Abbé Saunières Schatz

Veröffentlicht auf von asmodeus

0133Es soll hier nicht um jene gigantischen Schätze gehen, die Béranger Saunère vielleicht gehoben haben könnte, sondern um den Schatzfund, den er offenbar tatsächlich im Verlaufe der Umbauarbeiten in seiner kleinen Kirche, in Rennes-le-Château machte.  Kaum ein Autor vergisst die Geschichte dieses an sich ganz bestimmt nicht unbedeutend kleinen Schatzhortes, im Rahmen seiner Arbeit zu erwähnen. Sie gehört gewissermassen zum kleinen Einmaleins der Rennologie, so dass ich mich diesbezüglich kurz fassen kann. Woraus dieser Schatz im einzelnen bestanden hat, wird sich kaum je ermitteln lassen. Goldmünzen, die der Abbé den Zeugen gegenüber als wertlose Medaillen bezeichnete, scheinen einen mengenmässig grossen Anteil ausgemacht zu haben. Vieles spricht für die Vermutung, dass Adelsfamilien aus der Umgebung, in den  Revolutionswirren, vor ihrer Flucht, Wertsachen und möglicherweise auch Dokumente, in einem Hohlraum vor dem Altar versteckt hatten.

Der zweite bezeugte Fund des „Abbé aux milliardes“ ist das Reliquien-Depot, welches beim Abriss des alten Altars zum Vorschein kam. Kleiner Seitensprung zu jener Entdeckung, die damals, während der Kirchenrenovierung, tatsächlich gemacht worden ist und über die Antoine Captier sich oft und ausführlich genug geäußert hat. Der Fund einer Glasphiole durch seinen Großvater, den alten Glöckner von RlC. Auszug aus einem Interview mit Midi Libre, vom 01.Okt.1985:

«Mon grand-père sonnait les cloches et, soi-disant, aurait trouvé une fiole dans un-pilier de l'église, quand il l'a rangé. Et alors il l'a donné au curé. Et après, soi-disant, l'abbé a arrêté les travaux qu'ils étaient en train de faire, et après, c'est sorti, ça, le truc de l'argent.

«Mon père, des fois, il disait : «Peut-être ça aurait été nous, on aurait été riches». S'il lui avait donné au grand-père, ce qu'il_ y avait dans ce parchemin, peut-être, oui, bien sûr.

.«Moi, pour moi, ils ont cru qu'il avait trouvé une tombe avec de l'argent dedans, quoi ! c'est certain que mon grand-père a trouvé quelque chose pour faire ce qu'il a fait, tout là. Mais, je ne crois pas qu'il ait laissé le trésor...

«Moi, je crois pas qu'il ait rien caché. Quand il est mort, il n'y avait plus rien. Moi, j'y crois pas au trésor, parce que quand il est mort, le curé, il avait plus d'argent, et la bonne non plus. S'il y avait eu de l'argent, on l'aurait vu, parce que la bonne était une débrouillarde.

 

Der Großvater fand also, während der Altar ausgewechselt wurde, in einer Säule eine Glasphiole, die er dem Curé übergab. So weit Captier sich erinnern kann, ließ Saunière daraufhin die Arbeiten stoppen und nicht viel später sei ihnen (den Captiers) klargeworden, das der Inhalt jener Phiole die Ursache für Saunis Reichtum gewesen sein könnte. Captier-Enkel und Captier-Vater versuchten sich später immer wieder mal vorzustellen, was wohl geschehen wäre, wenn der Großvater die Phiole behalten hätte, statt sie Sauni auszuhändigen – ob die Captiers dann den Schatz gefunden hätten und steinreich geworden wären?

In anderen Veröffentlichungen äußerte sich Antoine Captier noch detaillierter zu dem Phiolenfund. Da erfährt man, daß aus der Vertiefung, in der die Phiole steckte auch noch kleine Knochenstücke purzelten. Eben dieses Detail macht die Episode noch glaubwürdiger, denn warum hätte jemand einerseits diese Knochen dazuerfinden sollen – auf den Gedanken muß man ja so wie so erst mal kommen – wenn es andererseits völlig den üblichen Gepflogenheiten in den Kirchen entspricht. Darüber belehrt uns jedes Lexikon. Auch bei Wikipedia wird man fündig und von dort übernehme ich ein paar Auszüge, die im Zusammenhang mit dem Phiolenfund außerordentlich aufschlussreich sein können:

Eine Reliquie (lateinisch Überbleibsel) ist ein Gegenstand religiöser Verehrung, besonders ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen.

Aufbewahrung (Reliquiar)

Ursprünglich wurden die Reliquien von Personen, die im Rufe besonderer Heiligkeit und Gottesnähe standen, unter den Altären der ersten christlichen Kirchen beigesetzt. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die bis heute gültige katholische Tradition, bei der Weihe einer neu errichteten Kirche eine Reliquie des jeweiligen Namenspatrons in den Tisch des Hauptaltars einzumauern und in größeren Kirchen verschiedenen Heiligen eigene, mit Reliquien ausgestattete Altäre zu errichten.

Bereits in der Spätantike begann sich unter den Gläubigen eine besondere Verehrung bestimmter Heiligenreliquien zu entwickeln. Um die dadurch gewachsene Bedeutung der Reliquien für die Kirche, in der sie sich befanden, zu unterstreichen, begann man mit der Anfertigung spezieller, meist künstlerisch und materiell sehr kostbar ausgeführter Behältnisse zur Aufbewahrung der Reliquien. Diese Behälter werden zusammenfassend als Reliquiare bezeichnet.

Auch die sprechenden Reliquiare wurden von den Gläubigen bald als unbefriedigend empfunden, weshalb man im Spätmittelalter dazu überging, aufwendig gefasste gläserne Behälter zu schaffen, in denen die eigeschlossenen Reliquien für den Betrachter direkt sichtbar waren. Ein solches Schauglas wird je nach Ausführung als Reliquienmonstranz oder Ostensorium bezeichnet; im Volksmund nennt man kreuzförmige Ostensorien wegen ihrer Verwendung durch den Priester bei Flursegnungen auch Wetterkreuze. Kleine Reliquiensplitter werden seit dem späten Mittelalter von offiziellen kirchlichen Stellen in spezielle verglaste Kapseln von meist ovaler Form eingeschlossen und anschließend versiegelt oder verplombt, um die Echtheit der enthaltenen Reliquie zu dokumentieren und zu verhindern, dass kleine Reliquien verloren gehen können. Eine solche Kapsel wird als Theca bezeichnet; meist befindet sich in ihr neben der Reliquie ein Zettelchen mit erklärender Beschriftung, die sogenannte Cedula.

Es war also üblich Reliquien in den Altartisch einzumauern und so ist es denn auch die natürlichste Sache der Welt, daß Opa Captier beim Abbruch des Altars die dort versteckten Reliquien wiederfand – exactement eine solche Theca, nebst der zugehörigen Cedula, einem Zettel mit erklärender Legende.

Daß Saunière mit dieser Reliquie schnellstens seinen Bischof aufgesucht haben mag, ist dann ebenfalls gut vorstellbar. Aber nicht mit irgendwelchen geheimnisvollen parchemins, mit denen ihn der Bischof dann nach Paris schickte.

Prof.ren. asmodeus

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