Die Kultplätze bei Fourtou - Grotte Mitounes (1)

Veröffentlicht auf von asmodeus

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Von den einheimischen  Speleologen zumeist Caunha Sanct genannt, kennen nicht einmal alle der wenigen Einwohner des kleinen Dorfes Fourtou, die genaue Lage jener geheimnisumwitterten Höhle, welche früher unter ihrem alten, ursprünglichen Namen „Grotte des Mitounes“ bekannter gewesen ist. Beide Namen dürfen bereits als ein sicherer Hinweis auf ihre Bedeutung  als  alter Kultort gelten. Verschiedene Funde vor und in der Höhle bestätigten im Übrigen diese Vermutung.

Mitounes[1] sind furchteinflössende Wesen, denen die Leute Eigenschaften zuschreiben, welche wir hauptsächlich von Feen und Nixen kennen. Vielleicht weniger bösartig, als oftmals charakterisiert, scheint eine Begegnung mit ihnen jedenfalls nicht ungefährlich zu sein. Sie bevölkern vorwiegend die Wildnis im Hinterland von Carcassonne, wo sie bei Quellen oder Seen liegende Höhlen bewohnen. Welche sie des nachts verlassen, um ihre Wäsche zu waschen, wobei sie gelegentlich zufällig von Menschen überrascht werden können. Wem es gelingt, bei einer solchen Gelegenheit eines ihrer Wäschestücke an sich zu bringen, der gewinnt eine gewisse Macht über diese Wesen, die jedoch mit gebührender Vorsicht gebraucht werden sollte.

 

Unbesonnenes Verhalten endet sonst tragisch für den betreffenden Menschen. Man erzählt sich in der Gegend viele Geschichten, die unseren Nixenmärchen stark ähneln.

Vor langer Zeit lebte am Rande der Corbières ein junger Bursche mit seiner Grossmutter in bitterster Armut. Nur selten hatten sie genug zu essen und ihre Kleidung bestand aus lauter Flicken. So entschloss sich der Junge in seiner Verzweiflung über das schwere Los, die Mitounes aufzusuchen. Er schlug alle eindringlichen Warnungen seiner Grossmutter in den Wind. In der Nacht lauerte er den Feen an einer Stelle auf, bei der sie ihrer Kleider zu waschen pflegten. Und es gelang ihm tatsächlich in einem günstigen Augenblick das Hemd einer Fee an sich zu raffen und damit zu fliehen. Doch die bestohlene Fee holte ihn schon bald ein. In dem Moment, als sie ihn gerade erreichte, stolperte der Flüchtling – zufällig gerade vor einem Holzkreuz, woraufhin die Fee verschwand. Doch mit ihrer ausserordentlichen Schönheit und Verführungskunst war es ihr bereits geglückt, den jungen Burschen zu betören, der sich auf der Stelle unsterblich in sie verliebte. Er konnte ihren Anblick nicht mehr vergessen und wurde von Tag zu Tag schwermütiger und trübsinniger. Nicht einmal die Heirat mit der Schwester seines besten Freundes konnte etwas an diesem Zustand ändern. Bis er schliesslich völlig seinen Verstand verlor, hinauswanderte zum Orbieu, in den er sich stürzte und jämmerlich ertrank.

Cauna Juli 2009 (51) kleinIn den Mitounes sind also unschwer Vertreterinnen der alten vorchristlichen Quellkulte zu erkennen, die später, im Verlaufe der Christianisierung, dämonisiert wurden. La Caunha Sanct, die Grotte Mitounes ist so ein altes Heiligtum. Oder eigentlich ist der gesamte märchenhaft schöne Talkessel, in den zwei Wasserfälle, im rechten Winkel zueinander, hineinstürzen, unzweifelhaft solch ein alter Kultplatz. Man muss den Ort nur einmal besucht und erlebt haben, um ganz ähnlich zu empfinden, wie jene Menschen vor zweitausend Jahren hier empfunden haben müssen.

 

 

Cauna Juli 2009 (2) kleinDer Zugang in die Höhle ist nicht leicht zu entdecken. Um ihn zu erreichen muss man die obere Stufe des Wasserfalles überqueren, der sich längs ins Tal ergiesst. Dann folgt ein steiler Anstieg in die Talwand, bis zum Höhleneingang,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cauna Juli 2009 (4) kleinüber dem ein grosses rotes Hakenkreuz prangt, zusammen mit einer Inschrift: „trop tard“ (zu spät...). Die örtlichen Speleos halten das Grafitti für eine Hinterlassenschaft von irgendwelchen fragwürdigen Gralsuchern. Sie scheint nicht aus jüngster Zeit zu stammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Paregot-Juli-2009--106--klein.jpgUnten im Talkessel, zwischen den beiden Wasserfällen, sind die Überreste einer alten Mühle zu bewundern – „Le Moulin de Paregeot“. Sie bezog ihr Wasser, über einen noch gut erhaltenen Mühlgraben, von dem Wasserfall, der auf dem Weg zur Caunha Sanct überquert werden muss, oder wahlweise aus einer weiteren Höhle, etwas oberhalb der Mühle, wenn diese Wasser führte, was praktisch nur im Winter der Fall ist.

 

 

 

 

 

 

 

Grotte Paregot (18) kleinMüller standen früher ohnehin in dem Ruf, mit dunklen Mächten im Bunde zu sein. Auf die Müller von der Paregeot-Mühle muss das dann im besonderen Masse gepasst haben.

 

 

 

 

  Video - http://www.youtube.com/watch?v=_vNYbfRsKVY

 

 

 

 

 

 

 

asmodeus

 

 

 

siehe auch: http://rennes.digital-culture.de/content/view/196/2/



[1] Mitounes ist die franz. Form für das occitanische „Miton“

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