Der Schatz von La Soulane (Teil 2))

Veröffentlicht auf von asmodeus

Wir wollten den Geheimnissen von La Soulane natürlich weiter auf den Grund gehen. Und bei unseren weiteren Recherchen stellten wir fest, dass ein gewisser Roger Boonaert schon 1989 in dem Gelände seine eigenen Untersuchungen angestellt hatte. Die Resultate seiner Arbeit bestärkten uns in unserem Eindruck, dass an den Schatzgeschichten, die man sich über La Soulane erzählt, vielleicht doch etwas dran sein könnte. Boonaerts Beschreibung der beiden „Behälter“, wie er die beiden runden Vertiefungen recht zutreffend nennt, stimmt mit unserer eigenen Beschreibung überein und die Spuren wilder Grabungen an dem Platz erwähnt er ebenfalls. Sie stammen ihm zufolge aus den 60er Jahren. Mit einem dieser Schatzsucher unterhielt sich Boonaert über die damaligen Vorgänge.

 

(01) Opferstein Skizze 

 

Skizze des sogenannten Opfersteines, angefertigt von R. Boonaert

 

 

 

Der Mann äusserte sich folgendermassen dazu: „Senkrecht unter diesem Stein, in einer Tiefe von ungefähr drei Meter unter dem Boden, existiert ein bedeutendes Schatzdepot. Sowohl vor, als auch hinter dem Felsblock erfolgten Grabungsversuche. Obwohl die Grabung am Fusse des Felsens bis in eine beträchtliche (02) DoppelkreisTiefe vorangetrieben worden war, musste sie letztlich doch abgebrochen werden, weil sich die Arbeit zunehmend anstrengender gestaltete und schliesslich mit Spaten und Spitzhacke allein nicht mehr zu bewältigen gewesen ist. Ausserdem standen den Ausgräbern damals noch nicht so hoch entwickelte Suchgeräte zur Verfügung, wie heutigen Schatzsuchern. Die alten Geräte reichten einfach nicht aus, um eine metallische Masse in drei Meter Tiefe einigermassen genau zu lokalisieren. Ich erinnere mich daran, dass wir es mit allen Mitteln versuchten – sogar mit Pendeln. An einer erneuten Operation wäre ich durchaus interessiert, aber nur, wenn dabei Detektoren der neuesten Generation zum Einsatz kämen, zusammen mit Geräten für die Tiefensuche.“

 

Bemerkenswert erscheint uns des weiteren, dass R. Boonaert seinen Bericht mit „La pierre dite „du sacrifie“ betitelte. Ihn also, wie die früheren Forscher und Schatzsucher auch, für einen „heiligen Stein“ hielt. Für einen Kultstein, wie man das in Deutschland eher bezeichnen würde. Boonaert gebrauchte den Ausdruck jedoch im Sinne von „Opferstein“ und glaubte, dass sich Abbé Boudet, in Abschnitt VII, Kapitel III („Menschenopfer in Gallien“) mit seinen Ausführungen auf den Kultstein bezogen hätte.[1] Eine Annahme, der wir uns nicht so ohne weiteres anschliessen möchten – auch wenn sich Boudet, an anderen Stellen in dem Buch, tatsächlich über Besonderheiten auf La Soulane äussert.

 

Zu der, dem „Kultstein“ vorgelagerten Grabanlage, welche Boonaert als „Die zwei natürlichen Dolmen“ bezeichnet, fanden wir in seinem Bericht ein interessantes Detail: Derselbe Schatzgräber, der von seinen Grabungen in den 60er Jahren erzählte, erwähnte ein griechisches Kreuz, welches in die Stirnseite des oberen Decksteines eingraviert war. Von diesem Kreuz war 1989, als Boonaert, den Platz besichtigte keine Spur mehr erhalten. Es soll, so wird vermutet, im Zusammenhang mit dem Schatzfund im Jahr 1983, der in oder an dem Dolmen gemacht worden ist, ausgelöscht worden sein, um Spuren und auffällige Hinweise zu verwischen. Es wäre nicht das einzige Kreuz, welches in den zurückliegenden Jahrzehnten aus  Boudets Kromleck „verschwunden“ ist.

 

(03) Doppeldolmen

 

Skizze de „Doppeldolmens“ von R. Boonaert, mit dem ausgelöschten Kreuz

 

 

 

Die Berichte von Didier Audinot und von Roger Boonaert waren uns jedenfalls Anlass genug, den Dingen weiter auf den Grund zu gehen. Im Frühjahr 2009 sind die Untersuchungen anhand der vorliegenden Angaben fortgeführt worden. Eingesetzt wurde dabei Gerät, von dem Schatzsucher in den 60er Jahren noch nicht einmal träumten. Allerdings mussten auch wir uns damit abfinden, dass selbst modernste Technik in dem schwierigen Gelände nur eingeschränkt arbeiten kann.

 

Allein die Verkabelung der vier Sonden mit dem Messcomputer erwies sich im dichten Dickicht, auf einem Steilhang, als Herausforderung. Der Signalweg verläuft alles andere als optimal und der karstige Untergrund  sorgt zusätzlich für Irritationen, welche das Ergebnis verfälschen können. Also konnten nur Mehrfachmessungen Diagramme liefern, die interpretierbar sind. Die sich aber immerhin dahingehend interpretieren lassen, dass unterhalb des „Kultsteins“ tatsächlich ein Hohlraum zu existieren scheint, in dem sich „etwas“ befindet.

 

(05) Georadar im Einsatz klein

 

Warum wird dann nicht einfach gegraben? – Weil das eben alles andere als einfach ist. Denn Grabungsversuche fanden, wie gesagt, bereits mehrmals statt und sind schliesslich wieder abgebrochen worden.

 

Mit Hacke und Spaten gelingen dort nur so vergleichsweise bescheidene Löcher, wie man sie immer noch vorfindet. Hier, an dem „Kultfelsen“, ebenso, wie an dem „Doppeldolmen“ kann nur so viel gesagt werden, als dass die Geschichten über einen immer noch ungeborgenen Schatz bei La Soulane in ihrem Kern stimmig zu sein scheinen. Gewissheit kann letztlich nur eine richtige Grabung bringen, die gar nicht anders als legal und mit erheblichem technischen und finanziellen Aufwand erfolgreich sein kann.

 

Die weitere Suche in dem fraglichen Gelände sollte jedoch auch noch andere auffällige Objekte mit einschliessen. Ausser den im ersten Teil beschriebenen Formationen, aber auch  z.B. einen Felsen, der schon bei unseren ersten Besuchen dort unsere Aufmerksamkeit erregte. So, wie er Roger Boonaert bereits zum Nachdenken brachte.

 

 

 

(06) kielobenDer betreffende Felsblock liegt etwas südlich, unweit des „Kultsteins“. Er wirkt „wie isoliert“. Vermittelt also den Eindruck, als stünde er in keiner direkten Beziehung zu den runden Pfannen im Stein oder zu dem „Doppeldolmen“ – den Boonaert übrigens, Boudet folgend, auch als Haus der alten Gallier bezeichnet. Den einzeln liegenden Felsen vergleicht er, von der äusseren Form her, mit einem kieloben liegenden Schiff. Der Vergleich ist zutreffend. Aber den Autor brachte der Anblick eigenartigerweise ebenfalls auf die Analogie mit einem Haus, bzw. mit einer Hütte. Dabei stützt er sich auf eine Passage, in Henri Boudets Buch, in der es eigentlich um den von Sallust stammenden Bericht des Krieges von Jugurtha gegen die Römer geht: „Weil sie (die Perser) in den Feldern dort kein Material fanden, aus dem sie ihre Häuser bauen konnten, benutzten sie die Kiele ihrer Schiffe, um ihre Häuser zu bedecken.“[2] Nach Ansicht Boonaerts wäre das Zitat Boudets als Anspielung auf den betreffenden Felsen zu verstehen. Dass sich diese Stelle ausgerechnet in dem Kapitel über die Punische Sprache befindet, könnte einem schon zu denken geben. Wir entdeckten bei La Soulane jedoch noch einen zweiten solchen Felsen, in Form eines umgestürzten Kahnes. Diesen verglich ich bei ersten Anblick sofort mit einem Dach – ohne damals etwas von Boonaerts Überlegungen zu wissen. Am meisten wunderte ich mich aber über eine Rinne, welche über die gesamte Länge der Firstkante des „Daches“ eingemeiselt worden ist.  Diese Rinne ist eindeutig nicht auf natürliche Weise entstanden. Sinn und Zweck – wie bei den meisten von mir beschriebenen Objekten rätselhaft.

 

Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Beschäftigung mit den, an sich wenig spektakulär erscheinenden, dachförmigen Felsen als aufschlussreich herausstellen würde. Denn am Ende des Kapitels über die Punische Sprache fand ich einen gar zu deutlicher Hinweis von Abbé Boudet: „Wenn man den Namen des Helden dieser Geschichte ändert, erscheint der Bericht Sallusts ganz vom Licht der Wahrheit erhellt.“ Held in dieser Geschichte ist jedenfalls Herkules. Denn: “Die  Gallische Nation wird hierin (in dem Bericht von Sallust) von Herkules repräsentiert und die Mythologie selbst liefert uns den roten Faden, denn sie sagt, dass Galates, der für seine Heldentaten und Tugend bekannte Krieger und König der Gallier, der Sohn Herkules gewesen ist. Sie gibt uns also zu verstehen, dass Herkules, sozusagen der gallische Familienheld...“

 

Gegen wessen Namen soll der Name des Herkules also vertauscht werden...?

 

Mit freundlicher Genehmigung des Autors

 

 

 



[1] Henri Boudet, „Die wahre Sprache der Kelten und der Kromleck von Rennes-les-Bains“

 

[2] H. Boudet, „Die wahre Sprache der Kelten...“, Kapitel III PUNISCHE SPRACHE, S. 86

 

Veröffentlicht in Geheimnisvolle La Soulane

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