Goldwaschen in Frankreich

Veröffentlicht auf von asmodeus

von Pierre-Christian Guiollard,
Vice-Président de la Fédération Française d'Orpaillage (Vize-Präsident der Federation Französischer Goldwäscher) 
Autor des "Handbuch für die Suche nach Gold in Frankreich" 
Website: http://www.guiollard.fr

 

Ins Deutsche übertragen von Prof.ren. asmodeus

Manche Gedanken sind einfach unsterblich – ob das nun die Goldgewinnung betrifft, oder etwas anderes. Die meisten Menschen denken, wenn von Goldgräbern die Rede ist, sofort an Kalifornien und den Goldrausch von 1846, an den Wilden Westen, an Cowboys, karierte Hemden und Revolver. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass die Geschichte des Goldsuchens im 19. Jahrhundert in weiten Teilen des amerikanischen Westens beginnt. Und würde man heute zufällig der Männer ansichtig, die an den Ufern mancher Flüsse in Frankreich  ihre Meisterschaften austragen, und wollte man sie nach ihrer Kleidung beurteilen, fände man das üblicherweise in den Medien gezeichnete Vorurteil bestätigt. Doch die Geschichte der Goldgewinnung beginnt natürlich erst im Jahre 1846. Ihre Anfänge liegen in den dunklen Bereichen unserer Frühgeschichte und Goldgräber ist einer der ältesten Berufe der Welt.

Gold in Frankreich

 
Oft ist das Gold in Form von Flocken (Flitter) und gelegentlich als Chips oder Pellets (Nuggets) im Sand von Französischen Flüssen anzutreffen.
Viele Flüsse unseres Landes führen Gold, aber es ist möglich, drei Gold-Felder wegen ihres besonderen  Umfang und Reichtum zu unterscheiden. Dies sind die Pyrenäen, der süd-östliche Rand des Massif Central (Cevennen) und das armorikanische Massiv. Zu diesen großen Bezirken müssen wir noch den Limousin hinzurechnen, sowie einige Flüsse in Puy-de-Dôme, im Cantal, das Rheintal, Savoie und die Rhone und ein paar andere von geringerer Bedeutung (wie z.B. die Ardèche). 
In unserem Land ist, das Waschen von Sand der Flüsse bereits in der Antike üblich gewesen. Es wurde zu verschiedenen Zeiten im Mittelalter, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts praktiziert. Seit 1975 erleben wir die Wiederbelebung der Goldgewinnung zumeist als Hobby. 

Geschichte

  • Antike: intensive Aktivitäten
    Es scheint, dass der Goldreichtum von Gallien eine der Ursachen für die römische Invasion, vor ungefähr 2000 Jahren, gewesen ist.
    Die Schriften von vielen antiken Autoren (Strabo, Possidonios, Diodor, Plinius, ...) zeugen vom Wohlstand der "Gallia aurifer. Die Reste der alten gallischen Förderstätten – zwar oft erwähnt – sind aber nur schwer genau zu lokalisieren.
    Neuere archäologische Forschungen erbrachten den Nachweis, dass schon 400 Jahre v. Chr. von den Galliern im Untergrund des Limousin nach dem Edelmetall gegraben worden ist.  In den Pyrenäen, in der Nähe von Cambo, in der Region Aldudes und entlang des Rio Arizacun sollen noch erhebliche Deponien lagern. 
  • Mittelalter ( 4. bis 14. Jahrhundert)
    Wir haben nur sehr wenige Informationen über die Gewinnung von Gold zu dieser Zeit. Es scheint, dass "nach dem Fall des Römischen Reiches“, der Bergbau vollständig zum erliegen kam. Die Gründe für dieses Absterben bleiben ein Geheimnis. Lediglich an den Ufern der Flüsse scheint weiter Gold gewaschen worden zu sein. Vor allem entlang des Rheins, in den Alpen, in den Cevennen, in den Pyrenäen und im Limousin.
  • 15. bis 18. Jahrhundert: Blütezeit des modernen Goldbergbau
    Aus dieser Zeit stammen die ersten frühen Gesetze, Erlasse und sonstige schriftliche Unterlagen über die Goldgewinnung und fing damit an, diese Tätigkeit gesetzlich zu regeln. 
    Die Aktivität der Goldgräber erreicht  zu diesem Zeitpunkt ihre höchste Blütezeitauf am Rhein, an der Rhone und ihren Nebenflüssen, in den Cevennen und in den Pyrenäen. 
    Nach antiken Texte zu urteilen, scheint es, dass die Ernte von Goldstaub immer eine Nebenbeschäftigung von Hirten, Bauern und Fischer blieb, um ihr Einkommen zu aufzubessern.
  • 19. Jahrhundert: das Verschwinden der Goldgräber
    Bis 1810, dem Tag der Verabschiedung des Gesetzes über die Bergwerke und Steinbrüche, arbeitete der Bergmann unter einem königlichen Patent. Als Lieferant für das königliche Schatzamt wurde er Inhaber bestimmter Rechte einschließlich der Möglichkeit, seine Einlagen frei zu wählen, ohne Rücksicht auf die Meinung des Betreibers des Platzes. 
    Durch das Gesetz von 1810 wurde dieses Patent abgeschafft, von nun an war eine Erlaubnis der Eigentümer der Küsten-Wasserstraßen für das Waschen von Gold notwendig, und viele Goldsucher wurden von nun an erbarmungslos gejagt.
    Trotz der großen Zahl von Menschen, die diese Form von Suche nach Gold trotzdem praktizierte, blieb diese Tätigkeit immer ein Einmannbetrieb mit entsprechend niedriger Produktivität. Das einsame Geschäft erklärt auch sein Verschwinden. Wir schätzten die effektive Geweinnmarge von individuellen Prospektoren der Gardon oder Ceze (Gard) auf ca. 2 g oder 3 g pro Tag.
    Nur ein paar vereinzelte Goldminen überlebten noch ein paar Jahre, aber sie verschwinden zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
  • 20. Jahrhundert: Wiederbelebung der Bergbau-Industrie und Förderung des Goldwaschens als Hobby.
    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte der französische Goldbergbau einen beträchtlichen Aufschwung. Markiert von der Entdeckung und Erschliessung mehrerer ergiebiger Goldminen (Mines de la Lucette, La Belliere, Le Châtelet, Salsigne, Sheni ,...). Die Wiederaufnahme der Goldgewinnung im Bergbau führte darüber hinaus auch zu einigen Versuchen der industriellen Nutzung von Schwemmland im Departement Gard, Ariège, der Dordogne und der Bretagne.
    Trotz einer Fülle von Gold, in manchmal interessanten Anteilen, wurden diese Pläne wieder aufgegeben. Die französischen Schwemmsandlagerstätten sind in Größe und Reichweite zu begrenzt, für einen profitablen industriellen Abbau. Alle dahin gehenden Versuche schlugen fehl.
  • 70er Jahre: Fortsetzung
    In den 70er Jahren, des vorigen Jahrhunderts, kam es zu einer kleinen Renaissance in Frankreich. Jean-Claude Lefaucheur, ehemaliger Journalist, unternahm den praktischen versuch, aus der Ernte von Gold entlang des Flusses Salat (Ariege) seinen Lebensunterhalt zu bestreiten – später unternahm er den Versuch erneut in der Gard. Seine positiven Erfahrungen, beschrieb er in seinem Buch: "Auf der Suche nach Gold in Frankreich", mit dem er viel Aufmerksamkeit erregte. 
    Zur selben Zeit, begannen einige Personen, in der Regel Sammler von Mineralien, sich auch der Goldsuche zu zuwenden und zu schürfen. In der Regel arbeiteten sie allein in ihrem Gebiet, ohne Lärm, mit dem alleinigen Zweck: dem Spass an der Freude und um ein wenig Flitter-Gold zu sammeln. 
    Sehr schnell, ist für manchen aus dem Hobby ein Beruf geworden. Sie versuchen mit unterschiedlichem Erfolg ihren Lebensunterhalt mittels Goldwäsche zu bestreiten. Aus ehemaligen Hobby- und Sonntagsgoldwäschern wurden zuweilen Profis. Im Jahr 1986 organisierten sich in Saint-Girons (Ariège), die ersten Meisterschaften von Frankreich im Goldwaschen.  Von diesem Jahr an entstanden mehrere Vereine, aus denen im Jahr 1988 die Fédération Française d'Orpaillage (ffor) hervor ging.
    Im Jahr 1988 ist die  FFOR  schliesslich vom Weltverband der Goldwasch-Organisationen damit betraut worden, die Weltmeisterschaften auszurichten. Sie fanden in Foix (Ariège) statt. 
    Seit dem Jahr 2000 bildeten sich 9 regionale Verbände in Frankreich. In der FFOR haben sich bisher 250 Goldwäscher als aktive Mitglieder eingeschrieben, und es wird geschätzt, dass weiter 350 Menschen in ihrer Freizeit diesem Hobby nachgehen. 
    Die Goldgräber sind Amateure aus allen Bereichen des beruflichen und sozialen Lebens, ob bescheiden oder reich, alle haben ein Ziel: Freude bereiten und erleben.
    Den grössten Anteil macht die Altersgruppe von 30/50 Jahren aus. Wenn auch die Männer in der Mehrheit sind, wird diese Tätigkeit häufig auch von Frauen praktiziert.
    Heute gibt es einige Goldsucher, etwa ein Dutzend, welche versuchen, von der Goldwäsche zu leben.  Ihre Methode: Sie betrachten Gold als Nebenprodukt der industriellen Sandgewinnung.  Im Einvernehmen mit dem Betreiber von Kiesgruben, installieren diese modernen Goldsucher eine Art Sand-Wasch-Teppich, in goldhaltigem Fluss-Sand. Dieses kostengünstige Verfahren bringt nicht nur gute Ernten (einige Gramm pro Woche), aber weniger, als an den reichsten Flüssen in den Pyrenäen, in den Cevennen, an der Rhone, am Rhein, ...).

    Aspect législatif Legislativer Aspekt

    Das Amateur-Gold schürfen kann als eine Aktivität der Bergbau-Forschung angesehen werden. Es kann mit oder ohne Minen-Lizenz ausgeübt werden, im Rahmen der üblichen Bestimmungen des Mining Code wie folgt:
  •  Abgabe einer Erklärung bei der zuständigen Präfektur, in welchem Zeitraum und an welchen Flüssen prospektiert werden soll.
  • Ein Antrag auf Genehmigung vom Eigentümer des Wasserlauf (staatlicher oder privater Eigentümer von Wasserläufen) 
  • Administrative Ermächtigung zur Entsorgen des Forschungsmaterials  (Artikel 8 der Bergbau-Code). Üblicherweise kann der „Bergmann“ davon ausgehen, dass sich die erteilte Genehmigung zur Prospektion auch auf den Weiterverkauf des gefundenen Goldes erstreckt...

 Die Zukunft dieser spannenden Aktivität bleibt ungewiss, da viele Gesetze zum Schutz der Lebensräume, von Laichplätzen und der Flüsse erlassen wurden.  Es ist daher unerlässlich, diese empfindliche Umwelt zu achten, die geltenden Vorschriften in der Region zu einzuhalten, insbesondere in der Ariège, wo Schutzgebiete im Auftrag des Präfekten ausdrücklich für Goldsucher verboten sind. In dieser Gegend ist es notwendig und erforderlich, erst eine Genehmigung bei der Gendarmerie mit genauer Bezeichnung des Waschplatzes einzuholen.  Die Verwendung von motorisierten Geräten (Pumpen, Bagger) ist streng verboten.
Der Beitritt der Französisch Federation der Goldwäscher in Geopolis (Confederation of Actors of Earth Sciences) zielt speziell auf die Suche nach Vereinbarung zwischen der Legislative und den Goldgräbern, damit auch künftig jeder frei und verantwortungsbewusst Gold suchen kann. Diese ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung ist leider ebenso bedroht wie das Sammeln von Mineralien und Fossilien.

Veröffentlicht in Claim für Goldgräber

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Goldwascher vom Napfgebierge 10/17/2010 14:22


In der Schweiz ist eines der beliebtesten Ziele für das Goldwaschen das Napfgebierge. Leider ist da das Wetter, vor allem jetzt im Herbst, oftmals nicht allzu toll :-)