Der Barattolo-Eisenmann-Bericht

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Von der Université Eau Claire, Wisconsin wurden 2x Georadar Untersuchungen gemacht.

In den Jahren 2001/2002 wurden zwei aufsehenerregende Vermessungsaktionen mit Georadar in Rennes-le-Château, unter der Leitung von Prof. Eisenmann (Universität Eau Claire, Wisconsin) durchgeführt.

2001, im Verlauf der ersten Kampagne:
innerhalb der Kirche
und im Tour Magdala.
Dabei erreichte Suchtiefe : etwa 2,50 m.
Registriert wurden mehrere Hohlräume (wahrscheinlich drei) direkt unter der Kirche. Möglicherweise handelt es sich dabei um die selben Hohlräume, die der Ingenieur Cholet in seinem Bericht aufzählte.
Veröffentlicht wurden die Resultate erst im Jahr 2004.

2002, Verlauf der zweiten Kampagne:

Vermessung zweier Trassen, von denen die eine etwa 4 m vor dem Altar verlief, und
die andere, etwa 3 m hinter dem Altar (quer durch die Kirche).
Erreichte Suchtiefe etwa 2,5 m
Das Georadar verzeichnete keine Anomalien.
Eine dritte Trasse verlief unmittelbar vor dem Altar.
Erreichte Suchtiefe ca. 5 m.
Bei dieser Messung wurde ein grösserer Hohlraum geortet, der bei einer Tiefe von etwa 3 m beginnt und vermutlich noch weiter als 5 m in die Tiefe reicht. Wie tief konnte nicht festgestellt werden, weil bei 5 m die maximale Suchtiefe des Gerätes lag.
Die Resultate der zweiten Kampagne sind vom Eisenmann-Team niemals veröffentlicht worden. Wahrscheinlich wegen der Blamage nach der ersten Vermessung, als man vorschnell den Fund einer grossen Kiste unter dem Turm vermeldete. Die sich dann aber schon bald als der Betonklotz erwies, der ind den Grabungsschacht gegossen worden ist, damit Tour Magdala nicht einstürzt. Nur auf Umwegen gelangten sie dennoch in die Hände von Rennologen. Paul Saussez, der bei den Untersuchungen zugegen war, erhielt schliesslich eine Kopie des interessanten Scans, welches endlich von Ch. Doumerge, dessen Buch "L'Affaire de Rennes-le-Château", (Bd.1) mit aufgenommen wurde. Saussez zufolge scheint für die gesuchte Krypta eine natürliche Grotte genutzt worden zu sein. Diese Grotte soll, so Saussez weiter, zwei Zugänge gehabt haben. Einen, vom Friedhof aus, den früher die Grabplatte von Marie de Nègre verdeckte, undder andere, direkt unter dem kleinen geheimen Raum hinter der Sakristei, den Saunère anbauen liess.

Falls die Positionsangabe im Kirchenregister tatsächlich die Krypta meint, dann wäre mit der Bezeichnung "beim Baluster" möglicherweise eine Stelle, links in der Kirche, in Höhe der jetzigen Kanzel gemeint. Der Zugang erfolgte über eine kleine Wendeltreppe in der Kirchenmauer. Für die Eibettung der Särge muss dann aber noch eine weitere Öffnung existiert haben, welche von der sogenannten "dalle des chevaliers" bedeckt gewesen wäre.

Nachfolgend der


BERICHT VON PROFESSOR ANDREA BARATTOLO, VON DER UNIVERSITÄT  MACERATA ÜBER DIE UNTERSUCHUNGEN DES EISENMAN-TEAMS IN RENNES-LE-CHÂTEAU

 

 

„Die Ortschaft von Rennes-le-Château ist sicherlich eine der interessantesten des Languedoc. Dank ihrer besonders günstigen Lage erlaubt Rennes-le-Château eine außerordentlich breite Sicht auf dem Gebiet; das ermöglicht die Kontrolle der Verbindungswege, die sich unterhalb des Hügels befinden. Man kann die Täler der letzten Pyrenäen-Ausläufer, die sich um das Aude Tal und bis zum Zusammenlauf der beiden Flüsse Aude und Sals erstrecken, gut im Blick behalten; es ist  aber auch möglich das Atax Tal zu kontrollieren, das zu römischer Zeit als sehr wichtiges Gebiet galt, denn dieses Tal stellte eine Art Brücke dar, die Toulouse sowohl mit der Kolonie Narbonne als auch mit dem Mittelmeer verband. Im Süden beherbergt die Region Zentren wie: Emporiae( Emporion-Ampurias), Barcino (Barcelona), Tarraco (Tarragona). Im Osten, entlang der Via Aurelia, findet man Städte wie: Nemausus (Nimes), Arelate (Arles) - im Delta des Rhone – und Massalia (Marseille).

 

Diese Region war vom Stamm der Tectosages bewohnt. Dieses Volk beherrschte das Gebiet, das sich von Toulouse bis zur Aude Küste erstreckte. Wichtigstes Zentrum des Tales war die Stadt Carcas, ein gallisches Oppidum, das später zur römischen Kolonie Julia Carcas (der heutigen Carcassonne) wurde.

 

Diese kurze und nüchterne Schilderung, diese Analyse der örtlichen Lage von Rhedae zeigt die besonderen Vorteile der Stadt, die für eine dauerhafte Menschenansiedlung wie geschaffen war (es gibt in der Tat Funde, die bis ins Paläolitikum zurückreichen, siehe A. Fagès); aus demselben Grund war Rhedae aber auch für eine bewegte Geschichte prädestiniert. Die Wichtigkeit dieses Platzes ist dem Wissenschaftler A. Grenier nicht entgangen. So hebt er diesen Umstand auf seiner archäologischen Karte des römischen Galliens besonders hervor (Paris 1959, XII, Aude, Seite.184). Grenier verweist außerdem auf die Ruinen alter Strukturen und Mauern.

 

Der Name „Rennes" scheint zweifellos der vorrömischen Zeit zu entstammen: Reda leitet sich von Reida oder Reidha ab, einer germanischen Wurzel, die sich im Laufe der Zeit in: Redae, Reddes und Rennes verwandelte. (Abbè Sabarthes, „Etude sur la toponomastique de l'Aude », IX, 1907 Seite 288)

 

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass Siedlungen wie diese normalerweise zu Römerzeiten verlassen wurden, denn die Römer bevorzugten es, sich in Ebenen oder Tälern niederzulassen. Rhedae hingegen wurde nie verlassen, wie man aus der Analyse der archäologischen Funde, die in Rennes entdeckt wurden, schlussfolgern kann. Deshalb scheint Rhedae ein außerordentlich wichtiger Platz gewesen zu sein. Die Tatsache, dass Rennes im 8. Jahrhundert n.C. zusammen mit Narbonne und Carcassonne in einem Vers von Theodulf zitiert wird, beweist es.

 

Ich muss zugeben, dass ich, als mein Freund Robert Eisenman mich im Zusammenhang mit Rennes kontaktierte, trotz meiner 40jährigen Erfahrung mit der alten Welt, nur eine sehr nebulöse Idee von der räumlichen Lage hatte. Meine Kenntnisse gründeten in erster Linie auf das Wissen um Lebensfähigkeit und Geographie der Region und auf ihre bemerkenswerte mittelalterliche Tradition. Doch das Studium der Topographie und die Analyse des Ortes und der Materialen haben mich von ihrer Wichtigkeit überzeugt. Es genügt diesbezüglich zu erinnern, dass der Verbindungsweg, der von Carcassonne nach Limoux, Couiza, St.Just und Bezu führt, genau unterhalb von Rennes-le-Château verläuft. Außerdem zählen zu dem archäologischen Material, das zwischen Couiza und Rennes entdeckt wurde, alte römische Münzen, alte Ruinen, Mosaik- und Keramikstücke und Vasen. („Repertoire archäologique du departement de l'Aude » Seite 79, A.P.Courrent, P.Elena ; « Scones en bronze, tessons de

Rennes-le-Château », Fagès)

 

Der Umkreis des Plateaus auf dem Hügel ist von einer kalkartigen Formation mit senkrechten Schichten umgeben, die ein sehr gutes natürliches Bollwerk bildet, das unheimlich schwierig anzugreifen und zu überwinden war, vor allem wenn die Verteidiger über eine starke Holzpalisade verfügten. Diese besondere geologische Situation beeinträchtigte den Gebrauch herkömmlicher Kriegs- und Belagerungsmaschinen. Aufgrund des Fehlens benachbarter Anhöhen war außerdem der Einsatz von Bombardiermaschine auszuschließen. Deshalb war Rhedae - bis zur Entdeckung der Feuerwaffen – eine fast uneinnehmbare Festung.

 

Bis heute sind leider keine wissenschaftlichen und systematischen Ausgrabungen in Rennes-le-Château durchgeführt worden. Die einzige Untersuchung in loco wurde von Ingenieur Cholet unternommen, der im Jahr 1967 einen sehr kurzen, etwas undeutlichen Bericht verfasste. Dieser Bericht zeigt aber, dass bestimmte bauliche Strukturen (wie z.B. Treppen) oder Tunnels unter der Kirche Sainte Madeleine vorhanden sind. Cholet war kein Archäologe und seine Nachforschungen lassen diesbezüglich die notwendige wissenschaftliche Präzision vermissen. Glücklicherweise verfasste Madame Brigitte Lescure von der Universität Toulouse

im Jahr 1978 eine These mit dem Titel: „Recherches archèologiques à Rennes-le-Château

du VIII au XVI siècles"; so hatte ich endlich die Möglichkeit, ein wissenschaftliches

Werk zu diesem Thema in Augenschein zu nehmen.

 

Nun verfügten wir über die notwendigen Voraussetzungen, um Untersuchungen in Rennes einzuleiten. Unsere Nachforschungen wurden in zwei Etappen durchgeführt: im April 2001 und im März 2002. Wir setzten das präzise Radar System „GPR" (High Resolution Ground Penetrating Radar) ein und konnten das Vorhandensein von Anomalien - unter dem Boden der Kirche und der Gärten - feststellen, die nicht geologischer Natur sein konnten. Es sind künstliche, von Menschenhand errichtete Strukturen. Es ist also mit relativer Sicherheit davon auszugehen, dass eine Krypta unter der Kirche vorhanden ist. Auch unter dem Garten der Lourdes Madonna und dem Kalvariengarten sind unterirdische Strukturen sichtbar geworden.

 

Betrachten wir nun die Funde, die im Rennes-le-Château Museum aufgestellt sind. Diese Stücke stammen aus dem Gebiet unmittelbar neben der Kirche, nämlich im Garten selbst und wurden nahezu an der Oberfläche entdeckt. Die zwei wichtigsten Stücke sind zwei Keramik-Fragmente aus Attika mit schwarzen Figuren verziert. Sie stammen aus dem 5. Jahrhundert v.C. - das beweist, dass die Einwohner aus dieser Epoche Handel mit den griechischen Kolonien der Küste trieben; die griechische Keramik war in Rhedae also bekannt.

 

Die Stücke sind:

 

1. Keramik Fragmente mit schwarzer Lackierung aus dem 5. Jahrhundert a.C.

2. Ein Stück einer Urne mit grauem Beschlag römischen Ursprungs aus dem 1. Jahrhundert

v.C.

3. Zahlreiche Fragmente von Urnen

4. Drei Stücke römischer Münzen aus Bronze

5. Ein Stück einer gallischen Münze mit einem Stier aus dem 2. oder 1. Jahrhundert

6. Keramikfragmente aus Italien und Südgallien, ca.2. Jahrhundert

7. Viele Fragmente römischer Vasen

8. Zwei Fragmente von Röhren aus Ton, die für ein aquäduktähnliches System sprechen

9. Zahlreiche Mosaikstücke in weiß, braun, rot und schwarz, die von einem Fußbodenbelag stammen

10. Zwei mittelalterliche Urnen-Deckel

11. Ein Kapitell christlichen Ursprunges aus dem hohen Mittelalter von geringer Größe mit Blättern und Trauben verziert. Dieses Kapitell scheint einem Tabernakel aus dem 5.Jahrhundert zu entstammen. Ist es etwa ein Beweis dafür, dass bereits zu damaliger Zeit eine Kirche in Rhedae existierte?

12. Eine schön gearbeitete Platte mit zwei Rittern (Dalle des Chevaliers), von denen, der linke eine Lanze und ein seltsames Objekt hält, das einem Kelch gleichen könnte.

 

Alle diese Funde erlauben das folgende archäologische Bild zu skizzieren: Rennes-le-Château

ist eine wichtige archäologische Stätte, denn dieser Ort wurde zumindest vom 5. Jahrhundert v.C. bis heute und ohne Unterbrechung bewohnt. Sehr wahrscheinlich war Rhedae am Anfang ein gallisches Oppidum, das später romanisiert wurde. Aus den Fragmenten kann man daraus schließen, dass Rhedae ein Zentrum ersten Ranges war. Es kann sogar sein, dass die sechste griechische Kolonie, von der Herodot berichtet (die weiteren fünf waren: Toulouse, Marseille, Sète, Latta und Agde), sich hier in diesem Gebiet befand.

 

Auch aus mehreren historischen Quellen und Archivdokumenten wissen wir, dass Rennes in römischer und mittelalterlicher Zeit eine wichtige Rolle spielte. Die Anwesenheit der Kirche Sainte Madeleine beweist es, denn dieser Bau spricht für die Existenz einer früheren, älteren Sakralstätte: Man baute normalerweise nie eine Kirche auf einer Anhöhe, ohne einen ersichtlichen Grund dafür zu haben. Und neben solchen Kirchen war in der Regel - wie im Fall von Rennes – ein Friedhof angelegt. Ein Pfarrbuch aus dem 17. und 18. Jahrhundert belegt, dass ein Grabmal der Herren von Rennes im Inneren der Kirche vorhanden ist.  Unsere Forschungen wurden mit der Methode der Stratigraphie, auf der Basis von Dokumenten und mit der Absicht der Restaurierung der Strukturen und Objekte, die eventuell im Laufe der Untersuchung beschädigt würden, durchgeführt.

 

Während der ersten Untersuchung wurde das Innere der Kirche mit einem Radar-Scan

abgetastet; hier konnten wir Anomalien feststellen. Man müsste sowohl dort als auch im Garten von Nôtre Dame de Lourdes von Nord nach Süd und ebenso im Kalvariengarten Ausgrabungen durchführen; auf diese Weise könnte man vielleicht die Strukturen des Oppidum, der mittelalterlichen Bauten und der älteren Bauphasen der Kirche ans Licht bringen.

 

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