Der Schatz von La Soulane (Teil 1)

Veröffentlicht auf von asmodeus

Eigentlich sollte dieser Artikel unter der Rubrik "Schatzfunde bei RLC" seinen Platz finden. Doch als wir die Geschichte des Schatzfundes, der hier gemacht wurde, vor Ort nachprüfen wollten, fanden wir uns an einem Ort wieder, der es verdient, ausfürlich vorgestellt zu werden.

Kaum bekannt ist ein Schatzfund, der in den 80er Jahren nahe bei Rennes-les-Bains zu verzeichnen war. Gegenüber der NW-Flanke des Berges Serbairou, der unter Schatzsuchern ohnehin als hotspot angesehen wird, erstreckt sich vom gegenüber liegenden Ufer der Sals an, ein anderer Berghang, der den Namen „La Soulane“ trägt. Hier fand ein französischer Schatzsucher, der verständlicherweise nicht namentlich genannt werden möchte, einen wertvollen Schatz, bestehend aus mehreren goldenen Gegenständen, darunter eine massive goldene Statue – zusammen, mit einem menschlichen Skelett. Der Mann wollte sich, aus Gründen seiner persönlichen Sicherheit, weder konkret über die Anzahl und die Art aller anderen Objekte äussern, aus denen sich der Fund zusammen setzte, noch wollte er seine wahre Identität preisgeben. Didier Audinot, ein Journalist und glaubwürdiger Experte auf dem Gebiet der Schatzsuche, hatte jedenfalls gute Gründe dafür, den Mann ernst zu nehmen und die Geschichte zu prüfen. Audinot kam zu dem Resultat, dass der Bericht des Mannes nicht frei erfunden gewesen ist. Wegen der besonderen Fundumstände ist der Finder fest davon überzeugt, lediglich einen Teil eines noch viel grösseren Schatzes gehoben zu haben. Der vermutlich grössere Teil wäre, für den Mann unerreichbar gewesen, weil tiefer in dem Versteck verborgen liegend. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, dass sich an der bezeichneten Stelle eine unterirdische Kammer befindet, deren Zugang er nicht fand. Und nur aus diesem Grund – weil der Schatzsucher eingesehen hatte, dass er an der Stelle im Alleingang erfolglos bleiben würde, nahm er schliesslich Kontakt zu Kollegen auf, denen er anhand von Zeichnungen die Sachlage verdeutlichte.

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Eine der Skizzen des Schatzsuchers, mit detaillierten Angaben über die Lage und Besonderheiten an der Fundstelle auf La Soulane.

 

Man gelangt zu der bezeichneten Stelle, indem man von Rennes-les-Bains aus, auf der D 14 nach dem Ortsausgang, die links mit einer Brücke beginnenden D74 in Richtung Sougraigne verfolgt. Diese Strasse verläuft dort an der Sals entlang, zwischen dem Serbairou und La Soulane und passiert dabei u.a. die Quelle Fontaine d’Amour und die alte Ruine neben dem sogenannten „Taufbecken“ in der Sals. Von diesem markanten Punkt aus, bewegt man sich dann nach links den Hang von La Soulane aufwärts, bis man das Felsenchaos erreicht hat, in dem seiner Zeit der Schatz gefunden worden ist. Die markante Felsenformation, welche auf den beiden Skizzen zu sehen ist, ist Bestandteil jenes Chaos.

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Im unteren Bereich auf dieser Skizze, befindet sich die konkrete Wegbeschreibung, bis hin zur Fundstelle. Im oberen Teil nochmals Zeichnungen der markanten Felsformation, aus unterschiedlicher Perspektive. Ansicht A zeigt die Fundstelle am Fusse des Felsens und oberhalb davon den Felsenabsatz mit dem tiefen, mysteriösen Loch

 

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Inmitten der Felsen fällt eine Formation auf, die aus zwei mit geringem Abstand zueinander aufrecht stehenden, etwa 3 m hohen, Blöcken besteht. Über dem kaminartigen Zwischenraum bildet eine Felsenplatte den oberen Abschluss. Am Fuss des auf den Skizzen mit A bezeichneten Felsblockes soll in geringer Tiefe der Schatzfund gemacht worden sein. Darüber, in demselben Block, befindet ein kleines rundes Loch mit etwa 3 cm Durchmesser. Dabei handelt es sich um die Öffnung einer engen Röhre, die offensichtlich tief in den Felsen hinein reicht. Audinot, der die Angaben des Schatzsuchers an Ort und Stelle prüfte, versuchte die Tiefe der Röhre zu bestimmen, indem er einen 2 m langen Stock hinein schob. Doch sein Stock war nicht lang genug. Längere Äste waren zu dick und auf eine solche Länge auch nicht gerade genug gewachsen, und so bleibt nur zu vermuten, dass die Röhre auf jeden Fall weiter als 2 m in den Fels hinein reicht.  Was natürlich die Frage nach Entstehung und Zweck aufwirft. Auf natürliche Weise kann solch eine Röhre – wir haben es auf La Soulane nur mit Kalk- und Sandsstein zu tun – wohl kaum entstanden sein. Aber auch wenn man dabei in Rechnung stellt, das eine natürliche Ursache letztlich nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann, käme hierbei einfach entschieden zu viel „Zufall“ ins Spiel, wenn – wie geschehen – exakt unterhalb dieser seltsamen Röhre ein Skelett, zusammen mit einem veritablen Schatz, begraben lag. Wie schon erwähnt, geht der betreffende Schatzfinder davon aus, dass die Röhre von Menschenhand in den Fels getrieben worden sein muss (selbst angesichts unserer heutigen technischen Möglichkeiten würde so etwas als eine beachtliche Leistung erscheinen) und dass sie der Belüftung einer Kammer dienen soll, die sich unter der Felsformation befindet. Einer Grabkammer vielleicht...?

Eine mehr als berechtigte Frage, wie sich zeigen sollte, nachdem wir uns dazu entschlossen hatten, uns die betreffende Stelle selber einmal genauer anzusehen. Es war gar nicht so einfach, die richtige Felsformation anhand der vorliegenden Zeichnungen zu identifizieren. 04 Denn so auffallend sie auch erscheinen mag, wenn man sie isoliert betrachtet, so schwierig ist es, sie inmitten des bizarren Felsenchaos zu erkennen. Wir machten zwei Formationen aus, die den Skizzen entsprechen. Doch nur eine von ihnen weist jene Röhre auf. Und die Sache wurde bald noch spannender, als wir uns in dem Terrain, bei jenem dolmenartigen Felsen, genauer umsahen.. Denn nur ein Stück weit hangabwärts, entdeckten wir einen Felsblock, dessen Oberfläche eine kreisrunde Vertiefung aufweist. So, als wäre eine runde Platte aus dem Stein heraus geschnitten worden. Der umlaufende Rand lässt noch deutlich alte Meiselspuren erkennen, während der Boden dieser „Pfanne“ auffallend glatt und ebenmässig ist. Durchmesser des Kreises beträgt 110 cm, wobei der Rand auf einer Seite etwa 10 cm hoch  ist und sich zur gegenüberliegenden Seite hin bis etwa zum Boden hin absenkt. An der niedrigen Seite ist die Oberfläche des Felsblockes beschädigt, so dass dort der Verlauf des Kreises kaum mehr zu erkennen ist. Möglicherweise verlief dort eine Rinne. Doch ist das nicht sehr wahrscheinlich, wie wir anhand eines anderen Fundes feststellten, den wir schon bald darauf machten.

05Wozu diese „Pfanne“ früher einmal diente, kann bestenfalls nur vermutet werden. Es lässt sich vorerst nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, ob die Vorrichtung kultischen oder profanen Zweck hatte. In der unmittelbaren Umgebung finden sich kaum Siedlungsspuren. Bewohnte, bzw. bewirtschaftete Plätze liegen viel weiter entfernt, als beispielsweise die alte Grabanlage, nur wenige Meter hangaufwärts, von dem Felsblock mit der „Pfanne“, die wir als nächstes entdeckten.

Etwas versetzt übereinanderliegend führen dort zwei leicht ansteigende Gänge in den Hang. Eigentlich ist es eine einzige durchgehende Mulde, die im vorderen Bereich von einer kleineren Felsplatte und im hinteren, weitaus längeren Verlauf, von einem gewaltigen Felsblock überdeckt wird, an dessen Ende der Gang wieder ins Freie führt. Da diese Anlage sich am Fuss jener Felsformation befindet, die als Fundstelle des Schatzes gilt, dürfte es sich um eben dieselbe Stelle handeln, an der das Skelett mit den kostbaren Grabbeigaben gefunden worden ist. Zumal wir im vorderen Abschnitt des Ganges die Spuren einer älteren Grabung feststellen konnten. Allem Anschein nach, ist der Schatzfund hier gemacht worden. Die Anlage hat Ähnlichkeit mit einem Ganggrab. Dann müsste der Gang allerdings in eine Kammer führen, was hier jedenfalls nicht der Fall ist, denn er verläuft lediglich unter den beiden 06Deckplatten hindurch, nach beiden Enden ins Freie. Deshalb erscheint die Vermutung des Schatzsuchers nachvollziehbar – die eigentliche Grabkammer könnte wirklich tiefer liegen. Nur die Röhre in der Deckplatte der skizzierten Felsformation dürfte dann kaum in einem Zusammenhang mit dem Grab stehen, bzw. zur Belüftung desselben gedient haben. Doch darüber zerbrachen wir uns erst einmal nicht weiter unsere Köpfe. Denn diese Schatzgeschichte war ja letztlich nur der Anlass dafür, uns das Gelände genauer anzusehen und dabei unsere eigenen Entdeckungen zu machen, die unsere Aufmerksamkeit auf zahlreiche andere, möglicherweise viel interessantere, Funde lenkte. Die oben beschriebene „Pfanne“ zum Beispiel war so ein Fund, und bei weitem nicht der einzige. Wichtiger, als Lüftungskanal oder nicht, erschien uns denn auch die Frage, ob der Felsblock mit seiner kreisrunden Vertiefung zu dem Grab gehören könnte – ob die Pfanne vielleicht als Aufnahme für eine Metallplatte diente, oder ob sie die Fassung für ein anderes Objekt gewesen ist. Am ehesten möchte man die Vorrichtung für das Unterteil einer Mühle halten – für einen Mahlstock, der sich ursprünglich einmal in waagerechter Position befand.

Nachdem wir das vermutliche Ganggrab und die „zugehörige“ Felsformation untersucht hatten, stiegen wir am Steilhang weiter hinauf. Nach etwa 10 m Aufstieg gelangten wir auf ein Plateau mit nur mässigem Gefälle – und standen bereits vor dem nächsten Rätsel. Wiederum ein mächtiger Felsblock, in dessen Oberfläche zwei unterschiedlich grosse, kreisrunde „Pfannen“ zu bewundern sind. Die grössere „Pfanne“ gleicht ihrem Pendant, auf dem Felsen weiter unten, bis auf den Durchmesser, der hier 135 cm beträgt. Ansonsten das gleiche Muster: Der umlaufende Rand ist ebenfalls auf der einen Seite höher (ca. 20 cm) und erreicht auf der gegenüberliegenden Seite seinen tiefsten Punkt (ca. 3 cm). Daraus kann man schliessen, dass es sich um ein Konstruktionsmerkmal handeln müsste. Die ungleiche Randhöhe erfüllte offensichtlich einen ganz bestimmten Zweck. An beiden grossen Pfannen sind deutliche Bearbeitungsspuren in den Randflächen zu erkennen, während die Böden völlig glatt sind, als wären sie geschliffen, was bei der kleinen Pfanne (d 80 cm / t 22 cm) ebenfalls deutlich zu sehen ist. Also doch Teil einer alten Mühle...?

Als wir die „Doppelpfannen“ entdeckten, waren sie mit einem dicken Brei aus nassem Laub und Dreck angefüllt, den wir zuerst einmal entfernen mussten. Dabei wuchs unsere Bewunderung für die saubere Steinmetzarbeit, die hier geleistet worden ist. Und die steigerte sich noch, als wir zum Schluss, zu unserer Überraschung, am Boden der Pfannen, eine Röhre entdeckten, welche beide „Pfannen“ unter dem Steg, der sie trennt (an seiner schmalsten Stelle ca. 15 cm), verbindet.

09(Auffallend ist des weiteren der grosse Stein, der sicherlich aus einem besonderen Grund mit auf der Felsplatte platziert worden ist. Von selbst wird er kaum dorthin gerollt sein, wo er jetzt steht. Etwa zwei Meter vor dem Stein fällt der Hang sehr steil ab (von dort kamen wir). Hinter dem Felsblock mit den „Doppelpfannen“ steigt das Gelände nur sanft an. Schwer vorstellbar, dass der Stein von weiter oben bis hier her gerollt sein soll, um dann hochkant, ausgerechnet am Rand der Platte, stehen zu bleiben. Dass sich der andere Felsblock mit der „Pfanne“, den wir zuerst entdeckten, früher einmal oben, bei den „Doppelpfannen“, befunden haben könnte – vielleicht noch näher an der Kante des Steilhanges – und irgendwann einmal abstürzte, das könnte man sich dagegen schon viel eher vorstellen. Denn es sieht ganz danach aus.

Über den Sinn und Zweck, den diese „Pfannen“ früher einmal hatten, können wir bisher lediglich Vermutungen anstellen. Wir haben uns zwischenzeitlich an andere Forscher gewandt, ihnen Bildmaterial und Beschreibungen übergeben, in der Hoffnung, dass jemand vielleicht schon einmal etwas Ähnliches gesehen hat. Das Material liegt zwei Archäologen vor und wir haben Kenner von Megalithanlagen um ihre Meinung gebeten. Die beiden Archäologen zeigten sich interessiert, können die Objekte jedoch nicht identifizieren. Beide haben noch nichts derartiges gesehen, würden aber zuerst einmal auf Teile einer alten Mühle tippen wollen. Ein Forscherkollege fand bei Recherchen im Internet das Foto einer kompletten alten Ölmühle bei Larnarka (Griechenland), deren Unterbau ähnlich gearbeitet ist. Ein Steinblock, mit einer solchen „Pfanne“ wie bei Soulane, in der sich ein Mühlstein drehte und dabei Oliven zerquetschte. Das Öl floss durch eine Rinne ab. Aber genau solch eine Rinne fehlt hier, so, wie übrigens auch die Oliven fehlen. Natürlich können früher einmal die klimatischen Bedingungen anders gewesen sein als heute und die Verbindungsröhre zwischen den beiden Pfannen könnte als Abfluss für das Öl gedient haben – in die grössere Pfanne, aus der es dann heraus geschöpft werden musste, statt es, via Rinne, in eine Amphore rinnen zu lassen, wie in Larnarka (und auch sonst überall bei Ölmühlen üblich). Bei der Verarbeitung anderen, nicht flüssigen, Mahlgutes, macht die Verbindungsröhre dann überhaupt keinen erkennbaren Sinn. Denn das Gefälle zwischen den beiden Pfannen ist so gering, das Mehl oder Schrot von selbst nicht nachrutschen würde und auch kein Getreide. Alles müsste von Hand, bzw. mit einem Stöckchen, durch die Röhre hindurch geschoben werden, wobei man auch noch ständig unter dem in der Pfanne laufenden Mühlstein herumstochern müsste. Ein Unding...

10Gegen eine Mühle spricht denn auch noch viel mehr. Ihre Lage beispielsweise. Nicht von ungefähr liegt eine wirkliche Mühle, gar nicht sehr weit entfernt, im Talgrund, direkt am Lauf der Sals – so, wie alle Wassermühlen immer in Flusstälern, so nahe wie möglich am Wasserlauf, errichtet worden sind. Windmühlen wiederum findet man praktisch niemals auf halber Hanghöhe, an einem steilen Berg, in einem engen Tal. Um einen Mühlstein mit 135 cm Durchmesser zu bewegen braucht es beträchtliche Kräfte. Nichts deutet darauf hin, dass bei den „Doppelpfannen“ jemals Wasser geflossen wäre. Trockene Bachbetten ziehen sich zwar an mehreren Stellen über La Soulane hinab, jedoch nicht in der Nähe der rätselhaften Anlage. Doch selbst wenn früher einmal so ein ruisseau hier existiert haben sollte, hätte man damit kaum ein so gross dimensioniertes Mahlwerk antreiben können. Das Wasser hätte dann in einem Becken aufgestaut werden müssen. Man würde heute noch Spuren davon sehen. Und solch einem enormen Aufwand sollten die Müller betrieben haben – statt lieber, nur ungefähr 300 m weiter, unten im Tal, einen Platz direkt am Fluss zu suchen? (Entfernung bis zur Mühlenruine am Taufbecken in der Sals beträgt 366 m)

Und eine Mühle, inmitten von Gräbern?

 Könnte es vielleicht der Rest einer Anlage sein, die mit früheren Bergbauaktivitäten in Zusammenhang stand. Denn wir meinen Anzeichen für Bergbautätigkeit im Bereich von La Soulane bemerkt zu haben. Eine offene Mine fanden wir zwar bisher noch nicht, doch an verschiedenen Stellen sieht es so aus, als gäbe es da verschüttete oder verschlossene Eingänge. Waren die „Pfannen“ also möglicherweise eine Scheidevorrichtung, oder eine Erzwäsche? -  was wegen des nicht geringen Wasserbedarfs aber ebenfalls sehr fraglich erscheint. Apropos verschüttete Löcher: Sowohl vor, als (11) kleinauch hinter dem Felsblock mit den „Doppelpfannen“ fiel uns jeweils eine verdächtige Senke im Boden auf. Die schauten wir uns deshalb genauer an. Beim Hineintreten gab der Boden unter mir nach. Deshalb entschloss ich mich zuerst einmal die dicke Laubschicht zu entfernen. Darunter stiess ich auf sehr lockeren, weichen Boden. Völlig untypisch in diesem felsigen Gelände. Also grub ich weiter und hatte wenig Mühe, schon bald mehr als einen Meter tiefer zu stehen – immer noch in demselben lockeren, weichen Boden, und immer mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengegend, weil ich damit rechnete, dass der unsichere Grund unter meinen Füssen jeden Augenblick ganz nachgeben könnte. Immerhin stellte ich fest, dass der Felsblock mindestens 3 m in der Höhe messen muss und recht tief in den Boden hinein reicht. Auf dem nebenstehenden Foto ist die auffällige Bodensenke zu sehen, bevor sie vertieft wurde. Entweder ist hier früher schon einmal gegraben worden, und zwar tiefer als zwei Meter (eventuell sogar viel tiefer...), oder direkt an dem Felsblock führt ein Schacht in die Tiefe, der sich im Lauf der Zeit mit Laub und hineingespültem Erdreich zusetzte. Letzteres erscheint mir wahrscheinlicher, weil der Stopfen fast völlig aus verrottetem Laub besteht. Ähnelt stark der Gartenerde, wie es sie im Supermarkt zu kaufen gibt. Eine wieder zugeschüttete Grabungsstelle enthielte anderes Erdreich und viel mehr Steine. Die ganze Anlage erscheint dadurch nur umso rätselhafter. Wozu erst Recht noch einige Besonderheiten beitragen, die erst auf den zweiten Blick ins Auge fallen – dann aber um so mehr zu denken geben.

12 Doppelkreis Luftbild bemasstDie Durchmesser der beiden Kreise stehen in einem Verhältnis zueinander, das ziemlich genau dem Goldenen Schnitt entspricht. Hier: 80 zu 135, wie 135 zu 215 – was wir auch nicht einfach dem Zufall zuschreiben wollen. Zufall war dagegen, dass beinahe jedes mal, wenn wir in den vergangenen Wochen die „Doppelpfannen“ aufsuchten, zuvor Regen gefallen war. Wasser stand immer nur in der grösseren „Pfanne“ – so, wie auf dem Foto weiter oben zu erkennen ist. Die Behälter sind so raffiniert konstruiert, dass der Wasserspiegel immer nur genau bis an die Öffnung der Verbindungsröhre reicht. Wird mehr Flüssigkeit zugeführt, läuft sie über den niedrigen Rand ab. Ausserdem scheint der Boden der kleineren „Pfanne“ auf einem etwas höheren Niveau zu liegen, als der grosse „Pfannenboden“ und die Röhre weist ein leichtes Gefälle von klein nach gross auf. Das muss so beabsichtigt gewesen sein. Was gleichbedeutend damit wäre, dass die Pfannen mit meisterhafter Präzision angefertigt wurden. Die Achse durch die beiden Kreismittelpunkte verläuft etwa von ONO nach WSW – nur 350 m neben dem Grünen Meridian. Letzteres könnte unter Umständen schliesslich ebenfalls eine Rolle spielen.

So kamen wir schliesslich auch auf den Gedanken, dass es sich bei der Anlage möglicherweise auch um einen alten Beobachtungspunkt handeln könnte. Da die Vorrichtung so konstruiert worden ist, dass sich im grösseren Becken ein absolut konstanter Wasserspiegel erhält, indem man vom kleineren Becken aus, durch die Röhre, ganz behutsam kleine Mengen Wasser nachlaufen lässt, hätte man tatsächlich einen Spiegel geschaffen, in dem sich des nachts ein Himmelsabschnitt gut beobachten liesse. Letztlich ebenfalls nur eine reine Vermutung.

Es gab natürlich noch andere Überlegungen. Gussformen wurden in Betracht gezogen, aber schnell wieder verworfen, weil man die von Urzeiten an, bis heute, viel einfacher, aus Sand in eine Holzkiste baut. Das brachte uns aber auf eine andere Idee. Die kreisrunden Vertiefungen könnten als Form, oder besser als Halterung, für den Bau von Holzrädern gedient haben. Dafür hätte man aber wieder keine Röhrenverbindung zwischen den beiden Kreisen bohren müssen. Was ebenso überflüssig erscheint, wenn man die Vermutung anstellt, dass ein Böttger in diesen Kreisen Fässer gebaut haben könnte.

Und das Alles – Stellmacherei, Böttgerei, Giesserei und Müllerei – wie schon gesagt, mitten zwischen uralten Gräbern?

Aber vielleicht würde eine Mühle an diesem Platz gerade Sinn machen – dann nämlich, wenn es sich um eine ganz spezielle Art von Mühle gehandelt haben sollte – eine Knochenmühle.

Hinter dem Felsen, zur Hangseite hin, ist eine grossflächige Terrasse angelegt worden. Am Fusse der Terrassenmauer entdeckten wir einen weiteren einzelnen Stein, der mit einem Kreuz markiert ist. Beide Kreuze, sowohl das an dem Cairn, als auch das Kreuz vor der Terrasse, gehören wahrscheinlich nicht zu jenen griechischen Kreuzen, die Abbé Henri Boudet erwähnte. Sie unterscheiden sich auch etwas von den Kreuzen, die man an den Stellen vorfindet, welche der Curé auf seiner Karte bezeichnete. Die Boudet-Kreuze sind in aller Regel tiefer in den Stein gemeiselt. Aber wie auch immer, die zwei hier gezeigten Kreuze machen auf uns den Eindruck, als wären sie älteren Datums. Einen Stein mit Kreuz, der dem nebenan abgebildeten zum Verwechseln ähnlich sieht, kenne ich seit Jahren schon am Serbairou, ungefähr vis à vis von La Soulane. Und auch dann, wenn diese Kreuze nicht von Boudet stammen sollten und vielleicht zu seiner Zeit noch gar nicht existierten, ist die Sache, unserer Meinung nach, dennoch die eine oder die andere Überlegung wert. Denn irgend jemand hat sich die Mühe gemacht und irgend etwas markiert. 

13 Soulane Stein mit KreuzIn einer Entfernung von rund 50, nördlich des Kreuzes an der Terrasse fiel uns ein etwa 60 cm hoher Stein auf, weil seine Flanke merkwürdige  Bearbeitungsspuren zeigte. Zuerst hielten wir es für eine angefangene Steinmetzarbeit. Doch bei näherer Betrachtung kamen wir zu der Überzeugung, dass es sich um Schleifspuren handeln muss. Der Stein scheint über einen langen Zeitraum hinweg als Seilführung gedient zu haben. Wie es aussieht liefen an seiner Seite zwei Seilstränge dicht übereinander. Erosionsmuster von Wasser  sind das jedenfalls nicht.  Uns irritiert lediglich dass die Kerbe, in deren Mitte die Wulst verläuft in einem völlig anderen Winkel steht, als die Wulst. Hätten sich Seile allmählich in den Stein eingeschliffen, müsste die Kerbe ganz genau den selben Verlauf  nehmen, wie die Wulst. Seilreibung wäre wohlgemerkt nur eine mögliche Erklärung für diesen auffälligen Sims. Und es sieht nicht so aus, als wäre er auf natürliche Weise entstanden. Zumal wir an verschiedenen Stellen bei La Soulane noch andere behauene Steine vorfanden. Alles grosse Quader, fix und fertig bearbeitet und dann einfach liegen gelassen.  Warum? – als hätten die Steinmetze ihre Arbeit plötzlich Hals über Kopf unterbrechen müssen. Und dort, wo solche behauenen Steine liegen, sucht man vergeblich nach dem Steinbruch aus dem sie stammen könnten. Zwar gibt es einige Plätze, die so aussehen, als hätten sie einmal als Steinbruch gedient doch ausgerechnet dort finden sich keine fertig behauenen Steine. Sollten die Steine also beim Abtransport „verloren“ gegangen sein? Das darf man wohl bezweifeln. Für einen fertig behauener Stein in dieser Grösse, verlangt ein Steinmetz heutzutage einen stolzen Preis und das wird früher kaum anders gewesen sein. Solche Steine lässt man nicht einfach liegen – jedenfalls nicht ohne einen triftigen Grund. Der eine oder der andere dieser Steinbrüche selbst gibt im Übrigen  dann wieder seine eigenen Rätsel auf. 

Eigenartigerweise liegt jener grosse Felsblock mit der einzelnen „Pfanne“ direkt vor einer Felswand, die so aussieht, wie eine kleine carriere – wie ein kleiner Steinbruch. Nicht ausgeschlossen, dass hier vor noch gar nicht sehr langer Zeit Steine abgebaut worden sind. Doch haben wir da so unsere Zweifel. Nicht nur deshalb, weil hier kein einziger dieser behauenen Quader zu sehen ist, sondern vor allen Dingen deshalb, weil kein fester Fahrweg bis an den Steinbruch führte und der wäre unverzichtbar. Als einziger bearbeiteter Stein liegt hier der mit der „Pfanne“ und dieser ist nicht aus der Felswand gebrochen worden, vor der er liegt. Auch im Hinblick darauf denken wir, dass der Block früher wahrscheinlich viel weiter oben seinen Platz hatte und dann über den Steilhang heruntergestürzt ist.

(13) Soulane Rinne kleinDie Stelle könnte ihr heutiges Aussehen auch auf eine andere Art und Weise erhalten haben. Denn nur wenige Meter vor ihr stösst man auf eine weitere eigenartige Struktur im Gelände – eine aus Steinen gebaute etwa 3 m lange und 40 cm breite Rinne. Sie scheint direkt in den Berg hinein zu führen. Die Stelle lässt von ihrem Aussehen her an den Eingangsbereich einer alten Mine denken. Doch es könnte auch etwas anderes gewesen sein, als eine Mine. Ein rechts und links mit kleinen Mauern gesäumter, enger Zugangsweg zu einer Mine wäre nicht nur ungewöhnlich, sondern einfach hinderlich gewesen.

Aber darauf, dass es hier möglicherweise tatsächlich einen Eingang in den Untergrund gegeben haben könnte, deutet eine Senke im Waldboden – und der vermeintliche Steinbruch. Hier scheinen Hohlräume im Untergrund eingebrochen zu sein.

Etwa 350 m weiter westlich standen wir schon bald vor einem weiteren Rätsel. Einem mächtigen, in der Mitte gespaltenen Felsblock, der wie ein Eingangsportal aussieht – aber leider kein Eingang ist. Unsere Enttäuschung darüber hielt sich jedoch in Grenzen, weil wir für sie mit dem Anblick einer Natursteinmauer entschädigt wurden, die sich rückseitig an den Felsen anschliesst. Sie verbindet den massigen Brocken mit dem dahinter ansteigenden Berghang. Das Ganze sieht aus wie eine Rampe. Als hätte man an der rückwärtigen Seite eine Plattform geschaffen. Doch wozu? Steckt hinter dem Felsen vielleicht noch etwas im Berg? Steht dieser Bau eventuell in einem Zusammenhang mit einer zweiten Formation, gleich nebenan? Bei dieser Formation könnte es sich sogar um einen Dolmen handeln, von dem lediglich die Deckplatte zu sehen ist. Das Gebilde scheint bereits schon anderweitig Interesse erregt zu haben, denn nachdem ich auf die Felsplatte gestiegen war, bemerkte ich neben ihrem hinteren Rand eine kleine Öffnung. Schon bei einem meiner nächsten Besuche an der Stelle, war das Loch um einiges grösser und frisch ausgeworfene Erde lag davor.

16 kleinWaren wir uns bei der oben beschriebenen Formation noch unschlüssig, ob wir es mit einem Dolmen zu tun haben, so liess unser nächster Fund kaum noch Zweifel offen. Nach einem längeren, anstrengenden Aufstieg, über das Felsenchaos bei La Soulane, entdeckten wir im Gipfelbereich einen versteckt liegenden Dolmen. Er ist in seinem oberen Bereich offen, doch seine Kammer, die ein Stück weit in den Untergrund reicht, ist weitgehend eingestürzt. Das heist, in der Kammer türmen sich grosse Felsbrocken übereinander..[2]

Abbé Boudet scheint sich für La Soulane weniger interessiert zu haben. So möchte man meinen, wenn man sich seine Karte vom Kromleck betrachtet. Oder haben wir es wieder einmal mit einer der vielen Finten des alten Fuchses zu tun? Es stimmt schon nachdenklich, wenn er all die seltsamen und auffälligen Bauten und Formationen in diesem Gelände nicht für markierenswert gehalten haben soll. Nur eine einzige Markierung fällt einem hier ins Auge – vier , im Qudrat angeordnete Punkte, die laut Kartenlegende Menhire sein sollen, bzw. das, was der Curé mit „Ménirs débout“ meinte. Dieses quadratische Markierung stimmt ungefähr mit dem Ort überein, an dem sich der Dolmen befindet. Doch Dolmen markierte Boudet – laut Legende – mit 17 Detail Boudetkartedem gebräuchlichen Symbol. Immerhin hinterliess er auf seiner Karte – ganz wie es seiner Art entspricht – einen anderen wichtigen Hinweis. Betrachtet man die Schraffuren genauer, mit denen das Gelände dargestellt wird, dann bilden sie, in der Mitte von La Soulane, eine Pfeilspitze, welche genau auf die vier Punkte zeigt. (Was sonst nur noch bei einem zweiten Berg vorkommt, dem Col de Bazel – dort zeigt der Pfeil auf den alten, zerstörten Kultplatz im Gipfelbereich.) Boudet muss mit dieser Darstellung etwas bestimmtes beabsichtigt haben, denn die Darstellung auf der Karte stimmt mit der wirklichen Geländebeschaffenheit nicht überein.

Kann es sein, dass der wichtigere Teil von „La Vraie Langue Celtique et Le Kromleck de Rennes-les-Bains“ die, im Anhang abgebildete, Landkarte ist?

Gänzlich unverhofft machten wir gleich bei unserer ersten Exkursion bei La Soulane einen schönen Fund. Mir fiel ein am Boden liegender kreisrunder Stein auf, weil er im Licht der Sonne regelrecht leuchtete. Wegen seiner Grösse und seines Gewichtes liess ich ihn liegen, obwohl ich ihn eigentlich gerne mitgenommen hätte. Also fotografierte ich ihn wenigstens. Nach Tagen suchte ich zu Hause in einem Reiseführer[3] nach einer Notiz im Zusammenhang mit dem Pech de Bugarach und stolperte beim Blättern über eine Anmerkung zum Museum in Lodève. Dort „...werden scheibenförmige Steine aus Uclas-du-Bosc gezeigt, die aus dem 12. bis 15. Jh. stammen. Die Verwendung dieser monolithischen Steine, die im Mittelalter in Südwestfrankreich recht stark verbreitet waren, geht auf die Antike zurück; die Scheibe stand damals für die Sonne, doch wurde sie in der christlichen Ära zum Symbol für den auferstandenen Christus.“ Kaum wusste ich, was für einen Fund ich bei La Soulane einfach liegen liess, machte ich mich auf den Weg, um ihn zu bergen. Ich habe meine Sonnen-scheibe bis heute nicht wiederfinden können.

 

Mit freundlicher Genehmigung des Autors


[1] Mit Cairn wird eine besondere Form der über ganz Europa verbreiteten Hügelgräber bezeichnet. Zuerst als Name für die, besonders im Norden der britischen Insel anzutreffenden Gräber gebräuchlich, werden aber auch die in Frankreich und anderen Ländern verbreiteten Steinhaufen – denn genau das bedeutet der Name Cairn – so genannt, im Unterschied zum Tumulus, einem Erdgrabhügel.

[2] Unsere Exkursionen bei La Soulane sind gefilmt worden und auf DVD über den Verlag erhältlich. In diesem Film sind alle uns auffallend und interessant erscheinenden Objekte zu sehen, darunter natürlich auch der Dolmen von aussen und von innen

[3] „Der Grüne Reiseführer – Languedoc/Pyrenäen“, Michelin Reise-Verlag, 2003, S.306

Veröffentlicht in Geheimnisvolle La Soulane

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