Goldmine Salsigne (France)

Veröffentlicht auf von asmodeus

Im Zusammenhang mit der „Affäre  Rennes-le-Château“ und den Spekulationen über die Quellen des Reichtums des damaligen Abbé Saunière, spielen von jeher Überlegungen eine Rolle, welche sich an den alten Goldminen festmachen, die früher in der näheren Umgebung existierten. Auch wenn diese Minen - das halblegendäre Albedunum beispielsweise - bis heute noch nicht wieder exakt lokalisiert werden konnten, muß das keineswegs gegen die Überlieferung sprechen. Andererseits spricht jedoch vieles für die Glaubwürdigkeit der alten Berichte. Gold scheint denn auch am ehesten als mögliche Quelle für des Abbés Escapaden infrage zu kommen. Womit hier jedoch nicht behauptet werden soll, daß er tatsächlich eine alte Goldmine ausgebeutet hätte. Doch der Curé könnte eigentlich, lässt man einmal die ganz spezifischen Elemente seines wirklichen und auch die seines erdichteten Lebens beiseite, als ein schillerndes Beispiel für eine gewisse Schrulle seiner französischen Landsleute stehen, für eine Art Nationalsport - dem Goldhamstern.


Für bestimmt nicht gerade wenige Franzosen muß der 01.Oktober 1981 ein rabenschwarzer Tag gewesen sein. Es war der Tag, an dem die Regierung Mitterand den bis dahin anonymen  Goldhandel in Frankreich untersagte. Mit der fatalen Folge, daß damit für viele Franzosen eine Säule finanzieller Sicherheit wegbrach, zumindest aber bedenklich ins Wanken geriet. Denn in Frankreich, wo das „Handbuch für Goldsucher“ wahrscheinlich in jedem zweiten Bücherschrank griffbereit neben dem Larousse steht (dem französischen Duden), war und ist das Horten von Gold beinahe schon ein Volkssport. Nicht etwa nur die Reichen und Begüterten frönen diesem „Hobby“, nein auch Otto Normalverbraucher. Alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten, versteht sich. Man muß sich nur einmal vor Augen halten, daß in den französischen Haushalten insgesamt unglaubliche 4600 Tonnen Gold schlummern, während die Staatsbank mit einem Bestand von 2000 Tonnen längst nicht einmal halb soviel Goldreserven hält.

Ortsscgild SalsigneZurück, zu den Goldminen. Bereits in der Antike erwähnen verschiedene Autoren den bemerkenswerten Goldreichtum der Pyrenäen. Reiche Goldvorkommen, auch im Gebiet des heutigen Départements Aude, waren zu der Zeit bereits bekannt. Bis ins Mittelalter hinein, sind hier nachweislich ergiebige Goldminen in Betrieb gewesen. Warum der Abbau von Gold dann offenbar ab einem bestimmten Zeitpunkt zurückging, weiß niemand genau zu sagen. Erschöpft sind die Vorkommen jedenfalls nicht. Möglicherweise galten die damals betriebenen Minen aber irgend wenn als unrentabel für die technologischen Mittel und Möglichkeiten dieser Zeit. Doch müssen noch andere Ursachen gewirkt haben, weil es nur schwer vorstellbar ist, daß alle Golminen ungefähr um die selbe Zeit nichts mehr hergegeben haben sollen. Zumal, Gold wird schließlich auch heute noch in der Region abgebaut. Als die bekannteste und wohl auch größte französische Goldmine fand die von Salsigne/Villanière, bei Carcassonne, gewissermaßen standesgemäß einen festen Platz in der Rennes-le-Château-Saga - und nahm dabei mit der Zeit selber immer sagenhaftere Züge an.

Was hat es mit diesem Goldbergwerk nun aber wirklich auf sich?


Die Goldminen von Salsigne liegen im Département Aude, nördlich von Carcassonne, am Fuße der Montaigne Noir, in einem geologisch sehr komplexen Terrain, welches sehr reich an den unterschiedlichsten Mineralien ist. Zumeist in Verbindung mit Metallen, wie Eisen, Kupfer, Gold, sowie Arsen und Wismut.

Seit der Antike, existierten an dem Standort zahllose kleine und größere Eisenerzgruben. Doch im Jahr 1903 brach in ganz Frankreich ein regelrechtes Goldfieber aus, als man in den Arsen- und Pyriterzen der Antimongrube La Lucette (Département Mayenne, Bretagne) einen reichen Goldgehalt feststellte. Angeblich fanden sich dort Goldklumpen, mit einem Gewicht von bis zu einem Kilogramm. Nach dem Beispiel des La Lucette-Goldes wurden auch anderswo Arsenkieslagerstätten auf ihren Godgehalt hin überprüft. Dabei stieß man auf die goldhöffigen Vorkommen bei Villanière und Salsigne, aber auch auf die von Le Châtelet bei Montlucon (Dpt.

 

Creuse) und La Belliere (Dpt. Maine et Loire). Noch bis zum WK II. produzierte Frankreich jährlich bis zu 3000 kg eigenes Gold.

lastoursbergwerk villanièreIm Jahr 1892, als das Gold in La Lucette entdeckt wurde, war bei den Schwarzen Bergen zunächst noch Fournes-Lastours die einzige Goldmine. Erst ein wenig später, aufmerksam geworden, entdeckte man auch Gold in den Mineralien des ehemaligen Eisenerzbergwerkes von Salsigne. Diese Lagerstätte wurde, mit Unterbrechungen, seit ca. 2000 Jahren genutzt. Zuerst nur Eisen, dann auch Arsen (1873-1910), das als Fungizid in Gebrauch war und von 1892 an, bis heute, schließlich als Goldmine. Das Erz enthält im Durchschnitt 7,7 Gramm Gold pro Tonne. Daneben auch Silber, Kupfer und Arsen (bis zu 10%) sowie geringere Mengen Wismut und Schwefel. In den späten 1980er Jahren lagen die Fördermengen bei 200.000 bis 300.000 Tonnen Erz pro Jahr. Nach aktuellen Schätzungen sollen sicht die jetzt noch vorhandenen Reserven auf etwa 42 Tonnen Gold beziffern. Das Edelmetall ist fein aufgelöst, geteilt, oder es findet sich als Arsenpyrit, aber auch in Verbindung mit anderen Mineralien, wie Quarz, Pyrit, Chalcopyrit und Pyrrothit. Der Abbau erfolgt untertage und seit 1983 auch in einem 800 x 450 m großen Tagebau. Salsigne ist die letzte große in Betrieb befindliche Goldmine in Europa.

 

In jüngerer Zeit konnten noch weitere Mineralien in der Mine nachgewiesen werden. Bereits 1985 ließ Sven Forner, Ingenieurgeologe der Grube, verschiedene Proben analysieren. Die Untersuchungen nahm N. Meissner an einem namhaften Institut für Mineralogie vor. Seine Studie ermittelte Vorkommen von Delafossit, Gormanit, Clarait, Devillin, Richelsdorfium, Cornubit, sowie vier völlig neue Arten von Mineralien, die erst noch beschrieben werden müssen. (Stand 1997)

Die Gesamtausbeute an Gold liegt in dem Zeitraum von 1982 bis heute bei ungefähr 100 Tonnen. Wobei verschiedene Quellen abweichende Angaben liefern (80 bis 100 Tonnen). Von 1994 bis 1995 sind in Salsigne 2,4 Tonnen Gold separiert worden.

 

Für den Scheideprozess kommen in Salsigne zwei verschiedene Verfahren in Anwendung. Das ältere von beiden, die sogenannte Flotation, spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Verfahren unterteilt sich in zwei aufeinanderfolgende Prozesse. Im ersten, einer physikalischen Behandlung, wird das abgebaute Erz zerkleinert und gemahlen, um danach in der eigentlichen Flotation chemisch weiterbehandelt zu werden. Es folgt ein pyrometallurgischer Prozess, in einem water-jacket Ofen, wobei sich Konzentratplatten bilden, welche einem Filz aus feinsten Fäden von Silber, Kupfer und Gold vergleichbar sind. Abgeschieden werden dabei arsen- und wismuthaltige Schlacken, sowie erhebliche Mengen Schwefeldioxyd in den Abgasen. Zwar werden Arsen und Wismut in einem sekundären Prozess zu einem Teil wieder zurückgewonnen - doch bleibt der Abfall immer noch stark schadstoffbelastet. Mit den Abgasen verhält es sich nicht viel anders. Durch Herunterkühlen gewinnt man aus dem Gas Schwefelsäure, kann aber dennoch nicht verhindern, daß erhebliche Restmengen in die Atmospäre gelangen. Lange Zeit fand die stark belastete Schlacke als Baumaterial und als Granulat zum Sandstrahlen Verwendung!
Ab dem WK II kam daneben noch ein weiteres Verfahren auf. Effizienter als die Flotation, aber leider noch riskanter und bis heute, vorsichtig ausgedrückt, wegen der hohen Gefährdung für die Umwelt, umstritten. Die hochgiftige Cyanuration. Ursache für die schon beinahe katastrophalen Belastungen, sowie für kaum überschaubare, permanent drohende Gefahren, für die Menschen in der gesamten Region, für die Natur generell. Im Verlauf der letzten 70 Jahre sind rings um Salsigne stattliche Berge aus hochbelasteten Abräumen entstanden. Daneben Seen, gefüllt mit giftigen Abwässern. Die letzte noch betriebene Goldmine Europas ist inzwischen auch zu einer recht traurigen Attraktion geworden, zum Studienobjekt und zu einem Negativbeispiel par ecellence.

Im Jahr 1980 nahmen die finanziellen und innerbetrieblichen Schwierigkeiten des damaligen Betreibers, der kanadischen Gesellschaft MPCS, überhand. Ein Angebot des französischen Wirtschaftsministeriums kam da sehr gelegen. COFRAMINES, Tochter der BRGM (Staatsbetrieb), kaufte zu 100% und überließ Cheni wiederum 47% Aktien der MPCS, welche, nun als Minderheitsgesellschafter die Produktion aufrecht erhielt.

Im Jahr 1987 nahm die MPCS zusätzlich eine neue Anlage zur Produktion und zur Speicherung von Arsenwasserstoff in Betrieb. (Eine noch giftigere Angelegenheit als die bis dahin schon existierenden Giftschleudern...)

Allerdings war man in den 80er Jahren natürlich auch schon verstärkt darum bemüht, die Risiken, die Umweltbelastungen zu minimieren, Altlasten zu entsorgen, Gifte zu neutralisieren. So schuf man beispielsweise im darauffolgenden Jahr 1988, eine Einheit für die Behandlung der alten Abraumhalden mit Rückständen aus der Cyanuration, mit einer Jahreskapazität von 1 Mio t/J. Aus den Flotations- und Pyrometallverfahren lagern gegenwärtig noch mehrere Mio Tonnen Abfälle auf Halde, welche auf einen durchschnittlichen Restgoldgehalt von 2g/T geschätzt werden. In den letzten Jahren hat man nun damit begonnen, diesem Abraum (es sollen etwa 6 Mio Tonnen sein) auch noch die geringen Restmengen abzugewinnen - mittels Cyanuration.

Als Laie fragt man sich da bestimmt nicht zu Unrecht, ob diese Mine nicht etwa von den Schildbürgern betrieben wird. Wenn die hier angewendeten Scheideverfahren für einen weiteren Betrieb der Minen, auf der Basis von 8g/T, bereits zu Beginn der 80er Jahre nicht mehr rentabel erschien, wie rentabel kann das Scheideverfahren dann bei 2g/T sein? Das entspricht einem Verhältnis von 2:1.000.000, oder anders, dem Faktor von 0,00002.  Man könnte es auch Montanhomöopathie nennen. Die vollends zur Farce gerät, im Hinblick auf die enormen Anforderungen, nicht zuletzt auch finanzieller Art, welche die zunehmend verlangten und geleisteten Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung im Rahmen des Produktionsprozesses und zur Altlastenbewältigung an die Konzessionäre stellen. So geriet schließlich die Altlastenentsorgung im Grunde genommen zum Hauptgeschäftszweig, der seinerseits wieder für reichlich Nachschub sorgt. Mit noch einer weiteren Cyanurationseinheit zu Ende der 80er Jahre z.B., weil das Pyrometallverfahren zu teuer erschien.

Es kam schließlich, wie es kommen musste, die technischen Schwierigkeiten und der Rückgang des Goldkurses im Jahr 1990 führte zum Konkurs von MPCS. Das Handelsgericht von Carcassonne eröffnete am 11.Oktober 1991 ein Konkursverfahren und die Minengesellschaft verkündete ihre Auflösung am 03.September 1992.

Schon bald darauf übernahm die neue Mine d’Or de Salsigne (MOS), Tochter einer australischen Bergbaugesellschaft den Standort Salsigne/Villanière. Das Unternehmen fördert immer noch Erz, jedoch nur noch im Untertagebau. Wegen der schwachen Kursentwicklung im Gold musste der Tagebau zwangsläufig eingestellt werden. MOS installierte eine neue Einheit für Cyanuration nebst einer Anlage zur Lagerung der Abfallstoffe, bei Montredon. Als Deponie wählte man eine längst stillgelegte Halde von der SNC-Lastours, genannt Plage de Artus. Bei Übernahme der Grubenkonzession lag die Produktionskapazität bei 300.000 t/J für Kupfererz aus dem Tagebau und bei 200.000 t/J untertage auf Gold.

Neben der MOS installierten sich weitere kleinere Gesellschaften, mit unterschiedlichem Geschäftszweck. Entsorgungsbetriebe wie die SEPS, die sich mit ihren Plänen von Anfang an völlig übernahm, Millionensummen an staatlichen Subventionsmitteln in den Sand setzte - im ersten Halbjahr 1995 erreichten die Verluste bereits satte 30 Mio Francs. Woraufhin die beiden zuständigen Ministerien eine Betriebsinspektion veranlassten - Ergebnis: Misswirtschaft. Folge: Am 27.November 1995 Insolvenzerklärung der SEPS und Liquidation, am 19.Februar 1996. Ende 1996 sah der Insolvenzverwalter sich außerstande das Verfahren gänzlich abzuwickeln und ab Januar 1998 übernahm die DRIRE alle weitere Verantwortung für die dringenden Arbeiten am Standort.

Dieses schwere Erbe gelangte nunmehr also an die MOS (nur die Konzessionen für Salsigne und Villanière). Sie errichtete ihr Werk für Cyanuration nahe bei Caunette, mit dem Plan dort 500 Tonnen Erz pro Jahr aufzubereiten. Jedoch ist dieses Ziel nie erreicht worden, weil die Minen insgesamt nur 450 t lieferten (1996/1997). Im Tagbau kam man auf 350 t und untertage auf lediglich 100 t. Obendrein wies das Erz lediglich einen Goldgehalt von 4g/Tonne auf.

Rückläufige und auf tiefem Niveau stagnierende Goldkurse lassen den Goldbergbau nach wie vor unwirtschaftlich erscheinen und die Konzessionäre suchen nach einem Käufer. Bereits vor längerer Zeit ersuchte die Gesellschaft beim Handelsgericht um die Benennung eines Bevollmächtigten ad hoc für die Regulierung von Verbindlichkeiten usw. Mit einem Konkurs ist seitdem immer zu rechnen.
Oder treffen die mineurs vielleicht schon morgen auf eine Bonanza?

 

Die Gesellschaft heute:

 

 

MINES d’OR SALSIGNE
Société anonyme Aktiengesellschaft
Siège social : La Mine, CD 411, 11600 - SALSIGNE Hauptsitz: La Mine, CD, 411, 11600 - SALSIGNE
Registre du Commerce de Carcassonne : B 387 961 188 Handelsregister Carcassonne: B 387961 188
Code APE : 132 Z Code APE: 132 Z
Capital social : 1 500 500 € Stammkapital: 1500500 €
ADMINISTRATEURS DIREKTOREN

Marc GALLET               

Président Präsident Marc Holbe
ORION RESOURCES     

Représentée par M. ORION RESOURCES vertreten durch Herrn Christopher LALOR Christopher LALOR
Gilbert TROLY Gilbert TROLY

 

 

Udo Vits

(mit freundlicher Genehmigung des Autors)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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