Ein etwas anderer Schatz

Veröffentlicht auf von asmodeus

Im Allgemeinen gelten alle Höhlen und Grotten in der unmittelbaren Umgebung von Rennes-le-Château als unergiebig für den Schatzsucher, weil sie bereits unzählige Male bis in ihre letzten Winkel untersucht worden seien. Aber – gilt das wirklich so uneingeschränkt? Und gilt das auch für den Aven du Maquis? Wenn überhaupt, dann kann das doch lediglich auf die heute noch zugänglichen Bereiche zutreffen. Die Höhle, genauer das Höhlensystem, diente den örtlichen maquisards[1] während der Okkupationszeit als Unterschlupf und als Waffen- und Materialdepot. Mit großer Wahrscheinlichkeit gehörte dieses Depot zu jenen Reservedepots, welche auch nach Kriegsende aus ganz bestimmten Gründen noch lange Zeit nicht geräumt worden sind. Solche Depots existierten in ganz Frankreich bis zum Ende der 80er Jahre. Aufgrund der Tatsache, daß der Aven du Marquis aber kurz nach Kriegsende durch eine Sprengung verschlossen worden ist, muß davon ausgegangen werden, daß diese Maßnahme dazu dienen sollte, den Inhalt des Depots vor jedem Zugriff zu sichern. Es ist nur sehr schwer vorstellbar, daß die Sprengung einen anderen Grund gehabt haben soll. Wäre es lediglich darum gegangen, ein gefährliches Loch zu verschließen, dann hätte man damals aus eben diesem Grunde sicherlich andere, weitaus gefährlichere Löcher, gleichfalls auf diese oder andere Weise verschlossen. Vereinzelt sind in früherer Zeit tatsächlich senkrecht in die Tiefe führende Höhlengänge (Aven) von den Hirten mit Geröll verstopft worden, damit keine Tiere darin verloren gehen konnten. Zum Beispiel der Aven des Caparruts. Doch so etwas geschah, wie gesagt, nur selten und im Falle des Capparuts nicht etwa nach dem Krieg, zeitgleich mit dem Aven du Maquis, sondern in viel früherer Zeit. Und Hirten verwenden keine Sprengstoffe. Kurz, für die Verbarrikadierung des Aven du Maquis muß ein sehr triftiger Grund vorgelegen haben. Der kann nach unserer Auffassung nur darin bestehen, dass etwas verborgen werden musste. Da der Aven zwischenzeitlich nie mehr geöffnet worden ist – entsprechende Aktivitäten hätten unmöglich unbemerkt bleiben können – könnte das, was damals verborgen worden ist, heute immer noch in seinem Versteck liegen. Dieses Geheimnis will also auf jeden Fall erst noch gelüftet werden. Leider besteht dabei für Schatzsucher dasselbe handicap, wie für die Hüter des Depots (mit denen man auch nach so langer Zeit noch rechnen sollte) – jeder Versuch, den Aven zu öffnen würde unweigerlich bemerkt und dann entweder unterbunden oder zum Fundverlust führen.  Mit dem sogenannten „Schatz von Rennes-le-Château“ hat diese Affäre allerdings kaum etwas zu tun. 

 Dennoch halten wir es für statthaft, über den möglichen Inhalt des Depots nachzudenken:

Selbstverständlich denkt ein jeder zuerst einmal an Waffen und militärische Ausrüstungsgegenstände, die früher sicherlich auch den größten Teil des eingelagerten Materials ausmachten – vielleicht aber nur vom Volumen her den größten Teil.

Wie das zu verstehen ist?

Ursprünglich, während der Okkupationszeit, sind die maquisards natürlich auch in erster Linie mit Waffen und Munition versorgt worden. Anderes kam als Beutegut hinzu. Doch schon an diesem Punkt muß es erlaubt sein, darüber nachzudenken, ob sich unter diesem Beutegut nicht auch Dinge ganz anderer Art, als nur Waffen, Munition und Ausrüstung befunden haben könnten...?

Spätestens im Zusammenhang mit solchen Überlegungen drängt sich noch eine weitere, vielleicht sogar eine entscheidende Frage auf.

Warum eigentlich meinten die ehemaligen maquisards, sie müssten den Höhleneingang mittels einer Sprengung unzugänglich machen?

Darauf kann es letztlich nur eine einzige zufriedenstellende Antwort geben, die jeder für sich unschwer selber finden wird.

Wir gehen deshalb davon aus, dass in den unzugänglichen, tiefen Bereichen jenes Höhlensystems, zu dem der Aven du Maquis führt, noch heute Dinge verborgen liegen müssten, die jedem Zugriff dauerhaft entzogen werden sollen.[2] Hier bestünde also tatsächlich noch immer Aussicht darauf. bemerkenswerte Funde zu machen. Um zu verdeutlichen, dass wir mit den hier angestellten Vermutungen tatsächlich keine unrealistischen Erwartungen wecken, haben wir uns dazu entschlossen, einen ähnlich gelagerten Fall zum Vergleich mit heran zu ziehen.  Denn obwohl der betreffende Ort, etwas ausserhalb des Radius gelegen ist, in dem wir uns bei unseren Untersuchungen bewegen wollen,[3] so liegt er aber doch nicht zu weit entfernt von Rennes-le-Château, bei Puivert.

Wir untersuchten im Jahr 2008, auf mehreren Exkursionen, die im Aude inzwischen schon legendär gewordene Basis der maquisards von Picaussell, bei dem kleinen Dorf Lescale, etwa 4 km entfernt von Puivert. Hinter Lescale ragen steile Berghänge hoch auf und Bilden eine grandiose Kulisse, vor der sich jedoch in der Zeit des WK II wahrhaft dramatische Ereignisse abspielten, an welche heute eine kleine Gedenkstätte erinnert, die von den Einheimischen zum Andenken an die Opfer unter ihren eigenen Verwandten, Freunden und Nachbarn, in einer jener Hütten eingerichtet worden ist, die den maquisards damals oft als Unterschlupf dienten.

Während der Okkupationszeit hatte sich hier, in Lescale, ungefähr seit März 1943, um den Oberst Lucien Maury, eine kleine aber schlagkräftige Guerillagruppe gebildet. Dieser Offizier fungierte als Verbindungsmann zur französischen „Exilregierung“ in London und war zuständig für die Organisation der Widerstandsbewegung im gesamten Kercob. Nach Verlauf eines Jahres, war der Widerstand soweit organisiert, dass der örtliche maquis auf dem Plateau und im Forêt de Sault, feste Basen geschaffen hatte, von denen aus er operierte. Der Maquis Maccia rekrutierte sich im Mai 1944 aus etwa 300 Männern, unterteilt in 8 Sektionen, von denen eine jede aus etwa 35 bis 40 Männern bestand. In ihrem für die deutschen Wehrmachtseinheiten fast  unzugänglichen Territorium waren sie optimal vor überraschenden Angriffen geschützt. Motorisierte Einheiten hatten dort praktisch keine Chance. Allerdings erwies sich diese Wildnis auch für die Guerilla selbst als problematisch. Dann z.B., wenn Abwurfcontainer der Allierten an ihren Fallschirmen über dem Plateau abtrieben und verloren gingen. Solche Container sollen bis heute noch unentdeckt in Felsspalten oder in undurchdringlichem Dickicht verborgen liegen. Eine Episode aus der Anfangszeit des Widerstandes ist bezeugt.

Grotte Maquis (24)kleinIm März 1943 ereignete sich ein Fehlabwurf und das gesamte dringend benötigte Material, Waffen, Ausrüstung, Funkgeräte etc. schien verloren. Da machten sich vier junge Männer aus Lescale auf den gefährlichen, überaus anstrengenden Weg, die Ladung doch noch zu bergen. Es ist ihnen tatsächlich gelungen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich einige Fallschirme in Bäumen verfangen hatten und deshalb relativ leicht zu entdecken waren. In anderen Fällen soll es jedoch nicht gelungen sein, alle abgeworfenen Container zu übernehmen. Das erzählte uns ein Einwohner von Lescale, dessen Vater Angehöriger des maquis gewesen ist. Und er berichtete von einer noch anderen Besonderheit. So soll es üblich gewesen sein, Beutegut, für das die maquisards keine Verwendung hatten, in einen nahegelegenen Aven zu werfen. Dort unten, auf dem Grund des etwa 70 m tiefen Schachtes, muss sich auf diese Weise ein ansehnlicher Haufen Weltkriegsmüll angesammelt haben, denn die Männer galten als sehr aktiv und ihre Aktionen bestanden durchaus nicht allein aus kleineren Sabotageaktionen, sondern nahmen gelegentlich auch den Charakter von regelrechten Gefechten mit dem Nazigegner an. Diese Aktionen fanden schliesslich ihren Höhepunkt am 06. August 1944, als der Maquis de Picaussel eine Kolonne der deutschen 11. Panzerdivision, auf ihrem Rückzug aus Nordafrika, angriff. Unter dem Kommando britischer Offiziere und mit alliierter Luftunterstützung, gelang es der Guerilla, die Wehrmachtseinheit in ein 48 Stunden andauerndes Gefecht zu verwickeln. Ein Versuch der Panzereinheit, die maquisards mittels einer Zangenbewegung einzuschliessen, misslang in dem Gelände. Am Ende des zweiten Gefechtstages beschlossen die maquisards ihren Rückzug. Alle 350 Kämpfer setzten sich  in der Nacht vom 07./08. August nach Quérigut (Ariège) ab. Im Zuge ihrer Absetzbewegung soll nochmals eine beträchtliche Menge Material in dem erwähnten Aven versenkt worden sein. In den Morgenstunden des 08. August stürmte die Wehrmacht, nach einer heftigen Artillerievorbereitung das verlassene Lager auf dem Plateau, und zerstörte es restlos. Aber auch das Dorf Lescale wurde im Rahmen einer Vergeltungsaktion am darauffolgenden Tag in Mitleidenschaft gezogen. Die eingesetzten Einheiten der Wehrmacht – auf deutscher Seite sollen zuletzt geschätzte 1500 bis 2000 Soldaten im Einsatz gewesen sein – meinten in Lescale ein Exempel statuieren zu müssen, gingen brutal gegen die Dorfbewohner vor und brannten einen Teil des Dorfes nieder.

Grotte Maquis (21)kleinDas Dorf muss jedoch schon vorher, im April 1944, zur Zielscheibe geworden sein, als vier Angehörige des BCRA von Algier aus, auf ihrer Mission, über dem Plateau mit dem Fallschirm abgesprungen waren und zugleich mit zwei maquisards, nach denen die Deutschen suchten, in Lescale (Ortsteil Puivert) Unterschlupf fanden. Doch schon zwei Tage nachdem die Männer in Puivert eingetroffen waren, führte die Gestapo eine Razzia im Ort durch. Alle sechs Männer konnten entkommen und hielten sich dann für eine gewisse Zeit in einer kleinen Grotte, weit oben, am Berg, etwa einen Kilometer von Lescale entfernt, versteckt.

Sicherlich, Alles in Allem ein sehr hoher Preis, den diese einfachen Leute für ihre Sympathie und für ihre Solidarität mit den maquisards bezahlten und dennoch sind sie heute – zu Recht – stolz darauf.

 

Wir schildern diese Episode nicht deshalb so ausführlich, weil wir etwa eine direkte Verbindung zu den geschilderten Ereignissen vermuten oder herstellen wollen, sondern weil solche oder ähnliche Vorgänge während jener unseligen Zeit ihre Spuren hinterlassen haben und zuweilen auch mehr, als nur Spuren...

Warum nicht vielleicht auch in der Nähe von Rennes-le-Château?

Hier diente übrigens nicht nur der Aven Paris allein den maquisards als Versteck. Wie wir zwischenzeitlich in Erfahrung brachten, diente der alte Bergwerkskomplex von Les Encadados ebenfalls diesem Zweck – und wurde nach dem Krieg genau so, wie der Aven Paris unzugänglich gemacht.

 

asmodeus

 

 

 

 

 



[1] Maquisards – nannten sich die jene Franzosen, die während des WK II als Guerillas gegen die deutschen Besatzer kämpften

[2] Mehr darüber, in dem Buch von U. Vits, „Der Muezzin von Rennes-le-Château“, Ancient Mail Verlag, 2006

[3] der Radius eines ungefähren imaginären Kreises rings um Rennes-le-Château. Wobei dieser Radius der Strecke entsprechen soll, die von einem kräftigen und zielstrebigen Mann, wie z.B. dem Abbé Saunière, auf einem Tagesmarsch zu bewältigen sein könnte

Veröffentlicht in Nazi-Gold bei RLC

Kommentiere diesen Post