilen und würde dann wahrscheinlich wieder in jenem Tunnel anlangen, zu dem sich die Galerie in grösserer Tiefe verengt.

 

Höllmaul m Peter (10) kleinWir wählten den „bequemeren“ Weg. Sahen uns jedoch gezwungen, nunmehr arbeitsteilig vorzugehen. Klettern und filmen schlossen sich in diesem Abschnitt der Höhle aus. Peter war vollauf damit ausgelastet, sich beim Filmen in einer halbwegs stabilen Position zu halten. Also machte ich mich an den Abstieg und fotografierte, wenn ich die Hände frei hatte. So arbeitete ich mich bis zu einer Stelle vor, an der sich der Stollen schliesslich in einen tiefen Schacht verwandelte. Hier kam ich allein nicht weiter. Peter hätte nachrücken müssen, was lediglich einige zusätzliche Arbeit für uns bedeutet hätte. Wir hielten es jedoch für weniger sinnvoll, den Weg in dieser Richtung weiter zu verfolgen – denn nirgendwo, über diesem Abgrund, waren Haken zu entdecken. Folglich hatten Speleos darauf verzichtet, die Höhle nach dieser Seite hin zu erkunden. Sie werden ihre Gründe gehabt haben. Deshalb entschieden wir uns dafür, lieber umzukehren, und über die zweite Galerie weiter zu gehen, statt Zeit und Kräfte an einen vermutlich uninteressanten Abstecher zu vergeuden. Denn der Abstieg, bis zu dieser Stelle, war alles andere als reibungslos, sondern in einem wiederholten Auf und Ab, verlaufen.

 

Die zweite Galerie erstreckt sich zwar ebenfalls stark abschüssig, wenn auch nicht so steil abfallend, wie die erste, ungefähr in Richtung Eremitage, welche sie unterquert. Über eine Strecke von etwa 500m ist sie ohne nennenswerte Hindernisse begehbar. Bei einer Erstbegehung erscheinen ein paar einfache SicherheitsmassHöllmaul m Peter (62) kleinnahmen dennoch angebracht. Wer auf dem immer feuchten und glitschigen Boden ins Rutschen gerät, kommt erst nach einer mehr oder weniger langen unkontrollierbaren Rutschpartie wieder auf die Füsse. Solch ein Ausrutscher kann auch in dieser Galerie in einem der Risse oder Spalten enden, die man auf diesem Weg passiert. Wir entdeckten jedoch keine Verbindung hinauf, in die Eremitage, wie wir gehofft hatten. Trotzdem gehe ich weiterhin davon aus, dass solch eine Verbindung besteht.

 

Im Verlauf unserer Exkursion hatten wir das Zeitgefühl weitgehend verloren und stellten irgendwann fest, dass wir schon ungefähr sechs Stunden lang in der Höhle unterwegs waren. Für den Rückweg mussten noch ausreichend Kraftreserven verfügbar sein. Ausserdem war es kaum noch möglich mit den Kameras brauchbare Aufnahmen zu machen. Zu unserer Verwunderung trübte sich zunehmend die Atmosphäre in der Höhle. Uns war schon zu Beginn, kurz nachdem wir uns abgeseilt hatten, aufgefallen, dass unsere Atemluft ungewöhnlich lange als feiner Dunst sichtbar blieb. Das merkwürdige Verhalten unserer Atemluft erschwerte ja die Kameraarbeit für Peter schon in der Galerie, die wir zuerst untersuchten, erheblich. Und die zunehmende Eintrübung der Luft in der Höhle war selbst gegen Ende unserer Exkursion, noch in der Halle, in die wir uns anfangs abgeseilt hatten, beträchtlich. Ein feiner Nebel schien sich in der gesamten Höhle auszubreiten. Möglicherweise verursacht durch eine Thermalquelle, in grösseren Tiefen, die wir erst noch aufsuchen wollen

 

Ich versuchte mir vorzustellen, was den beiden unglücklichen Abenteurern, im 16.Jh., hier unten begegnet sein mochte. Es kann nicht nur der Nebel allein gewesen sein, der ihnen zum Verhängnis geworden ist.

 

Dämon aus Film 10Wirklichen Dämonen begegneten wir, Gott sei Dank, jedoch nicht. Aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass einigermassen unheimliche Eindrücke dennoch gewonnen werden können. Bei meiner ersten Visite machte ich Videoaufnahmen in der ersten kleinen Grotte, vor dem brusthohen Wall, der den Einstiegsbereich zum Höhleninneren hin abgrenzt und hatte plötzlich eine beängstigend realistische Fratze im Sucher, die sich plastisch auf der gegenüberliegenden Felswand abzeichnete. Wahrscheinlich nur eine Laune der Natur – der man vielleicht irgendwann einmal zu noch etwas mehr Deutlichkeit verholfen hat? Dieser Anblick, im flackernden Licht einer Fackel könnte in alten Zeiten durchaus dämonisch auf Besucher und deren Phantasie gewirkt haben.

 

In dem Zusammenhang sei ein anderes Kuriosum erwähnt, weil es zumindest bezeugt zu sein scheint, was wir bisher jedoch noch nicht nachprüfen konnten. Wie überall, bringt der heutige Massentourismus zwar dringend benötigtes Geld in die Kassen, aber dafür bleiben auch die üblen Begleiterscheinungen nicht aus. Kurz, seit sich in den vergangenen Jahre Fälle von Vandalismus und obskure Zeremonien in der Höhlenkapelle häuften, ist dort eine  Überwachungskamera installiert worden. Die Kamera ist permanent in Betrieb. Mehrmals soll sie während der Nachtstunden rätselhafte Vorgänge in der Kapelle aufgezeichnet haben. Bilder von Geistern...[1]

 

Als wir aus dem Höllenschlund schliesslich erschöpft, aber immerhin unversehrt, wieder ins Freie hinaustraten, hatte sich längst die warme Sommernacht über die Schlucht gesenkt. Im Schein unserer Stirnlampen stiegen wir über den Maultierpfad zum Parkplatz hinauf, wo wir eine längere Rast einlegten.

 

Fragen über Fragen

 

Aufgrund der vielen Eindrücke, die ich im Verlauf meiner Besuche in der Eremitage de Galamus und vor allen Dingen in dem berüchtigten Höllenschlund gewann, kommen mir immer stärkere Zweifel an der Richtigkeit der offiziellen Darstellungen und Erklärungen über diesen Ort. Vor allen Dingen nach den erwähnten Höhlenexkursionen erscheint mir vieles noch widersprüchlicher und fragwürdiger:

 

Welche der Grotten ist die echte, die ursprüngliche Andachtsstätte der Eremiten gewesen?

Was für eine Frage. Kann man doch alles in dem kleinen Führer nachlesen, den es im Kiosk zu kaufen gibt – und in unzähligen anderen Publikationen auch: Die kleinere Grotte, die „Marie-Madeleine-Grotte“ (was denn auch sonst...) soll die ursprüngliche Andachtsstätte sein. Weil dabei oft das kleine Wasserbecken in der Eremitage Calamaus 22 kleinGrotte erwähnt wird, kann kein Zweifel daran bestehen, welche Grotte gemeint ist. Das tut beispielsweise auch André Douzet in seinem interessanten Artikel über die Eremitage
de Galamus. Er beschreibt die Grotte und das Becken und behauptet dann, dass sich hinten, in der Grotte, irgendwo hinter dem Wasserbecken, der Eingang in den Höllenschlund befinden würde. Doch das ist offensichtlich nicht der Fall. Dieser Zugang befindet sich in jener kleinen Grotte, die mit dem Gittertor verschlossen ist. Und in eben dieser Grotte sprechen deutliche Spuren dafür, dass sie intensiv genutzt worden sein muss. Sicherlich über viele Jahrhunderte hinweg müssen tausende Menschen oder vielleicht noch mehr, so, wie wir, durch die enge  Röhre gekrochen sein. Denn das stellte ich schon bei meiner ersten Visite fest – Boden und Wände der Röhre sind an den exponierten Stellen glatt geschliffen, ja regelrecht poliert. Ganz besonders stark an der Kante, über die man sich wälzt, wenn man in die erste kleine Caverne hinunter gelangen will.

Die gleichen Spuren entdeckt man dann wieder in dieser Caverne, auf der Barriere, die diese Caverne gegen die nächstfolgenden, tiefer gelegenen Höhlenabschnitten abgrenzt. Auch diese Felsbank weist polierte Flächen auf – dort, wo man sie übersteigt.

Galamus Grotte (31) kleinAm auffälligsten ist der polierte Felsboden natürlich dort, wo man am wenigsten damit rechnen würde, dass ganze Heerscharen von Menschen diese Stelle passiert haben sollen – an der Kante jener Felsplatte, von der aus wir uns in die Tiefe abgeseilt hatten. Nicht gerade ein bodenloser Abgrund, sondern „nur“ acht oder zehn Meter, die am frei hängenden Seil dennoch erst mal, ob nach unten oder auch nach oben, überwunden werden wollen.

Wie auch immer, die Anzeichen sprechen dafür, dass diese Höhle seit alter Zeit kultischen Zwecken diente. In den oberen Höhlenabschnitten dürften Zeremonien befolgt worden sein, wie wir sie ganz allgemein als sogenannte Durchkriechbräuche kennen. Solche Bräuche waren seit undenklichen Zeiten in ganz Mitteleuropa verbreitet, sie hatten überwiegend volkstümlichen Charakter und haben dort, wo sie fleissig ausgeübt wurden folglich auch deutliche Spuren hinterlassen. In der Gorge de Galamus ist das offenbar der Fall.

Dämon beschr kleinEigenartigerweise fielen uns in den tieferen Abschnitten der Höhle keine weiteren Spuren auf. Allerdings suchten wir auch nicht danach und unsere Aufmerksamkeit galt anderen, eher speleologischen  Aspekten. Einigermassen verwunderlich finden wir es schon, dass Menschen in so grosser Zahl den mühseligen und nicht ungefährlichen Abstieg in diese Höhle unternommen haben. Auch wenn sie wahrscheinlich nicht, wie wir, an einem Seil kletterten. Wir gehen davon aus, dass an den schwierigen Stellen Leitern vorhanden gewesen sind.

Übrigens  ein weiterer Beleg dafür, dass es in dieser Einsiedelei von alters her recht lebhaft zugegangen zu sein scheint.

Neben den volkstümlichen Durchkriechritualen könnte der Höllenschlund aber auch andere Kulte beherbergt haben, ein unterirdisches Initiationsheiligtum gewesen sein, oder auch noch etwas ganz anderes.

  1. Um auf die eingangs gestellte Frage zurück zu kommen, meinen wir guten Grund zu der Annahme zu haben, dass der Höllenschlund früher einmal eine Kulthöhle gewesen ist. Auf den Zugangsbereich, die heute versperrte kleine Grotte und den Kriechgang dürfte das sicherlich zutreffen. Wenn nun aber, wie wir wissen, später, im Zuge der Christianisierung, oft und eifrig die alten heidnischen Kultplätze in christliche Kultstätten umfunktioniert wurden, dann spricht eigentlich nichts gegen den Schluss, dass hier, in der Galamus nach eben diesem Schema verfahren worden ist. Das wäre aber gleichbedeutend damit, dass die heute versperrte Grotte von den ersten Eremiten in eine christliche Kapelle umgewandelt wurde. Die heutige Marienkapelle, mit ihrer Quelle und dem Wasserbecken, dagegen wäre eigentlich eine ideale Wohnhöhle gewesen und wird ursprünglich wohl auch eher diesem Zweck gedient haben.

Wo befindet sich der zweite Zugang in das Höllenmaul?

erste visite 10Wir gehen, wie gesagt, nach wie vor davon aus, dass es ausser dem Zugang, den wir bei unserer Exkursion benutzten, noch einen anderen Eingang in den Höllenschlund geben müsste – möglicherweise auch mehrere Zugänge. Bei einem Durchkriechritual wird ein Lochstein oder eine Felsspalte/röhre üblicherweise von einer Eingangsöffnung zu einem Ausgang hin durchquert. Darin besteht das Ritual, das man sicherlich nicht beginnt, indem man die Passage zuerst einmal - gewissermassen pro forma und wirkungslos – rückwärts bewältigt. Bei einem Lochstein oder einer Felsspalte hätte man das Ritual in dem Fall ja bereits vollzogen. Der Eingang kann und darf nicht zugleich der Ausgang sein. Für ein vergleichbares Ritual, das in einer Höhle vollzogen wurde, galt dieser Grundsatz gleichermassen. Am Ende einer simulierten  Wiedergeburt trat der Kandidat sicherlich auch aus der kleinen Grotte, um die es hier geht, hinaus, in ein neues Leben. Von wo aus trat er aber seine Reise durch die Nacht der Totenwelt in den Tiefen der Berge an?

asmodeus



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