Kultplätze bei Fourtou - der Templerschatz (3)

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Grotte Paregot (24) kleinNachdem wir die Feen-Grotte, la Caunha Sanct erkundet hatten, wandten wir uns der zweiten Höhle, auf der anderen Talseite, oberhalb der Mühle zu – der Grotte Paregeot. Sie ist wesentlich leichter zu entdecken, als die Grotte Mitounes, was vor allen Dingen in der wasserreichen Jahreszeit, im Winter und im Frühjahr der Fall ist. Dann führt diese Höhle Wasser, welches sich aus der Felswand, unterhalb der Landstrasse ergiesst. Als die Trasse für die neue D 174 durch die alte Domaine Paregeot geführt wurde, musste der Wasserabfluss aus dem Berg unbedingt gewährleistet bleiben. Deshalb ist der Höhleneingang ausgemauert worden und der natürliche Kanal verläuft an seinem Anfang unter der Landstrasse hinweg und dann weiter, schräg in Richtung der Ruinen von Le Paregeot, ehe sich die Höhle in weiteren Verzweigungen noch weit über das ehemalige Gut hinaus, im Untergrund fortsetzt.

 

 

 

Paregot Juli 2009 (40) kleinBei unseren Recherchen zu den Höhlen, der Mühle und dem Gut, stiessen wir schon bald auf die beinahe unvermeidlichen Schatzsagen, die sich zumeist um solche Orte ranken – und zuweilen tatsächlich Erinnerungen an historische Ereignisse beinhalten. Unsere Neugierde war geweckt, denn wir hörten wiederholt von einem Schatz, den die templiers in der Grotte Paregeot in Sicherheit gebracht haben sollen, als der Orden, am Freitag, dem 13. Oktober 1307, von Philipp dem Schönen vernichtet wurde. Eine von unzähligen Templerschatzsagen also. Immerhin aber eine, die in der näheren Umgebung von Rennes-le-Château angesiedelt ist.

 

 

  Könnten wir hier wirklich auf eine verheissungsvolle Spur gestossen sein?

 

  Dem kleinen Dorf Fourtou, mit seinen vierundfünfzig Einwohnern ist die grosse Vergangenheit wirklich nicht anzusehen. Der Ortsname bewahrt jedoch Erinnerungen an eine Zeit, in welcher der Platz als strategisch wichtiger Punkt galt und entsprechend stark befestigt gewesen ist. Im Namen steckt das lat. Adjektiv „fortis“, was stark bedeutet. Hier scheint sogar ein besonders starkes Kastell bestanden zu haben, dessen Aufgabe sich bestimmt nicht alleine darin erschöpft haben dürfte, eine der Hauptquellen des Flusses Orbieu zu schützen (das Ruisseau du Moulin speist den Orbieu).  Eine andere Quelle in der Nähe von Fourtou dürfte diesen grossen Aufwand viel eher Wert gewesen zu sein – die Fontaine Salée. Hier entspringt die Sals und nimmt ihren Weg über Sougraigne, Rennes-les-Bains, an Coustaussa und Rennes-le-Château vorbei, nach Couiza, wo sie in die Aude mündet.

 

  Salz – neben dem Gold wohl das wertvollste Gut in der Vergangenheit. Lebensnotwendig und daher absolut unverzichtbar. Wer über Salzressourcen gebot verfügte über Macht und erhebliche finanzielle Einkommen. Salzvorkommen waren im gesamten Altertum begehrt und umkämpft. Kriege wurden geführt, um in den Besitz solcher Vorkommen zu gelangen. Für die immens wichtige Rolle welche dem Salz im Altertum zukam – nicht nur vordergründig für die Ernährung – hier nur ein Beispiel: Den römischen Legionären wurde ein Teil ihres Soldes in Salz – den „salarii“, von denen sich das heute noch gebräuchliche Wort „Salär“ herleitet,  ausgezahlt  Für den Verlauf der wichtigen Handelswege waren die Lage von Salzvorkommen mitentscheidend. Hier die Verbindungswege zur Via Domitia, der alten römischen Hauptstrasse. Angelegt von Domitius Ahenobarbus für die Verbindung zwischen Rom und Spanien. Heute finden sich immer noch vereinzelte Abschnitte von alten Salsstrassen, „chemins saliniers“, entlang der Via Domitia, über welche die Versorgung der Montagne Noir, des Causses, und der Cevennen verlief.

 

  Besteuert wurde das Salz bereits von den Römern. Ihre starke Präsenz im Salstal, für das sie sich offensichtlich nicht wenig interessierten, ist unbestritten bei Historikern und Archäologen. Salzrecht war Herrenrecht, von den Römern über die Wisigoten, die Franken, bis hin zu den französischen Königen, unter denen sich „zufällig“ Philipp der Schöne in Sachen Salz besonders hervortat. Die Salzwirtschaft lag vom 9. Jh. bis zum 13. Jh in den Händen der regionalen Herren und Prälaten – bis der König auf die Idee kam, sich eine weitere rentable Einkommensquelle zu schaffen. Im Jahr 1340 erklärte Philipp der Schöne die Salzgewinnung zum königlichen Monopol – „la gabelle“ = die Steuer, ableitet vom arab. „Qabala“. Ein raffinierter Schachzug übrigens, denn Philipp erhob damit eine doppelte Steuer, beim Produzenten, wie beim Konsumenten.

 

 

 

An der Salsquelle wurde, wegen des überhand nehmenden Salzschmuggels, in der Folgezeit ein ständiger Wachtposten installiert – Corps du Garde. Dort, wo zuvor offenbar auch schon die Templer einen solchen Posten unterhalten hatten. Denn bis zur Zerschlagung des Ordens, am 13. Oktober 1307, war das Salzgeschäft , zumindest im Languedoc, weitgehend in Händen der templiers – so, wie sich eine Vielzahl von Mühlen in ihrer Hand befanden. Im Aude stellte die Müllerei einen wichtigen Wirtschaftszweig dar, der hier Templersiegel-colorsein Zentrum hatte. Verschiedene Urkunden des Cartulaire von Douzens geben gerade über diese Vorgänge einige Auskunft. Erwähnt wird beispielsweise die Übertragung einer Mühle an einem Ort namens Brassa, südlich von Limoux, eine Wassermühle bei Esperazano, genannt Campanha und andere Mühlen, wie „le moulin d`en Pont, le moulin de l`Airoulr, de Airolam und de Pontarrana. Zwar wird in diesen Urkunden die Paregeotmühle nicht namentlich erwähnt und nicht ausdrücklich als Besitz des Ordens ausgewiesen, doch dürfte es de facto der Fall gewesen sein, nachdem zwei Grundherren dem Orden beigetreten waren – die zwei Söhne von Gilelmi de Redas, des Herrn von Rennes-le-Château. Einer Urkunde aus dem Jahr 1140 bestätigt diesen Sachverhalt. Ein anderes Pergament, aus dem Jahr 1142[1], enthält die Nachricht vom Beitritt seiner beiden Söhne in den Templerorden. Ihre Namen sind Petri de Redas, der auch Petri de Sancto Iohane genannt wurde, und Boneti de Redas. Mit dem Beitritt zum Orden waren, wie übblich, beträchtliche Güterschenkungen verbunden, welche im Verlauf der Jahre 1147/48 vollzogen worden sind.[2]

 

 

 

Pierre de Redas brachte es in der Ordenshierarchie bis zum Rang des Kommandanten von Douzens. Er unterzeichnete 1165 eine Urkunde als „iohanes de silua, commandaire, Maître de Douzens“. Dass dieser Kommandant tatsächlich mit Pierre de Redas identisch ist, ergibt sich aus einer Stelle in dem Pergament, wo es heisst: „M°. C.° LXV... Nos fratris templi Jherosolimitani siliced ego petrus de Sancti Iohanes magistri de dozencs et Iohanes de silva comandaire...“

 

 

 

templerAn dieser Stelle mit unseren Recherchen angelangt, liess sich relativ klar feststellen, dass Angehörige einer Adelsfamilie aus dem Razès, mit Sitz in Rennes-le-Château, innerhalb des Ordens einflussreiche Stellungen inne hatten. Mit Pierre und Boneti de Redas nennen wir hier lediglich zwei Ritter. Doch unter den Templern im Languedoc waren, bis zur Zerschlagung des Ordens, die Sprösslinge aller Adelsgeschlechter aus der Region vertreten.

 

 

 

Wir versuchten uns die Situation vorzustellen,  in der sich die templiers im Vorfeld des schwarzen Freitages, der ihnen bevorstand, befunden haben müssen. Dass die Templer nicht so völlig ahnungslos und unvorbereitet auf ihr Verderben warteten, wie es oft dargestellt wird, darf sicherlich ins Reich der Fabel verwiesen werden. Und so wird man auch in der Kommanderie, in Campagna (Campagne sur Aude) entsprechendeVorkehrungen getroffen haben. Bekanntlich soll es Philipp dem Schönen gelungen sein, alle Templer in Frankreich auf einen Schlag gefangen zu nehmen und ihre Niederlassungen zu übernehmen. Doch sah er sich in der Hoffnung getäuscht, dass Gold des Ordens an sich zu bringen. Nirgendwo fanden seine Suchtrupps nennenswerte Geld- oder Goldbestände. Allein aus dieser Tatsache kann darauf geschlossen werden, dass die Templer ihre Schätze und Geldreserven in Sicherheit gebracht hatten – zusammen mit allen wichtigen Urkunden und Aufzeichnungen.

 

grotte paregeot planWarum sollten sich die Templer in Campagna aber ausgerechnet die Grotte Paregeot als Versteck auserkoren haben?

 

Eine Höhle in der regelmässig Wasser unterwegs ist erschien uns für den Zweck zunächst eher ungeeignet zu sein. Doch die Grotte Paregeot weist ein paar Besonderheiten auf, welche beinahe ideale Voraussetzungen bieten.  

 

 

 

  1. Ihre Lage, an einem einsamen, abgelegenen Ort, den die Einheimischen aus abergläubiger Scheu ängstlich mieden. Der aber dennoch über eine brauchbare Zufahrt verfügte – den Transportweg zur Mühle. Es wäre folglich sogar möglich gewesen, eine Wagenladung, oder sogar mehrere Wagenladungen bis nahe an den Höhleneingang zu bringen, falls das erforderlich gewesen sein sollte.
  2. Die Ritter hatten den Ort von je her unter ihrer Kontrolle. Falls der Müller nicht überhaupt ein servante war, ein dienender Bruder und Ordensmitglied, wäre es den Rittern ein Leichtes gewesen, den Müller und seine Gehilfen unter einem Vorwand, für einen, oder auch für mehrere Tage, von dem Platz fern zu halten. Andere Beobachter waren nicht zu befürchten.
  3. Die Höhle verfügte über mindestens zwei Zugänge. Ausser dem Wasserabfluss, oberhalb der Mühle, in der Felswand, existierte noch ein zweiter Eingang, oben, beim Gutshaus. Nur von diesem Eingang aus gelangt man in den weitaus grösseren Teil der Höhle, während man von der Mühle aus nur etwa 50 m weit, bis zu einem Siphon, vordringen kann, der den Weg in den hinteren Bereich der Höhle verschliesst.

 

 

Paregeot Haus kleinDie Ritter hätten also den oberen Zugang, in der Nähe des Gutes benutzen müssen, als sie ihren Schatz in der Grotte deponierten. Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann ist damit zu rechnen, dass sie ihn nicht einfach nur in der Grotte ablegten, sondern in einen geeigneten kleinen Hohlraum einlagerten, den sie nicht zuletzt wegen des Wassers sicher verschlossen. Vielleicht legten sie auch extra eine Kammer an. Sie müssten dafür eine Stelle gewählt haben, die vom Wasser möglichst nicht erreicht werden kann. Es gibt solche Abschnitte in der Höhle. Zum Schluss hätten sie den oberen Zugang nur noch zuschütten müssen. Vielleicht ist eines der vielen kleinen Nebengebäude, deren Überreste heute noch existieren, sogar über der betreffenden Stelle errichtet worden.

 

 

 

Der Schatz hätte also wirklich ein sehr sicheres Versteck gefunden. So sicher, dass es aber sogar den eingeweihten überlebenden RittParegot Juli 2009 (47) kleinern einige Mühe bereitet hätte, ihn später bei Bedarf wieder zu bergen. Sie hätten erst, in vermutlich wochenlanger mühsamer Plackerei, den Siphon mit Eimern ausschöpfen müssen. Selbst mit einer einfachen Handpumpe würde solch ein Unterfangen noch eine echte Herausforderung darstellen. Aber das könnte durchaus auch die Erklärung dafür sein, dass in früherer Zeit, trotz der kursierenden Gerüchte, offenbar kaum jemand den Versuch unternahm, den Schatz der Templer aus Campagna in seinen Besitz zu bringen.

 

 

 

Heute wäre der Aufwand vergleichsweise wesentlich geringer und vertretbar.  Belgische Speleologen unter Führung von Mitgliedern des CAEDS (Aude) erkundeten im November 1990 den hinteren Bereich der Höhle, nachdem sie den Siphon über drei Tage hinweg leergepumpt hatten. Die Expedition der Speleos diente jedoch ausschliesslich geohydrologischen und speleologischen Zielen. Schatzsuche stand nicht auf dem Programm und kam den Kollegen auch gar nicht in den Sinn. Unter diesem Gesichtspunkt müsste die Höhle also erst noch genauer erforscht werden.  

 

 

  

asmodeus

 

video: 

http://www.dailymotion.com/video/xfturf_das-paregeotgeheimnis_sport

 



[1] Cartulaire de Douzens, Magnou-Gérard, liasse A. document 205 und 213

 

 

 

[2] Cartulaire de Douzens, Magnou-Gérard, liasse A. document 206

 

 

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