Friday, 10. december 2010 5 10 /12 /Dez. /2010 14:34

Auzina Ruine clip 2 kleinDie alten Minen liegen im Wald verborgen und sind selbst dann nicht leicht zu finden, wenn man, wie wir, über eine brauchbare Wegbeschreibung verfügt. Darin besteht zugleich das erhebliche Risiko, dem sich ein unerfahrener Sucher aussetzt. Denn ab dem Moment, in dem er an seinem Ziel ankommt, befindet er sich in akuter Gefahr, inmitten von ungesicherten Schachtanlagen,  die zumeist senkrecht weit in die Tiefe reichen. Und „Tiefe“ sollte hier wörtlich verstanden werden.

 

Als erstes bemerkten wir die starken Mauern einer Ruine. Da standen wir aber auch schon unmittelbar am Rand des ersten Schachtes, des einzigen Loches, das wenigstens – wahrscheinlich von Jägern – markiert worden ist.  Daneben, nicht mehr als drei Meter entfernt, zwei weitere Löcher, direkt vor der Aussenmauer der Ruine. Neben der Ruine, den stattlichen Überresten, eines einstmals gewaltigen Baues, der in einem steilen Abhang ruht, liegt eine respektable Abraumhalde. Diese enormen Gesteinsmassen sind zweifellos erst in jüngerer Zeit aus dem umzäunten Schacht gefördert worden und bezeugen die gewaltige Arbeitsleistung der Schatzgräber. Angesichts diese Abraumhalde darf man bereits davon ausgehen, dass hier gewiss keine Amateure am Werk gewesen sind.

 

Wir umgingen die Ruine, über die Abraumhalde hinabsteigend, und betrachteten uns das Bauwerk von der südlichen, der ehemaligen Vorderfront. Eine Bergerie – so die offizielle Bezeichnung – ist das jedenfalls nicht gewesen. Auf den französischen IGN-Karten, wird praktisch jede Ruine, von der man nichts verlässliches weiss, einfach als bergerie ruiné ausgewiesen – als verfallenes Hirtenhaus. Das mag oft auch zutreffend geraten sein, oft aber auch nicht – wie im konkreten Falle. Hier hausten keine Schaf- oder Ziegenhirten. Wir denken, dass es sich um eine Wehranlage oder um eine Produktionsanlage handelte. Und da diese Ruine von uralten Minen umgeben ist, aus denen schon in der Antike Edelmetall gefördert wurde, liegt der Schluss nahe, dass in diesem Bauwerk einst Erze oder Mineralien aufbereitet worden sind.

 

Auzina Ruine clip 8 kleinInmitten der Ruine entdeckten wir ein weiteres Loch, das sich bei näherer Untersuchung als Grabungsstelle erwies. Vielleicht aber auch, da es erkennbar in den Fels getrieben war, ein verfüllter Schacht sein könnte.

 

Etwa fünf Meter vor der Ruine, von Gebüsch halb verdeckt, gähnte uns die fünfte Öffnung im Boden entgegen. Kreisrund und oben sauber ausgemauert. Dieser Schacht ist, weil er nur etwa sechs Meter tief reicht, am leichtesten zu erforschen – wenn voraussichtlich auch nur bis zur ersten Sohle – von der aus es, wie in allen anderen Minen auch, schon bald weiter senkrecht nach unten geht.

 

Auzina Ruine clip 10 kleinBei unserer jüngsten Visite hatte ich mir diesen Schacht für eine Tiefenerkundung auserkoren. Während ich mir die Ruine und die umliegenden Minen etwas genauer ansah, filmte und fotografierte, hatte sich Manuela auf die Suche nach der Hütte begeben, welche dem Grabungsteam seinerzeit als Unterkunft gedient hatte. Wir erhofften uns von den dort zurück gelassenen Sachen, vor allen Dingen von den Büchern, Zeitschriften oder gar schriftlichen Unterlagen, ein paar Aufschlüsse zu erlangen und wollten natürlich auch die Schachtanlagen, nahe bei dieser Hütte, in Augenschein nehmen.

 

Während ich mich, auf Manuelas Rückkehr wartend, für den Abstieg in den Schacht vorbereitete, vernahm ich Stimmen, aus Richtung von oberhalb der Ruine. Meine Frau war von ihrer Suche zurückgekehrt, zugleich mit ihr waren aber auch zwei Pärchen eingetroffen, die sich, nicht anders als wir, für diesen Ort und seine Geschichte interessierten. 

 

Sie näherten sich uns anfangs sehr zögernd und schienen sichtlich erleichtert, nachdem sie uns erkannt hatten. Uns selber erging es nicht anders. Denn die alten Minen werden immer noch überwacht und neugierige Besucher sind vom Grundeigentümer schon wiederholt mit  dem Gewehr bedroht und vertrieben worden. Insofern hat sich die Situation also, seit dem Abzug des Grabungsteams, nur unwesentlich geändert. Vom Auzina zweite (60) kleinHerbst bis zum Frühjahr könnte eine Begegnung mit dem rabiaten „Wächter“ möglicherweise tatsächlich folgenschwer mit einem „Jagdunfall“ enden. Gegen diese Form der Gewalt hat die Bürgerwehr von Camps aber eigenartigerweise offenbar nichts einzuwenden. Wir hatten dieses mal doppelt Glück, zum einen, weil uns niemand vertreiben wollte und zum anderen, weil sich die Ankömmlinge als Speleokollegen entpuppten, Holländer, die, ebenso wie ich, in die Minen hinunter steigen wollten. Ein ausgesprochener Glücksfall, denn gewisse Bedenken hinsichtlich meiner geplanten Solotour plagten mich nun nicht weiter.

 

Wir trafen ein paar Absprachen über unser gemeinsames Vorgehen und dann seilten wir uns ab, in den Schacht hinter der Ruine.

 

Wie sich herausstellte, ist der eigentliche Schacht relativ kurz. Er mündet in einen natürlichen Felsspalt, der sich ungefähr zehn Meter tief, parallel zur Ruine erstreckt. Hier langten wir gewissermassen auf der ersten Schachtsohle an.

 

Auzina zweite (59) klein Überall, über die gesamte Länge der Spalte verteilt, liegen am Boden Werkzeuge und Materialien durcheinander. Eimer, Hacken, Helme, Kabel, Brecheisen, Strickleitern, Bohrhammer und meterlange Gesteinsbohrer, wie man sie zum Bohren von Sprenglöchern verwendet. In der Minen scheinen also tatsächlich Sprengungen vorgenommen worden zu sein. Vermutlich aber nur gelegentlich, um Hindernisse in der Felsspalte zu beseitigen. Das meiste Material liegt im östlichen Teil der Spalte, hauptsächlich an ihrem Ende, wo ein weiterer senkrechter Schacht schätzungsweise 30m tief nach unten führt.

 

Auzina zweite (50) kleinIn der Felswand, über diesem Schacht ist eine elektrische Seilwinde installiert. Seile, und Elektrokabel hängen in die Tiefe hinab. Licht war bis nach unten gelegt. Die Glühbirnen, in Abständen von ungefähr 3m, an dem Kabel, sind immer noch äusserlich unversehrt und zeugen von dem Aufwand, der hier getrieben worden ist. Der Verbrauch an Glühbirnen muss immens gewesen sein. Mir waren schon oben, im Gelände, die vielen am Boden liegenden Glühlampen aufgefallen.

 

An der Schachtwand lehnt der Rest einer Rutsche, die das Heraufziehen der gefüllten Eimer erleichterte, die sonst oftmals an der Felswand hängen geblieben und umgekippt wären. Im oberen Schacht befindet sich folgerichtig ebenfalls der Rest einer ebensolchen Rutsche.

 

Ausser einer mächtigen wunderschönen Quarzitschicht fielen mir im Bereich der ersten Sohle keine Anzeichen für Mineralien oder Erzvorkommen auf. Tiefer konnten wir in die Mine bei unserem ersten Besuch leider noch nicht vordringen. Wir hatten lediglich nur noch ein zweites 20m Seil zur Verfügung, Auzina zweite (61) kleinwelches vermutlich nicht bis zum Grund des unteren Schachtes, den wir nach Steinwürfen auf ungefähr 30m schätzten, reichte. Überdies fanden wir keine hinreichend sichere Befestigungsmöglichkeit für unser Seil. Das immer noch in den Schacht hängende alte Seil, das wahrscheinlich noch von den Schatzgräbern stammt, ist zwar erstaunlich gut erhalten, aber mindestens unzuverlässig. Das trifft leider auch auf die übrigen alten Halterungen zu. Und so verlockend uns auch die Möglichkeit erschien, unser Seil, in idealer Position, an der Seilwinde zu befestigen, verzichteten wir lieber doch auf einen Versuch, nachdem wir die Bolzen untersucht hatten, mit denen die Winde im Fels verschraubt ist. Die Korrosion ist schon zu weit fortgeschritten. Die Schatzsucher benutzten für den Abstieg vor Ort Strickleitern, die ebenfalls immer noch trügerisch einladend im Schacht hängen. Dass wir lieber auch darauf verzichteten versteht sich von selbst.

 

Doch erst eine Untersuchung der Stelle, an der das Grabungsteam seine Arbeiten einstellte, könnte, wenn überhaupt, Aufschluss über Sinn und Zweck, Erfolg oder Misserfolg, geben. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass hier schwerpunktmässig gearbeitet worden ist, bis zum Endeder ganzen Aktion – nach mehr als fünfzehn Jahren. Was wiederum dafür spricht, dass den Ausgräbern augenscheinlich Erfolg beschieden war.

 

Unsere Rückkehr an die Erdoberfläche verlief ohne Zwischenfälle. Meine Frau war in der Zwischenzeit von ihrer zweiten Erkundungstour zurückgekehrt. Wir legten alle zusammen eine wohlverdiente gemeinsame Pause ein. Dann verabschiedeten sich die die Speleos, nachdem wir uns auf ein paar weitere Exkursionen verabredet hatten.

 

Für uns dagegen, für meine Frau und mich, war dieser Tag noch längst nicht zu Ende. Manuelas zweiter Erkundungsgang war erfolgreich verlaufen und weil uns die Zeit bis zum Hereinbrechen der Dunkelheit noch ausreichend genug erschien, beschlossen wir uns die ehemalige Unterkunft des Grabungsteams und die anderen Minen bei dieser Hütte näher zu betrachten.

 

Auzina zweite (90) kleinGut versteckt im Wald und umgeben von beachtlichen Abraumhalden und Material- und Müllhaufen, macht diese Hütte insgesamt nicht den Eindruck, als sei sie seit zehn Jahren nicht mehr benutzt worden. Doch dieser Eindruck kann natürlich täuschen. Ihre geschützte Lage und die solide Mauerkonstruktion mögen dafür gesorgt haben, dass lediglich das viel weniger stabile Dach im Lauf der Jahre zum Teil eingebrochen ist. Auch hier wirkt alles so, als sei die Hütte urplötzlich von ihren Bewohnern verlassen worden. Der chaotische Anblick, der sich heute bietet, wird sicherlich zu einem beträchtlichen Teil auf die Plünderungen, nach dem Abzug der Ausgräber, zurück zu führen sein.

 

Neben Werkzeugen, Haushaltsgegenständen und sonstigen Utensilien, fanden wir auch die von dem Insider und bei digital culture erwähnten Zeitschriften, Bücher und Broschüren vor, von denen wir uns ja einiges erhofft hatten. Doch hier ist aufgrund der bisherigen Berichte und Veröffentlichungen offensichtlich ein falsches Bild von diesen Hinterlassenschaften und von den Eigentümern gezeichnet worden.  Zitat Insider: „...eine unvorstellbare Menge leerer Bierflaschen, Esoterikzeitschriften, mystische Bücher, ein hebräisch-französisches Lexikon (gemeint ist wohl ein Wörterbuch, Anm. asmodeus) und viele Sachen...“ etc. Oder in dem Artikel bei digital-culture: „Verschiedentlich wird in diesem Zusammenhang  auch kolportiert, dass die Gruppe in Wirklichkeit auf der Suche nach jüdischen Vermächtnissen  ist, die dort in den Bergen verborgen sein sollen. Genannt werden in diesem Zusammenhang auch die Bundeslade sowie die Tora.“ Wie schon gesagt: Die Gerüchteküche... Auf diese Weise musste beinahe zwangsläufig das Zerrbild eines wilden Haufens versoffener und völlig durchgeknallter Esofreaks entstehen. Die Gruppe tat im übrigen das ihrige dazu, um diesen Eindruck zu verstärken.[1]

 

Auzina zweite (84) klein Wir gewannen jedoch ein völlig anderes Bild von den Leuten, die diese Hütte bewohnt und in den alten Minen gearbeitet haben. So entdeckten wir unter den Zeitschriftenstapeln nicht eine einzige Esoterikzeitschrift und nirgendwo in der Hütte ein Buch, das diesem Genre zugeordnet werden könnte. Aber auch sonst keinen Hinweis darauf, dass sich hier jemand mit okkulten Dingen befasst haben sollte. Dafür aber auffallend viele Computermagazine, Body-Building-Hefte, Film/Video-Zeitschriften und eine GEO-Ausgabe von 1980, oder ein EUREKA-Heft (vergleichbar dem deutschen PM-Magazin) und ein dicker Packen Zeitschriften aus dem Bio/Öko-Bereich. Daneben reichlich Zeugnisse von Sprachstudien, denen sich zumindest ein Angehöriger des Teams gewidmet zu haben scheint. Sprachkurse auf Kassette, in Englisch und in Latein, Computertechnik und Elektronik, doch nichts magisch-okkultes.

 

Auzina zweite (93) kleinObjektiv feststellbar ist, dass hier sechs Männer und vier Frauen zäh und ausdauernd über viele Jahre hinweg härteste Knochenarbeit unter Lebensgefahr leisteten, sich isolierten und dabei einfachste Lebensbedingungen in Kauf nahmen. Das Projekt verschlang nicht nur beträchtliche finanzielle Mittel, sondern, was noch viel schwerer wiegt, die vielleicht besten Jahre ihres Lebens. Sollten sie diese Zeit möglicherweise auch als die beste Zeit ihres Lebens betrachten mögen, so zahlten sie alles in allem dennoch einen hohen Preis. Und dass ist ihnen diese Sache offensichtlich wert gewesen.

 

 

Um was für eine Sache könnte es jedoch gegangen sein?

 

Hinweise darauf liess das Grabungsteam glücklicherweise in der Hütte zurück. Der Insider erwähnte denn auch den deutlichsten dieser Hinweise, in seinem Artikel für das DSM: Eine Zeichnung, welche wahrscheinlich das Emblem der Gruppierung darstellt. Und die er dann, seinen Vorurteilen folgend falsch interpretiert, während das digital-culture-team diese wichtige Spur schlicht und einfach übersah, oder, warum auch immer, unerwähnt lässt.[2]  

Auzina cum avallon kleinAllein anhand dieser Zeichnung schlussfolgerte der Insider jedenfalls messerscharf, dass die Crew in den Römerminen nach dem Heiligen Gral suchte – und denselben demzufolge letztlich auch gefunden haben müsste. Eine reichlich kühne Behauptung! Wir dagegen wagen an dieser Stelle zu behaupten, dass die Zeichnung überhaupt nichts mit der Gralsymbolik zu tun hat. Dass der vermeintliche Kelch, ein völlig anderes Ding sein soll und dass das „G“ nicht für „Gral“, sondern für den dritten Buchstaben des hebräischen Alphabet steht – für „Gimel“ – den Namen eines gewissen Vereins. So weit die vordergründige Symbolik, hinter der sich jedoch noch eine weitere, die eigentliche, Bedeutungsebene verbirgt. So, wie dieser obskure Verein „Gimel“, samt seinen skurrilen Statuten, nichts weiter als eine Tarnkappe ist. Was wäre für solche Zwecke auch geeigneter, als die Narrenkappe...? Unsere Behauptung stützen wir keineswegs allein auf diese naheliegende Schlussfolgerung, sondern auf uns vorliegende Informationen, aus den Reihen des ehemaligen Grabungsteams. Auf diesem Wege erfuhren wir überdies, dass die bisher undurchsichtigen Rangeleien zwischen den Schatzgräbern und den Jägern damals darin gipfelten, dass Waffen erst beschlagnahmt und kurz darauf wieder an ihre Eigentümer ausgehändigt wurden tatsächlich „auf Befehl von oben“. Von sehr weit oben sogar, wie wir erfuhren. Auch erscheinen solche Zwischenfälle nun auch, wie eigentlich nicht anders zu erwarten, in einem anderen Licht. So sollen Drohgebärden anfänglich von Jägern ausgegangen sein, was durchaus glaubhaft erscheint, weil das Grabungsteam prinzipiell darum bemüht war kein Aufsehen zu erregen und weil andererseits immer wieder mal Jäger in Gutsherrenmanier auftreten. Bedeutsam an der ganzen Angelegenheit ist die Tatsache, dass die Gruppe unter hervorragender Protektion stand und noch bedeutsamer sind die Personen selbst, welche ihre Hände schützend über diese Gruppe scheinbarer Narren hielt. Damit war uns im Grunde das Geheimnis schon halb enthüllt. Es war zugleich aber auch in schier unermessliche Dimensionen angewachsen. Wir werden zu gegebener Zeit in einer weiteren Folge ausführlicher auf die wirklichen Vorgänge und ihre Hintergründe (genauer ihre Abgründe) eingehen.

 

Auzina erste (17) kleinSowohl digital-culture, als auch dem Insider, zeigen sich des weiteren uninformiert im Bezug auf ein paar andere Merkwürdigkeiten, die an sich jedem auffallen müssten, der sich in dem betreffenden Gelände aufmerksam umsieht. Unsere erste Exkursion zu den Minen drohte, wegen ihrer sehr verborgenen Lage, bereits in Frustration zu enden, als wir, oben, auf der Kuppe des Berges, endlich  an eine grosse Ruine gelangten. Doch so gründlich wir auch die gesamte Umgebung absuchten – wir entdeckten nicht die geringste Spur von einer Mine oder von Maschinen, Material etc. Dafür entdeckten wir etwas anderes: Einen überaus stabilen, mehr als 2m hohen Drahtzaun, in bemerkenswert gutem Zustand. Auf der Innenseite des Zaunes, zuweilen unterbrochen von Stahrohrgittertoren, verlief ein offensichtlich freigehaltener Streifen, der, streckenweise zumindest, mit einer Enduro oder mit einem Quad gut befahrbar wäre. Als Postenweg uneingeschränkt brauchbar. Innerhalb des weiträumig umzäunten Terrains war Hundegebell zu vernehmen. Solch eine Anlage ist für die hiessigen Verhältnisse auf jeden Fall Auzina erste (15) kleinuntypisch. Natürlich trifft man im Wald gelegentlich auf Zäune, doch dann handelt es sich dabei regelmässig um einfache Weidezäune, schlimmstenfalls um alte Stacheldrahtsperren (gerne zum Schutz von Nutzvieh, um Löcher oder Spalten gezogen und dann immer auf engem Raum). Der Zaun, vor dem wir standen, dient erkennbar keinem land- oder forstwirtschaftlichem Zweck.  Wir hielten es für ratsamer, unsere Neugierde im Zaum zu halten. Doch seitdem beschäftigt uns die Frage:

 

Was mag hinter diesem Zaun vor sich gehen...?

 

An den blinden Zufall, der solch eine einschüchternde Anlage hier, so nahe bei den alten Römerminen entstehen liess, mögen wir nicht so recht glauben. Auch deshalb nicht, weil die Ruine den Namen „La Gardiole“ trägt, was so viel bedeutet, wie Wachtposten. Doch was soll an der Stelle früherer Zeit anderes bewacht worden sein, als das Gold aus den Minen?

Und was wird heute dort oben bewacht, bzw. verborgen gehalten?

 

Auzina erste (19) kleinWäre es nicht möglich, dass in dem Berg immer noch gegraben wird? – nach einem Schatz, nach dem Gral, nach Gold oder nach was auch immer. Sind die alten Grabungsstellen möglicherweise deshalb derartig demonstrativ aufgegeben worden, um nur 250m weiter entfernt ungestört weiter graben zu können? War das aufgeregte und unüberhörbare Telefonat in Camps lediglich eine Finte?

 

Dann war sie jedenfalls erfolgreich.

 

asmodeus

 

 

Wird fortgesetzt...



[1] erinnert sei beispielsweise an die Aussagen des Gimel-Präsidenten vor dem Untersuchungsrichter

[2] Da wir uns die Aufgabe gestellt haben, in diesem Blog tiefer zu graben als das üblicherweise der Fall ist, Hintergründe aufzuhellen und mögliche Zusammenhänge herzustellen – kurz, möglichst umfassend zu informieren, statt blosses Gerede und Gerüchte mit ein paar Bilder von irgendwelchen Löchern zu garnieren, spielt es für uns auch eine untergeordnete Rolle, ob Fotos von den alten Römerminen auf irgend einer Webseite schon Wochen eher zu sehen gewesen sind, als in diesem Blog. Solche Fotos waren, wie gesagt, bereits vor mehr als sechs Jahren im DSM zu sehen.

 

von asmodeus - veröffentlicht in: Camps-sur-l'Agly
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
Friday, 3. december 2010 5 03 /12 /Dez. /2010 18:49

Ist der Gral schon entdeckt?

dsm09 - so titelte das „Deutsche Schatzsuchermagazin“ in seiner Ausgabe 09/2004 für einen überaus abenteuerlich aufgemachten Artikel, denn: „Ein Insider aus Südfrankreich hat uns einen geheimnisvollen Bericht übersandt in dem detailliert beschrieben wird, wie eine konspirativ arbeitende Gruppe in den Bergen von Rennes-le-Chateau eine Höhle erforschte. Über ein Jahr wühlten sich die Mitglieder der Gruppe durch den Berg, bis sie eines Nachts plötzlich verschwanden. Was war geschehen? Hinterlassen haben sie Werkzeuge, Unterlagen und Maschinen ....“[1]

 

In jüngster Zeit rückt diese alte Affäre, aus dem Umfeld von Rennes-le-Château, wieder in den Mittelpunkt des Interesses von Rennologen und Schatzsuchern.[2] Worum ging und geht es dabei eigentlich?

 

Bei unserer nachfolgenden kurzen Darstellung des Sachverhaltes stützen wir uns auf den „geheimnisvollen Bericht eines Insiders“, der, zwischenzeitlich offenbar um ein paar ausschmückende Details bereichert, die brauchbarste, weil so gut wie einzige, Quelle zu sein Camp sur l'Agly (2) kleinscheint. So soll sich Mitte der achtziger Jahre eine Gruppe schwer bewaffneter Personen im Wald, nahe bei dem kleinen Dorf Camps-sur-l’Agly nieder gelassen haben. Über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren hinweg entfaltete die Gruppe, deren Zusammensetzung während dieser Zeit mehrfach wechselte, wilde Aktivitäten, rings um ein paar alte römische Minen. Den Einheimischen, aus Camps und aus Cubieres blieb natürlich nicht lange verborgen, was diese martialisch auftretenden Gestalten in den Bergen trieben. Es war ja schliesslich nicht zu überhören... Und zumindest die Jäger mussten spätestens in der ersten Jagdsaison nach Beginn des geheimnisvollen Treibens förmlich über Geräte und Material der Schatzsucher stolpern. Denn nichts anderes, als eine Mannschaft von Schatzsuchern, hatte sich hier offensichtlich Grosses vorgenommen.

 

Weil Jäger von den Schatzsuchern wiederholt  mit Schusswaffen bedroht wurden, erstatteten sie Anzeige. Die Flics rückten im Camp der Schatzjäger an und beschlagnahmten deren Waffen und Munition. (automatische Pistolen, grosskalibrige Revolver und Sturmgewehre). Aber, oh Wunder, Camp sur l'Agly (37) kleinschon am übernächsten Tag sollen alle Waffen wieder an ihre Eigentümer ausgehändigt worden sein. „Befehl von oben... hiess es.“ Die aufwändigen Grabungen gingen weiter. Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen stellte es sich jedoch heraus, dass die zuständige Gemeindeverwaltung keine Grabungsgenehmigung erteilt hatte, ja, dass noch nicht einmal eine Genehmigung beantragt worden war. Der es im Übrigen auch gar nicht bedurfte, weil die Grabungen auf privatem Grund und Boden stattfanden, wie der „Insider“ selbst ausführte. Unter Verweis auf ein neues Auto, welches sich der betreffende Grundeigentümer kurz nach Grabungsbeginn zulegte, schloss der „Insider“ dass der Eigentümer mit den Schatzgräbern im Bunde sei. Was sich jedoch an sich schon aus dem Umstand schliessen lässt, dass die paramilitärische Gruppe wohl kaum fünfzehn Jahre lang, ohne Einverständnis des Eigentümers, auf dessen privaten Grundstück hätte graben können.

 

Die Einwohner von Camps „gewöhnten“ sich mehr oder weniger an die eigenartigen Vorgänge vor ihrer Haustür.  Bis die Namen einiger Mitglieder des Grabungsteams eines Tages auf der Wählerliste für den Gemeinderat von Camps auftauchten. „Nach einer juristischen Protestaktion mehrerer Gemeinderäte, entschied das zuständige Gericht, dass alles in Ordnung wäre? So was gibt es normalerweise nicht! Aber das ist, im Nachhinein gesehen, auch ein Vorteil, wir kennen die Namen.“ Da die Kandidaten aber letztlich offenbar keinen Wahlsieg verzeichnen konnten, legte sich dieser Sturm im Wasserglas bald von selbst. Aber von da an „verschwanden die Waffen, manchmal explodierte im Dunkeln der Nacht ganz tief im Boden Dynamit, bis einer von denen abends, in der einzigen Telefonzelle des Dorfes brüllte:  <Wir haben es gefunden...!> Das war 1999.“

 

Schon kurz darauf war das gesamte Grabungsteam verschwunden. Zurück blieb so ziemlich die gesamte Ausrüstung und Material – und eine gewaltige Masse Müll.[3]

 

Camp sur l'Agly (29) kleinZurück blieben seit dem aber auch Fragen über Fragen. Vor ungefähr drei Jahren fragte beispielsweise ein Bekannter bei uns an, ob wir eventuell Näheres über die damaligen Vorgänge bei den alten römischen Minen wüssten. Wir hatten zwar schon von der mysteriösen Angelegenheit gehört, wussten damals darüber aber auch nicht viel mehr, als dem Artikel im DSM zu entnehmen ist. Doch unser Interesse war geweckt und wir beschlossen der Sache nachzugehen, wenn wir uns vorerst auch nicht allzu viel davon versprachen. Denn ganz egal welcher der unterschiedlichen Versionen, in denen die Geschichte inzwischen kursiert, man den Vorzug geben mag, sie alle laufen darauf hinaus, dass die betreffenden Aktivitäten abrupt endeten. Dass die Ausgräber Material von nicht unerheblichem Wert einfach stehen und liegen liessen und plötzlich, ganz entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten, still und leise, auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

 

Drängt sich hier nicht geradezu der Schluss auf, dass diese Leute erfolgreich gewesen sind, dass sie, nach jahrelanger Schwerstarbeit, fanden, was sie gesucht hatten? Keine andere Erklärung  will so recht überzeugen. Dass  die handvoll wehrfähigen Männer aus Camps,[4] ausgerüstet mit ihren Schrotflinten, einer bis an die Zähne bewaffneten, gut organisierten Gruppe von Abenteurern, derart das Fürchten gelehrt haben sollen, so dass dieselben in panischer Flucht auseinander stoben und nie wieder einen Fuss in die Nähe von Camps zu setzen wagten, wird wohl niemand ernstlich glauben wollen. Und selbst wenn, wären die Dörfler später ganz bestimmt eher froh darüber gewesen, wenn die Schatzgräber endlich ihre Gerätschaften abgeholt hätten. Doch das Zeug liegt heute, rund zwanzig Jahre später, immer noch dort im Wald herum. Bis auf die Rosinen, welche sich die Dörfler, nach eigenem Bekunden, aus dem Kuchen pickten. Könnte also die Episode in der Telefonzelle von Camps tatsächlich alles erklären?

 

Es sieht beinahe so aus. Doch wir wollen an anderer Stelle noch einmal darauf zurück kommen.

 

Camp sur l'Agly (48) kleinWas sich im Verlauf der fünfzehnjährigen Grabungsarbeiten im Wald bei Camps im einzelnen abspielte, ist, wie schon erwähnt, für Neugierige heute hauptsächlich nur noch anhand der Spuren zu eruieren, welche die Schatzsucher hinterliessen. Und diese Spuren sprechen eine deutliche Sprache. Dass daneben die unvermeidliche Gerüchteküche brodelte und noch immer brodelt, sollte uns dabei nicht weiter irritieren. Absonderliche Schauergeschichten  erblickten das Licht der Welt – wie zum Beispiel die, vom „Bauernaufstand“ in Camps-sur-l’Agly.

 

Welch geballte Waffengewalt der kleinen Bürgerwehr möglicherweise entgegen gestanden haben könnte, lässt sich im übrigen anhand eines Vorfalles erahnen, auf den der „Insider“ ausführlich in seinem Artikel eingeht. Weil er da Zusammenhänge zu sehen glaubt.

 

Im Jahr 2004 hoben Gendarmen, im Rahmen einer Razzia, auf dem Lazarc, ein Kriegswaffen-Arsenal aus. Mehr als achtzig Räumlichkeiten sollen damals von den Beamten durchsucht und dann versiegelt worden sein, weil sie als illegale Waffendepots dienten, darunter auch Kriegswaffen (automatische Pistolen, Sturmgewehre, grosskalibrige Revolver und mehrere tausend Schuss Munition). „Der Untersuchungsrichter von Millau untersucht den Ursprung dieses Arsenals und stösst auf eine Gruppe von Freunden und Helfern, die einer mysteriösen esoterischen Association angehören. Sechs Personen werden überführt. Alle sind Mitglieder eines merkwürdigen  eingetragenen Vereins mit der Bezeichnung „Gimel“ – das dem dritten Buchstaben des hebräischen Alphabets entspricht.“

 

Laut dem Vereinsregister, in der Unterpräfektur von Millau, ist dort ein „Semantisches Forschungszentrum Gimel“ seit dem 24. Juni 1995 als Verein eingetragen. Den Statuten des Vereins zufolge beabsichtigten die Mitglieder: Einen Weg psychosomatischer Praktiken durch die allgemeine  Semantik der neurolinguistischen Programmierung zu ebnen... wir suchen nach Spuren, die zu neuen Erklärungen von Phänomen mittels semanto-zetelischer Systeme führen, die auf die Interpretation von scriptularen und sonder-scriptularer Argumentation angewendet werden...  Es handelt sich dabei um extra-universitäre Studien jenes grossen historischen Initiationsgebildes. Merowinger, Westgoten, Templer, Katharer,, mittelalterliche Kabbalisten...[5]

 

Also, wirklich nur ein Haufen völlig durchgeknallter Esofreaks?

 

Fast könnte man die ganze Angelegenheit mit dieser Erklärung abtun. Zumal dann, wenn man den Aussagen des festgenommenen Vereinspräsidenten vor dem Untersuchungsrichter folgt:[6]

 

Richter: „Warum dieses ganze Arsenal?“

Gimel-Präsident: „Das ist eine Frage, die ich mir oft gestellt habe. ...wir haben an Vorträgen teilgenommen, über den Malteser-Orden. Wir waren von einem Mönch fasziniert, der uns über die Apokalypse erzählt hatte. Das machte uns Angst. Wir haben die Waffen gekauft.“

Richter: „Und Gimel?

Gimel-Präsident: „Wir haben einen absolut bescheuerten Verein gegründet. Wir waren seinerzeit seltsam. Wir interessierten uns für alles: Für die Ausserirdischen, für die Katharer, die Westgoten... Gimel symbolisiert das Geheimnis des Universums, den zartesten Teil Gottes. Ich hatte dieses Ding eingerichtet, um zu versuchen, Auskünfte und Informationen zu bekommen.“

Richter: „Ach so! Vielleicht in Zusammenhang mit der Suche eines legendären Schatzes, in Rennes-le-Château?“

Gimel-Präsident: „Ich ziehe es vor, nicht darüber zu sprechen!“

 

„Also doch...! – meinte der Insider zusammenfassend und sah sich in seinen Vorurteilen vollauf bestätigt. Weil: „Andere Quellen erzählen, dass die Verdächtigen echte archäologische Ausgrabungen durchführten, ohne dies zu bestätigen oder zu wissen, ob diese erfolgreich waren. Dessen ungeachtet stimmen die Zeugenaussagen darin überein, dass diese Gruppe sich auf die Suche und Bergung eines Schatzes stützte.

Eigene Recherchen ergeben auch, dass die vier oben genannten Personen (siehe damalige Wählerlisten von Camps-sur-Agly) per Zufall miteinander auf dem Larzac wohnen...[7] und einige 10km weiter, im gleichen Dorf..., z.B. der Präsident des Vereins...“

 

Neben den verschiedenen Indizien, die auf eine Verbindung zwischen dem Grabungsteam und den Vorgängen auf dem Lazarc hinweisen, existiert aber noch eine andere Spur, der wir unbedingt nachgehen wollten. 

 

Wir beschlossen, der Angelegenheit nun endlich auf den Grund gehen. Zuerst einmal widmeten wir uns intensiv der Grabungsstätte.

 

asmodeus

 

wird fortgesetzt...



[1] Zitat: DSM, Ausgabe 09, 2004, http//www.schatzsucher-magazin.de/

[2] siehe dazu: http//rennes.digital-culture.de/content/view/201/2/

[3] „...und viele Sachen, die nicht bekannt sind, weil sie von den Eingeborenen (uns)  geklaut wurden.“ (So im Original)

[4] aktuelle Einwohnerzahl : 60 Personen, laut Mairie von  Camps-sur-l’Agly

[5] Wir versuchen hier lediglich, den völlig verquasten und eigentlich wenig sinnvollen Inhalt ins Deutsche zu übertragen. Dieser komplette Unsinn kann, nach unserer Auffassung, ja wohl kaum ernst gemeint gewesen sein.

[6] In der Fassung des Insiders

[7] wir unterlassen auch an dieser Stelle die Nennung von Orts- und Personennamen und verweisen auf den Artikel im DSM

von asmodeus - veröffentlicht in: Camps-sur-l'Agly
Kommentar hinzufügen - Kommentare (1)ansehen
Saturday, 20. november 2010 6 20 /11 /Nov. /2010 15:53

Eremitage Calamaus 21 kleinNeugierig geworden, versprachen wir uns am ehesten dort ein paar Antworten auf verschiedene unserer Fragen zu finden, wo schon die unglücklichen Albert Foncay Map und Marie-Bernard Brauge gesucht hatten – in den Höhlensystemen der Gorge de Galamus. Unserem Entdeckerdrang stand jedoch von jeher ein ärgerliches Hindernis in Form eines Gittertores entgegen. Die Türe sichert, aus gutem Grund, den Zugang zum Höllenschlund. Man geht auf dem Weg zur Eremitage nahe daran vorbei. Einem neugierigen Blick durch die Gitterstäbe offenbart sich lediglich die kleine Grotte, welche nach hinten hin schnell in eine enge Röhre übergeht. Unspektakulär – und man fragt sich, warum hier solcher Aufwand für das Bisschen Grotte getrieben worden sein mag. Klar, man möchte nach Möglichkeit verhindern, dass unerfahrene, leichtsinnige Touristen oder gar Kinder einen kleinen Abstecher unternehmen. Oder gibt es vielleicht noch andere Gründe? In einem Land, in dem zahllose, auch sehr grosse und überaus gefährliche Höhlen selten so gesichert sind, wie der Höllenschlund, darf man sich zumindest über diese Türe wundern. Doch andererseits ist „La Trou de Cité“ bei Lastours, einer anderen Touristenattraktion im Languedoc, gleichfalls mit einem stabilen Gitter versperrt, obwohl es sich dort, im Vergleich mit dem Höllenmaul, um eine eher „harmlose“ Höhle handelt.

 

Doch wir wollten uns eigentlich weniger die Köpfe darüber zerbrechen, warum die Höhle abgesperrt wurde – wir wollten viel lieber hinein. Gegen Ende Juli dieses Jahres ergab sich endlich die Gelegenheit dazu. Wir begleiteten Gäste bei einem Besuch in der Eremitage, passierten dabei wieder einmal das Objekt der Galamus Grotte (5) kleinBegierde, und stellten zu unserer freudigen Überraschung fest, dass die Tür ihren Zweck nicht mehr erfüllte. Diese möglicherweise einmalige Gelegenheit wollte ich mir, obwohl völlig unvorbereitet und nicht ausgerüstet, auf gar keinen Fall entgehen lassen. Ich schlüpfte kurzentschlossen in die Grotte und dann in die rückwärtige Röhre. Nur eine knapp drei Meter lange, enge Passage und schon tat sich vor mir eine schöne Grotte auf, deren Boden aber etwa drei Meter tief unten lag. Meine winzige Taschenlampe vermochte nicht einmal das Innere der Grotte ausreichend zu beleuchten. Sinnlos und viel zu riskant, weiter hinein zu klettern, obwohl eine Leiter einladend unter dem Einstiegsloch am Fels lehnte. Also kehrte ich um und vereinbarte mit meiner Frau eine Exkursion in diese Höhle zum schnellstmöglichen Zeitpunkt.

 

Gesagt getan – wir kehrten zwei Tage später zurück. Meine Frau sicherte im Zugangsbereich und schon begann unsere erste Exkursion in den Höllenschlund. Dabei gab ich mich keinen Illusionen hin. Nach allem, erste visite 1was wir bis dato über diese Höhle in Erfahrung gebracht hatten, war voraussehbar, dass ich im Alleingang nicht sehr weit vordringen konnte. Doch ich wollte mir wenigstens ein paar erste Eindrücke verschaffen – und die waren atemberaubend.

 

Auf dem Boden der Grotte angelangt, stand ich vor einer etwa brusthohen Felsbank, hinter der es steil weiter in die Tiefe ging. Mit Seilführung kein grosses Problem. Dann stand ich vor einem kurzen Tunnel, der nur in gebückter Haltung passiert werden kann. Er mündete in eine grössere Grotte, in der es weiter tief hinab ging. Meine Stimme erzeugte in dem Raum einen derartigen Hall, wie ich es selten in einer Höhle erlebte. Kein Zweifel, für solch eine Resonanz konnte unmöglich das Volumen in der Grotte sorgen, in der ich angekommen war. Wenige Meter vor mir endete der Boden der Caverne vor einem Abgrund. Ich bewegte mich vorsichtig bis an die Kante vor und versuchte herauszufinden, wie tief es dort hinunter ging. Dabei stellte ich fest, das ich auf einer Felsplatte lag. Der Raum unter mir weitete sich erste visite 4unter mir hinweg. Es  gab also nicht einmal eine Wand, an der ich die ca. 10m hätte hinunterklettern können – bis auf die gegenüber liegende Felswand natürlich. Aber die war von meiner Position aus auch nicht zu erreichen. Doch zum Glück hatten die Speleos hier schon Vorsorge getroffen. Als ich mich weiter umsah, entdeckte ich vier Haken über mir in der Wand. Von hier aus galt es sich also abzuseilen. Ich hätte nun ein weiteres Seil gebraucht und – da machte ich mir nichts vor – einen Sepeleokollegen. 

 

Der war bald gefunden. Peter Ernst hielt sich gerade in der Gegend auf und wir planten ohnehin, wie in den Jahren zuvor, einige gemeinsame Höhlenexkursionen zu unternehmen. Es traf sich also auf das beste, als Peter anfragte, ob ich noch von einer Höhle wüsste, die als weiteres highlight, neben dem von ihm entdeckten Höhlengrab, auf seine neue DVD passen würde. Dem Mann konnte geholfen werden und ich Galamus Grotte (16) kleinwar ebenfalls aus dem Schneider. Wie der Zufall es wollte, hatte er schon von der sagenumwobenen Höhle in der Gorge de Galamus gehört und war sichtlich begeistert, als er erfuhr, dass genau dieser Höllentrip als nächstes auf dem Programm stand. Wir schoben das Unternehmen nicht auf die lange Bank.

 

Bald darauf standen wir bereits auf dem vollgeparkten Parkplatz. Zunächst noch unschlüssig, weil wir lieber kein Aufsehen erregen wollten. Doch wir hätten bis in die späten Abendstunden warten müssen und wären wahrscheinlich selbst dann noch nicht ungesehen bis zum Höhleneingang gelangt. Also beluden wir uns schliesslich kurzentschlossen mit unserer Ausrüstung und schleppten das ganze Zeug, all die verwunderten Blicke einfach ignorierend, bis zum Gittertor, hinter dem wir schleunigst unbeobachtet in den Höllenschlund krochen.

 

Höllmaul m Peter (26) kleinUnser Weg verlief ohne Zwischenfälle bis zu der Stelle, an der ich schon bei meinem ersten Besuch angelangt war. Hier hängten wir unser Seil ein und was sich als die erste kleine Zitterpartie erwies. Die Haken sind so über dem Abgrund gesetzt worden, dass das Seil frei hängt. Ich kletterte also an der feuchten und glatten Wand bis zum äussersten Punkt, während Peter mich am Gurtzeug festhielt, denn das Seil musste vom vordersten Haken her durch alle anderen Haken nach hinten gefädelt werden. Dann war die erste Hürde genommen und nachdem wir uns abgeseilt hatten, fanden wird uns, am Grund angekommen, in einer grossen Halle wieder, die nach zwei Seiten in grosse abschüssige Galerien auslief.

 

Nachdem wir uns in der Halle umgesehen hatten, entschieden wir uns dafür zuerst die nach links verlaufende Galerie weiter zu verfolgen. Es stellte sich schon nach wenigen Metern heraus, dass sie über mehrere Stufen Höllmaul m Peter (25) klein hinweg ziemlich steil in die Tiefe führte. Es war nicht zu übersehen, dass sich die Höhle in diesem Bereich vertikal entwickelt. Der Weg über die Stufen abwärts stellt dabei die gangbarere Möglichkeit dar. Denn bereits am Eingang in diese Galerie, rechter Hand, entdeckten wir eine wunderschöne, aber scheinbar bodenlose  Tropfsteingrotte. Man könnte sich also auch dort in die Tiefe abseilen und würde dann wahrscheinlich wieder in jenem Tunnel anlangen, zu dem sich die Galerie in grösserer Tiefe verengt.

 

Höllmaul m Peter (10) kleinWir wählten den „bequemeren“ Weg. Sahen uns jedoch gezwungen, nunmehr arbeitsteilig vorzugehen. Klettern und filmen schlossen sich in diesem Abschnitt der Höhle aus. Peter war vollauf damit ausgelastet, sich beim Filmen in einer halbwegs stabilen Position zu halten. Also machte ich mich an den Abstieg und fotografierte, wenn ich die Hände frei hatte. So arbeitete ich mich bis zu einer Stelle vor, an der sich der Stollen schliesslich in einen tiefen Schacht verwandelte. Hier kam ich allein nicht weiter. Peter hätte nachrücken müssen, was lediglich einige zusätzliche Arbeit für uns bedeutet hätte. Wir hielten es jedoch für weniger sinnvoll, den Weg in dieser Richtung weiter zu verfolgen – denn nirgendwo, über diesem Abgrund, waren Haken zu entdecken. Folglich hatten Speleos darauf verzichtet, die Höhle nach dieser Seite hin zu erkunden. Sie werden ihre Gründe gehabt haben. Deshalb entschieden wir uns dafür, lieber umzukehren, und über die zweite Galerie weiter zu gehen, statt Zeit und Kräfte an einen vermutlich uninteressanten Abstecher zu vergeuden. Denn der Abstieg, bis zu dieser Stelle, war alles andere als reibungslos, sondern in einem wiederholten Auf und Ab, verlaufen.

 

Die zweite Galerie erstreckt sich zwar ebenfalls stark abschüssig, wenn auch nicht so steil abfallend, wie die erste, ungefähr in Richtung Eremitage, welche sie unterquert. Über eine Strecke von etwa 500m ist sie ohne nennenswerte Hindernisse begehbar. Bei einer Erstbegehung erscheinen ein paar einfache SicherheitsmassHöllmaul m Peter (62) kleinnahmen dennoch angebracht. Wer auf dem immer feuchten und glitschigen Boden ins Rutschen gerät, kommt erst nach einer mehr oder weniger langen unkontrollierbaren Rutschpartie wieder auf die Füsse. Solch ein Ausrutscher kann auch in dieser Galerie in einem der Risse oder Spalten enden, die man auf diesem Weg passiert. Wir entdeckten jedoch keine Verbindung hinauf, in die Eremitage, wie wir gehofft hatten. Trotzdem gehe ich weiterhin davon aus, dass solch eine Verbindung besteht.

 

Im Verlauf unserer Exkursion hatten wir das Zeitgefühl weitgehend verloren und stellten irgendwann fest, dass wir schon ungefähr sechs Stunden lang in der Höhle unterwegs waren. Für den Rückweg mussten noch ausreichend Kraftreserven verfügbar sein. Ausserdem war es kaum noch möglich mit den Kameras brauchbare Aufnahmen zu machen. Zu unserer Verwunderung trübte sich zunehmend die Atmosphäre in der Höhle. Uns war schon zu Beginn, kurz nachdem wir uns abgeseilt hatten, aufgefallen, dass unsere Atemluft ungewöhnlich lange als feiner Dunst sichtbar blieb. Das merkwürdige Verhalten unserer Atemluft erschwerte ja die Kameraarbeit für Peter schon in der Galerie, die wir zuerst untersuchten, erheblich. Und die zunehmende Eintrübung der Luft in der Höhle war selbst gegen Ende unserer Exkursion, noch in der Halle, in die wir uns anfangs abgeseilt hatten, beträchtlich. Ein feiner Nebel schien sich in der gesamten Höhle auszubreiten. Möglicherweise verursacht durch eine Thermalquelle, in grösseren Tiefen, die wir erst noch aufsuchen wollen

 

Ich versuchte mir vorzustellen, was den beiden unglücklichen Abenteurern, im 16.Jh., hier unten begegnet sein mochte. Es kann nicht nur der Nebel allein gewesen sein, der ihnen zum Verhängnis geworden ist.

 

Dämon aus Film 10Wirklichen Dämonen begegneten wir, Gott sei Dank, jedoch nicht. Aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass einigermassen unheimliche Eindrücke dennoch gewonnen werden können. Bei meiner ersten Visite machte ich Videoaufnahmen in der ersten kleinen Grotte, vor dem brusthohen Wall, der den Einstiegsbereich zum Höhleninneren hin abgrenzt und hatte plötzlich eine beängstigend realistische Fratze im Sucher, die sich plastisch auf der gegenüberliegenden Felswand abzeichnete. Wahrscheinlich nur eine Laune der Natur – der man vielleicht irgendwann einmal zu noch etwas mehr Deutlichkeit verholfen hat? Dieser Anblick, im flackernden Licht einer Fackel könnte in alten Zeiten durchaus dämonisch auf Besucher und deren Phantasie gewirkt haben.

 

In dem Zusammenhang sei ein anderes Kuriosum erwähnt, weil es zumindest bezeugt zu sein scheint, was wir bisher jedoch noch nicht nachprüfen konnten. Wie überall, bringt der heutige Massentourismus zwar dringend benötigtes Geld in die Kassen, aber dafür bleiben auch die üblen Begleiterscheinungen nicht aus. Kurz, seit sich in den vergangenen Jahre Fälle von Vandalismus und obskure Zeremonien in der Höhlenkapelle häuften, ist dort eine  Überwachungskamera installiert worden. Die Kamera ist permanent in Betrieb. Mehrmals soll sie während der Nachtstunden rätselhafte Vorgänge in der Kapelle aufgezeichnet haben. Bilder von Geistern...[1]

 

Als wir aus dem Höllenschlund schliesslich erschöpft, aber immerhin unversehrt, wieder ins Freie hinaustraten, hatte sich längst die warme Sommernacht über die Schlucht gesenkt. Im Schein unserer Stirnlampen stiegen wir über den Maultierpfad zum Parkplatz hinauf, wo wir eine längere Rast einlegten.

 

Fragen über Fragen

 

Aufgrund der vielen Eindrücke, die ich im Verlauf meiner Besuche in der Eremitage de Galamus und vor allen Dingen in dem berüchtigten Höllenschlund gewann, kommen mir immer stärkere Zweifel an der Richtigkeit der offiziellen Darstellungen und Erklärungen über diesen Ort. Vor allen Dingen nach den erwähnten Höhlenexkursionen erscheint mir vieles noch widersprüchlicher und fragwürdiger:

 

Welche der Grotten ist die echte, die ursprüngliche Andachtsstätte der Eremiten gewesen?

Was für eine Frage. Kann man doch alles in dem kleinen Führer nachlesen, den es im Kiosk zu kaufen gibt – und in unzähligen anderen Publikationen auch: Die kleinere Grotte, die „Marie-Madeleine-Grotte“ (was denn auch sonst...) soll die ursprüngliche Andachtsstätte sein. Weil dabei oft das kleine Wasserbecken in der Eremitage Calamaus 22 kleinGrotte erwähnt wird, kann kein Zweifel daran bestehen, welche Grotte gemeint ist. Das tut beispielsweise auch André Douzet in seinem interessanten Artikel über die Eremitage
de Galamus. Er beschreibt die Grotte und das Becken und behauptet dann, dass sich hinten, in der Grotte, irgendwo hinter dem Wasserbecken, der Eingang in den Höllenschlund befinden würde. Doch das ist offensichtlich nicht der Fall. Dieser Zugang befindet sich in jener kleinen Grotte, die mit dem Gittertor verschlossen ist. Und in eben dieser Grotte sprechen deutliche Spuren dafür, dass sie intensiv genutzt worden sein muss. Sicherlich über viele Jahrhunderte hinweg müssen tausende Menschen oder vielleicht noch mehr, so, wie wir, durch die enge  Röhre gekrochen sein. Denn das stellte ich schon bei meiner ersten Visite fest – Boden und Wände der Röhre sind an den exponierten Stellen glatt geschliffen, ja regelrecht poliert. Ganz besonders stark an der Kante, über die man sich wälzt, wenn man in die erste kleine Caverne hinunter gelangen will.

Die gleichen Spuren entdeckt man dann wieder in dieser Caverne, auf der Barriere, die diese Caverne gegen die nächstfolgenden, tiefer gelegenen Höhlenabschnitten abgrenzt. Auch diese Felsbank weist polierte Flächen auf – dort, wo man sie übersteigt.

Galamus Grotte (31) kleinAm auffälligsten ist der polierte Felsboden natürlich dort, wo man am wenigsten damit rechnen würde, dass ganze Heerscharen von Menschen diese Stelle passiert haben sollen – an der Kante jener Felsplatte, von der aus wir uns in die Tiefe abgeseilt hatten. Nicht gerade ein bodenloser Abgrund, sondern „nur“ acht oder zehn Meter, die am frei hängenden Seil dennoch erst mal, ob nach unten oder auch nach oben, überwunden werden wollen.

Wie auch immer, die Anzeichen sprechen dafür, dass diese Höhle seit alter Zeit kultischen Zwecken diente. In den oberen Höhlenabschnitten dürften Zeremonien befolgt worden sein, wie wir sie ganz allgemein als sogenannte Durchkriechbräuche kennen. Solche Bräuche waren seit undenklichen Zeiten in ganz Mitteleuropa verbreitet, sie hatten überwiegend volkstümlichen Charakter und haben dort, wo sie fleissig ausgeübt wurden folglich auch deutliche Spuren hinterlassen. In der Gorge de Galamus ist das offenbar der Fall.

Dämon beschr klein Eigenartigerweise fielen uns in den tieferen Abschnitten der Höhle keine weiteren Spuren auf. Allerdings suchten wir auch nicht danach und unsere Aufmerksamkeit galt anderen, eher speleologischen  Aspekten. Einigermassen verwunderlich finden wir es schon, dass Menschen in so grosser Zahl den mühseligen und nicht ungefährlichen Abstieg in diese Höhle unternommen haben. Auch wenn sie wahrscheinlich nicht, wie wir, an einem Seil kletterten. Wir gehen davon aus, dass an den schwierigen Stellen Leitern vorhanden gewesen sind.

Übrigens  ein weiterer Beleg dafür, dass es in dieser Einsiedelei von alters her recht lebhaft zugegangen zu sein scheint.

Neben den volkstümlichen Durchkriechritualen könnte der Höllenschlund aber auch andere Kulte beherbergt haben, ein unterirdisches Initiationsheiligtum gewesen sein, oder auch noch etwas ganz anderes.

  1. Um auf die eingangs gestellte Frage zurück zu kommen, meinen wir guten Grund zu der Annahme zu haben, dass der Höllenschlund früher einmal eine Kulthöhle gewesen ist. Auf den Zugangsbereich, die heute versperrte kleine Grotte und den Kriechgang dürfte das sicherlich zutreffen. Wenn nun aber, wie wir wissen, später, im Zuge der Christianisierung, oft und eifrig die alten heidnischen Kultplätze in christliche Kultstätten umfunktioniert wurden, dann spricht eigentlich nichts gegen den Schluss, dass hier, in der Galamus nach eben diesem Schema verfahren worden ist. Das wäre aber gleichbedeutend damit, dass die heute versperrte Grotte von den ersten Eremiten in eine christliche Kapelle umgewandelt wurde. Die heutige Marienkapelle, mit ihrer Quelle und dem Wasserbecken, dagegen wäre eigentlich eine ideale Wohnhöhle gewesen und wird ursprünglich wohl auch eher diesem Zweck gedient haben.

Wo befindet sich der zweite Zugang in das Höllenmaul?

erste visite 10Wir gehen, wie gesagt, nach wie vor davon aus, dass es ausser dem Zugang, den wir bei unserer Exkursion benutzten, noch einen anderen Eingang in den Höllenschlund geben müsste – möglicherweise auch mehrere Zugänge. Bei einem Durchkriechritual wird ein Lochstein oder eine Felsspalte/röhre üblicherweise von einer Eingangsöffnung zu einem Ausgang hin durchquert. Darin besteht das Ritual, das man sicherlich nicht beginnt, indem man die Passage zuerst einmal - gewissermassen pro forma und wirkungslos – rückwärts bewältigt. Bei einem Lochstein oder einer Felsspalte hätte man das Ritual in dem Fall ja bereits vollzogen. Der Eingang kann und darf nicht zugleich der Ausgang sein. Für ein vergleichbares Ritual, das in einer Höhle vollzogen wurde, galt dieser Grundsatz gleichermassen. Am Ende einer simulierten  Wiedergeburt trat der Kandidat sicherlich auch aus der kleinen Grotte, um die es hier geht, hinaus, in ein neues Leben. Von wo aus trat er aber seine Reise durch die Nacht der Totenwelt in den Tiefen der Berge an?

asmodeus



von asmodeus - veröffentlicht in: Berichte und Materialien
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
Friday, 12. november 2010 5 12 /11 /Nov. /2010 01:42

In zunehmender Zahl verbinden Besucher von Rennes-le-Château ihren Aufenthalt mit einem Abstecher in die Gorge de Galamus, zur Eremitage des Heiligen Antonius. Eine Tour, die ihren ganz speziellen Reiz hat und so ziemlich jedem, der sie einmal unternahm, unvergesslich in Erinnerung bleiben dürfte. Egal, ob man über Bugarach und Cubières, oder über Saint-Paul-de-de-Fenouillède anfährt – egal also, in welcher Galamus klein 1Richtung man die abenteuerliche Passage wählt – sie darf ohne Übertreibung atemberaubend genannt werden. Das „crossing the gorge“ kann zwar das ganze Jahr über praktiziert werden, erlebt aber in den Sommermonaten sichtlich seinen Höhepunkt. Dann verursachen Heerscharen von Touristen auf der engen, in die Felswand gehauenen Strasse grosse Verkehrsprobleme. Deshalb ist man dazu übergegangen, die Durchfahrt mit Ampeln zu regeln, weil unsichere Autofahrer früher täglich mehrmals für Totalblockaden auf der ca. 2km langen Strecke sorgten, auf der es bei Gegenverkehr äusserst knapp zugeht, und auf der Wendemanöver unmöglich sind.

 

 

Angelegt wurde diese Strasse, als Verbindungsweg zwischen dem Département Aude und  dem Département Pyrenées-Orientales, erst 1890. Am Grunde der Schlucht, tief unterhalb der Strasse, bahnt sich der Fluss Agly (Adlerfluss) seit Jahrtausenden seinen Weg, wobei er sich in den sonst selten vorkommenden Tuff-Kalstein regelrecht einsägte. Auf seinem Weg wird der Agly von unzähligen Quellen gespeist, von denen viele in der Gorge de Galamus entspringen. Darunter auch einige Thermalquellen, mit bis zu 28°C Wassertemperatur. Eine besonders ergiebige Quelle (Ausstoss 150 l/s) dient der Wasserversorgung für das nahegelegene St.-Paul. Den spezifischen hydrogeologischen Bedingungen ist es zuzuschreiben, dass die Felsmassive hier besonders viele Hohlräume – Grotten, Spalten, Röhren, Risse, Schluchten und Abgründe aufweisen. Das gesamte Gebiet der Gorge de Galamus ist heute ein Naturschutzgebiet, über dem Habichtadler und Geier ihre Kreise ziehen, an dessen Steilwänden sich Steineichen festkrallen und wo der Garrique mit phönizischem Wacholder und Alpenveilchen durchsetzt ist.

 

Galamus klein 2 Hauptattraktion in der Schlucht ist jedoch die Höhlen-Kapelle des Heiligen Antonius,  mit den zugehörigen Bauten der Eremitage. Eine echte, uralte Einsiedelei. In der, wie alten Urkunden zu entnehmen ist, im 7. Jh., Einsiedler in einigen der Höhlen und Grotten hausten. Doch spricht sehr vieles dafür, dass hier schon in vorchristlicher Zeit ein heiliger Bezirk existierte. Auf dem Felsen gegenüber des Hauptparkplatzes fand man die Überreste eines Oppidum, welches aber ebenso gut auch eine kultische Anlage gewesen sein könnte.

 

 

 

In jüngerer Zeit diente die Einsiedelei denn gar wiederholt auch als Filmkulisse für:

Dai Sijie, „China mein Schmerz“ (1989), und

Roman Polanski, „The Ninth Gate“ (1998).

Steven Spielberg hatte die Eremitage übrigens schon 1977 als Schauplatz für seinen Film “Begegnung der dritten Art” in Erwägung gezogen…

 

 

Eine merkwürdige Einsiedelei

 

Wie lange die kleinere der beiden Grotten schon als Kapelle dient, lässt sich nicht mehr ermitteln. Vermutlich diente sie von Anbeginn diesem Zweck, während die anderen, kleineren Höhlen von den Eremiten behaust wurden.

 

Bis in die Mitte des 15.Jh. hinein liegt die Geschichte der Eremitage beinahe völlig im Dunkel, zumindest soweit es urkundliche Belege betrifft. Über die Zeit davor erzählen verschiedene Legenden. Wie die, über den Troubadour Jehean Cantalauze – Jehean der Sänger. Sein richtiger Name lautete Gadamus und unter diesem Namen war er ebenfalls bekannt. Gadamus könnte sich vom Lateinischen „gaudeamus“ herleiten, im Sinne von „freut euch“. Viel Glück scheint ihm trotz seines Namens jedoch nicht beschieden gewesen zu sein, wenn man der Sage Glauben schenken will. Denn die berichtet von einer Sängerfahrt, die Gadamus gemeinsam mit seinem Freund Gilles Montardel nach dem Château Puylaurens unternahm, wo er sich unsterblich in des Truchsess entzückendes Töchterlein Sylvaine verliebte. Doch auf ihrer weiteren Fahrt, der die beiden Freunde durch den Wald von Fanges führte, gerieten sie in einen Hinterhalt von Räubern, mit denen sie sich einen heftigen aber kurzen Kampf lieferten, in dem Gilles Montardel tödlich getroffen wurde. Sterbend nahm er Gadamus das Versprechen ab, dass der Troubadour nach Jerusalem ziehen würde, um am Grabe Christi für die arme Seele seines erschlagenen Freundes zu beten.

 

Gadamus brachte die Leiche des Freundes zum Château zurück, wo er Sylvaine über seine Pilgerabsichten unterrichtete. Dann gab er ihr das Versprechen, sie nach seiner Heimkehr zu heiraten.

 

Des Troubadours Pilgerfahrt dauerte ein ganzes Jahr. Er löste das dem Freund gegebene Versprechen ein und suchte nach seiner Heimkehr dessen Grab auf, wobei er noch ein weiteres Grab vorfand – das kühle Grab seiner Verlobten, die in der Zwischenzeit als eines von vielen Pestopfern ihr junges Leben verloren hatte. So schwer vom Schicksal geschlagen, beschloss Gadamus sich von der Welt zurück zu ziehen. Er suchte die Einsamkeit und fand sie in Richtung Sonnenaufgang ziehend, an einem wilden, einsamen Ort, an dem er fortan für den Rest seines Lebens eine Höhle bewohnte. Die Stätte trägt von da an seinen Namen – „Galamus“.

 

Warum soll es sich nicht so, oder so ähnlich, zugetragen haben?

 

Belegt ist über einen Abt namens Cazes, dass sich im Jahr 1395 Franziskaner-Mönche in der Eremitage de Galamus etablierten. Wahrscheinlich begannen sie mit dem Bau der Gebäude und dem Glockenturm mit seiner „Bell aux Voeux“ und der anderen Einrichtungen. 1482 räumte das Kapitel St.-Paul den Frnziskanern Wirtschaftsrechte für die Eremitage ein und in den nachfolgenden Jahren, bis 1494, gingen beträchtliche Landschenkungen an die Brüder. Das führte allerdings wiederum bald zu Rivalitäten zwischen den Franziskanern und anderen Klerikern, welche erst 1560 beigelegt wurden. Im Verlauf der französischen Revolution gelangte die Eremitage in den Besitz der Republik und im Jahr 1791 kaufte ein gewisser Mr Pierre Baudet das Anwesen für die Summe von 800 Francs. Obwohl seit der Zeit in Privatbesitz, galt die Eremitage de Galamus noch für lange Zeit das, als was sie von jeher gewesen sein soll – eine Einsiedelei. Die Quellen sind sich jedoch nicht ganz einig darüber, bis wenn der letzte Eremit in der Galamusschlucht gelebt haben soll, bzw. wen man als den letzten wahrhaften Einsiedler gelten lassen möchte.

 

Die einen meinen 1927 sei der letzte Eremit in der Galamus gestorben. Die anderen betrachten Pater Blancarte, der erst 1959 verschied, als den Letzten. Richtig ist, das dieser Pater Blancarte sicherlich sein möglichstes unternahm, um dem Eremitenideal zu entsprechen. Wie weit ihm das eventuell geglückt sein mag, angesichts der Touristen- und Pilgerströme, die sich damals schon dicht in dem kleinen Refugium drängten, mag dahin gestellt bleiben. Doch mit dem Eremitendasein, dass diesen Namen wirklich verdient, kann es schon lange Zeit zuvor nicht allzu weit her gewesen sein. Eine Wallfahrtsstätte könnte die Eremitage schon sehr früh gewesen sein, doch wird das eigentlich erst seit der Zeit geglaubt, in der sie tatsächlich zu einer solchen geworden ist. Im Anschluss an das sogenannte Wunder von 1872, als in der Gegend von St.-Paul eine schreckliche Epidemie ausgebrochen war, die schon 14 Todesopfer im Ort gefordert hatte. Es handelte sich um die sogenannte „Schweifsucht“, eine Form des Gangrän, mit häufiger Todesfolge. Die Leute suchten Schutz beim Heiligen Antonius in der Galamus, woraufhin das Unglück angeblich sofort zu Ende war. Zum Dank und zum Gedenken richtete man anschliessend die zweite Kapelle, in der grösseren Grotte, ein und wählte St.-Antoine als Schutzpatron. In dem besagten Jahr soll auch die mächtige, alte Platane entsprossen sein, welche im Hof in einer Felsspalte wurzelt, wo sie trotz erheblichen Wassermangel seitdem wächst und gedeiht. Die Eremitage, genauer die grössere, die neuzeitliche Höhlenkapelle, avancierte zu einem Wallfahrtsort, der alljährlich am Ostermontag und Pfingstmontag grosse Scharen von Gläubigen anzieht. (einmal für die occitanischen und das andere mal für die katalanischen Wallfahrer)

 

Aber auch andere Umstände lassen uns daran zweifeln, dass die Eremitage eine typische Einsiedelei gewesen sein soll. So fällt bereits auf dem gesamten Weg, der vom heutigen Parkplatz zur Eremitage führt, der von zahllosen Füssen blankpolierte Fels auf. Das kann nur die Folge von Fussgängerverkehr sein, der auch für eine Wallfahrtsstätte ungewöhnlich hoch ist.

 

Die Fachleute sind sich darin einig, dass die Eremitage ganz eindeutig als Wehranlage erbaut worden ist. Sie sprechen von einer typischen Wehrkirche. Nun sind aber Eremiten für gewöhnlich nur ausserordentlich selten mit reger Bautätigkeit auffällig in Erscheinung getreten. Da die Erbauung der gesamten Wehranlage unter Eremitage Calamaus 15 kleinausserordentlich schwierigen Bedingungen stattfand, darf man sicherlich zu Recht annehmen, dass sich die Bautätigkeiten auch über einen entsprechend langen Zeitraum erstreckten und dass die Mönche diese Arbeit nicht eigenhändig verrichteten. Hier müssen unzweifelhaft Spezialisten am Werk gewesen sein. Dafür finden sich denn auch Belege. Ein gewisser Hubert Labaut, eigentlich ein Bergbauexperte, war mit der Bauausführung betraut. Was wiederum die Frage aufwirft, warum „man“ ausgerechnet einen Bergbauspezialisten mit dem Bau beauftragte, obwohl an Baumeistern für den Burgenbau zu der Zeit in Occitanien wohl kaum Mangel bestanden haben kann. Eine Frage, die in anderem Zusammenhang nochmals eindringlicher an uns herantrat. Sicherlich waren auch Leute aus der Umgebung, aus St.-Paul beispielsweise, als Hilfskräfte beschäftigt. Und diese Bauleute kletterten wohl kaum tagtäglich aus weiter Entfernung, auf mühseligen Maultierpfaden, aus dem Tal herauf, zur Baustelle. Sie hielten sich selbstredend während der gesamten Bauzeit bei der Eremitage auf – welche während dessen folglich nur wenig mit einer Eremitage gemeinsam gehabt haben kann.

 

Woher kamen eigentlich die nicht unbeträchtlichen Mittel, die dieser Bau verschlang?

Und wozu überhaupt eine Wehranlage an dieser Stelle?

Der französische Heimatforscher André Douzet fragt sicherlich nicht zu Unrecht, was hier eigentlich bewacht Galamus klein 3 oder beschützt worden ist. Das fragen wir uns auch, um des weiteren darüber nachzudenken, wer in dieser Wehranlage die militärischen Aufgaben übernahm. Eremiten als Wachtposten auf einer Wehrmauer?

Eine, wenn auch zahlenmässig kleine kriegerische Truppe, einträchtig zusammen mit asketischen Einsiedlern, die dort oben gelegentlich einfach verhungerten? – so, wie Pater Pierre Verdier, der sich etwas unterhalb der kleinen Kapelle mit seinen eigenen Händen ein Grab aushob, ehe er 1879 an Hunger starb. Wenn also vor noch gar nicht so langer Zeit in dem Felsennest ein Eremit verhungern musste, um wie viel öfter und leichter mögen dann im Mittelalter Männer dort oben ganz jämmerlich verendet sein? Für Eremiten ja vielleicht durchaus hinnehmbar, ja unter Umständen sogar erstrebenswert – aber für Soldaten?

 

Unser Interesse gilt dagegen vor allen Dingen mehr dem alten, ursprünglichen Heiligtum, der kleineren Kapellengrotte.

 

Geheimnisse einer Kapelle

 

Wir hatten gehört, dass im hinteren Teil der alten Kapelle ein, wenn auch sehr enger, Durchlass existieren würde, der den Zugang zu einer dahinter liegenden Galerie ermöglicht, von der aus man weiter,  in ein grosses Höhlensystem gelangen könnte. Dass hier ein ausgedehntes, weit verzweigtes Labyrinth von mehr Eremitage Calamaus 06 kleinoder weniger zusammenhängenden Röhren, Höhlen und Felsspalten besteht, ist heute längst kein Geheimnis mehr. Der Untergrund wird seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts von Speleos erkundet, ist aber noch längst nicht restlos erforscht. Da unten könnten durchaus noch verschiedene Überraschungen verborgen sein. Und so völlig aus der Luft griffen wir diesen Gedanken ganz bestimmt nicht. Gedacht sei in dem Zusammenhang beispielsweise nur an eine rätselhafte Episode:

 

Im Jahr 1597 unternahm ein gewisser Albert Foncay Map eine Exkursion in das grosse Höhlensystem in der Galamus. In Begleitung des Franziskaners Marie-Bernard Brauge wagte sich der Mann in die Tiefen jener Höhle vorzudringen, die – völlig zu Recht – den Namen „Guelle d’Enfer“ (Höllenmaul) trägt. Was uns zunächst schon einmal deutlich vor Augen führt, dass sich nicht erst seit den fünfziger Jahren Speleos für die Unterwelt in der Gorge de Galamus interessieren und – dass es mit dem weltabgewandten, kontemplativen, entsagungsvollen Eremitendasein in dieser Einsiedelei schon damals seine eigene Bewandtnis gehabt haben muss. Wie dieses Abenteuer im Einzelnen verlief, ist unbekannt geblieben. Es endete jedenfalls sehr unglücklich in einem völligen Desaster. Albert Foncay Map wurde, drei Tage nachdem die beiden Männer zu ihrer Expedition aufgebrochen waren, schwer verletzt und in geistig verwirrten Zustand, bei Bugarach aufgefunden. Er konnte sich an die Ereignisse in der Unterwelt nicht mehr erinnern, verfiel schon bald in einen apathischen Zustand und starb drei Wochen später im Delirium. Wiederholt soll er aber von einem oder mehreren Dämonen geredet haben, denen er in der Höhle begegnet sei. Wahrscheinlich gehen die Geschichten über irgendwelche Monster oder Dämonen, die in den Höhlen der Galamus ihren Sitz haben sollen, hauptsächlich auf die wirren Reden des Albert Foncay Map zurück. Was aus seinem Begleiter, dem Pater Marie-Bernard Brauge wurde, war niemals in Erfahrung zu bringen. Der Mönch blieb verschollen.

 

Wir wissen von diesem Vorfall lediglich aus den Aufzeichnungen eines anderen Mönches, namens Louis Poincet ,der einen handschriftlichen Vermerk (1601) hinterliess. Dem ist zu entnehmen, dass ein Mann mit der Pflege des Verunglückten betraut gewesen ist, der als „P.“ bezeichnet wird, wobei unklar ist, ob es sich bei der Abkürzung um einen Namen oder um einen Titel handelt. Er scheint jedoch über medizinische Kenntnisse verfügt zu haben. Dieser Mann notierte während der letzten drei Wochen, in denen Map noch lebte, alle Worte und Mitteilungen seines Patienten und alle Besonderheiten die ihm auffielen.

 

Auffallend erscheint aber auch das ungewöhnlich starke Interesse, das der Pfleger seinem Patienten widmete. Es sieht ganz so aus, als hätte man seinerzeit alles erdenkliche unternommen, um zu erfahren, was sich in den drei Tagen ereignet hatte, und vielleicht auch, was die beiden Männer in der Höhle zu entdecken hofften.

 

Anscheinend unter dem Eindruck dieses dramatischen Zwischenfalls merkte ein anderer Franziskaner, der Pater Albouys, dazu an, dass man die Felsspalte bei dem zylindrischen Felsblock, durch welche Map und Brauge in die Höhle eingerungen waren, nicht anders, als ein „Maul der Hölle“ nennen könnte. Auf diese Weise mag diese Höhle zu dem Namen gekommen sein, den sie heut noch trägt – Höllenmaul, oder auch Höllenschlund. Und was anderes, als Wahnsinn und Verderben könnte man in der Hölle finden?

 

Doch davon einmal abgesehen interessierten sich die Padres sicherlich auch aus noch völlig anderen Gründen brennend für die Unterwelt. Insbesondere für die, direkt unter ihren Füssen. Könnte das möglicherweise auch eine plausible Erklärung dafür sein, dass ein Experte für Bergbau mit den Bauarbeiten in der Galamus betraut worden ist, und das die Bauwerke lediglich den offensichtlichen, vielleicht nur den kleineren Teil einer viel umfassenderen Anlage bilden, die weit in den Untergrund hinein reicht?

 

Von verschiedenen Rennologen wurden in der Vergangenheit mögliche Verbindungen zwischen Rennes-le-Château und der Eremitage in der Gorge de Galamus gesehen.

 

So waren wir denn doch einigermassen überrascht, als wir schon gleich zu Beginn unserer Recherchen über den Namen  jenes Mannes stolperten, der im Jahr 1791 die Eremitage käuflich erwarb – Pierre Baudet. Wieder so ein merkwürdiger „Zufall“! Wir erinnerten uns an eine Arbeit des deutschen Forschers und Autors Thomas Ritter, in der er die folgenden interessanten Gedanken entwickelte:

 

„Das jüdische Fürstentum von Septimanien bestand formell bis ins hohe Mittelalter, wenn auch Berichte aus dem 13. Jahrhundert nahe legen, dass es sich in dieser Zeit bei dem Nasi nur mehr um einen König ohne Land handelte.[1] In der Zeit nach den verhängnisvollen Kreuzzügen gegen die Katharer und einer flächendeckenden Inquisition sahen sich die Nachkommen des ersten Nasi ebenfalls einer erheblichen Bedrohung ausgesetzt. Sie passten daher ihre Namen den ortsüblichen Gegebenheiten an. Aus dem hebräischen „Nasi Makhir“ wurde ein „Boudat“ oder „Boudiat“ – okzitanisch für „guter Fürst“. Von „Boudat“ bis zu „Boudet“ ist es phonetisch nur ein kleiner Schritt. Möglicherweise entstammte Henri Boudet also der Nachkommenschaft des jüdischen Herrschers von Septimanien. Dazu passt die Tatsache, dass Boudet, und nicht Sauniere, der eigentliche Wiederentdecker des Geheimnisses gewesen ist, wie ich an anderer Stelle bereits ausführte. Einen weiteren Hinweis bietet das Buch des Pfarrers „La vraie Langue Celtique et le Cromleck de Rennes les Baines“, in dem er auch sehr ausführlich auf jüdische Opferrituale eingeht, die an sich mit der „wahren Sprache der Kelten“ nichts zu tun haben.“ (Hvidbjerg, Südjütland, März 2008, Thomas Ritter)[2]

 

Ob ein jüdisches Königreich Septimanien tatsächlich jemals existierte ist umstritten und in dem Zusammenhang auch weniger wichtig. Eine Figur, die den Titel Nasi Makhiri führte, der im historischen Kontext eine bedeutsame Rolle zukommt, scheint es dagegen wirklich gegeben zu haben. Sollte Saunières Amtsbruder in Rennes-le-Bains, der Abbé Henry Boudet, also möglicherweise in ein Geheimnis um die Gorge de Galamus verwickelt gewesen sein?

 

Solchen vermeintlichen Spuren wollten wir jedoch vorerst nicht nachgehen, als wir uns intensiver mit der Einsiedelei befassten. Sollten sich später, im Verlauf unserer eigenen Recherchen, tatsächlich eindeutigere Bezüge in der Richtung ergeben, wollten wir das gerne berücksichtigen.

 

asmodeus

 

wird fortgesetzt

 



[1] Karl der Große entsandte 797 einen Juden aus Narbonne namens Isaak in diplomatischer Mission zum Kalifen nach Bagdad. Isaak kehrte 802 wieder in die Heimat zurück und brachte unter anderem einen Elefanten als Freundschaftgeschenk mit. In seiner Begleitung befand sich auch ein Rabbi Makhir der sich in Narbonne niederließ und dort in eine wohlhabende Familie einheiratete.
Rabbi Makhir gründete bald eine jüdische Schule, in Vorbild ähnlicher Schulen in Babylon, woher er stammte, in denen die Traditionen und Brauchtümer seines Volkes bewart wurden. Karl der Große unterstützte diese Schule und schenkte dem Rabbi dafür ein größeres Grundstück in Narbonne wo die Schule errichtet wurde und entband diese Schule von jeglichen Zahlungen an Steuern und Tributen. Bei der jüdischen Gemeinde Narbonnes setzte sich so die Auffassung durch nur dem Kaiser allein und keinem anderen Herren untertan zu sein weshalb sie ihre Schule als eine Art eigenständiges Königreich mit Rabbi Makhir an dessen Spitze betrachteten. In der Familie des Rabbis soll daher die Titulierung "Fürst der Exilanten" (prince de l'exil) weitergereicht worden sein.

[2] Bei Haim Hillel Ben Sasson finde ich folgendes: "Etwa [...] um das Jahr 1000 begegnen wir einer jüdischen Familie, die eine Art Erbecht auf die Führung sämtlicher Geschäfte der Hegemonie Narbonne hatte (das hier gebrauchte mittelalterlich-hebräische Wort bedeutet soviel wie 'Bischofsdiözese' oder auch 'Fürstentum'). Der Vater, seine Brüder und sein Sohn übten alle diese administrative Tätigkeit aus, wozu die Erledigung aller Angelegenheiten des Hegemon sowie der Einkauf seines Bedarfs gehörten. Handelsgeschäfte anderer mit dem Hegemon wurden ebenfalls über diese Familie abgewickelt, denn ein Teil ihres Verdienstes bestand in den Gebühren, die sie den Leuten für die Tätigung ihrer Geschäfte auferlegten." Wir müssen uns das wohl als so eine Art Maklergebühren vorstellen.
Als Quellenangabe gibt H. H. Ben Sasson Responsen früher Geonim, Berlin 1848 von D. Cassel an, darin Dokument 140.

 

von asmodeus - veröffentlicht in: Berichte und Materialien
Kommentar hinzufügen - Kommentare (1)ansehen
Friday, 15. october 2010 5 15 /10 /Okt. /2010 02:27

Nach achttägiger fieberhafter Suche ist der bekannte Speleologe, Eric Establie, am 11. Oktober, in einer Höhle, im Département Ardèche von zwei britischen Höhlentauchern tot aufgefunden worden.

Noch am Samtag (09.0kt.) schöpfte die  Rettungsmannschaft neue Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang, als sie Klopfzeichen hinter einer Felswand zu vernehmen glaubten. Doch wahrscheinlich wurden diese Geräusche von einem weiteren Steinschlag verursacht, wie er vermutlich auch dem 45 jährigen Eric Establie zum Verhängnis geworden ist. Etwa 70m hinter einem Geröllfeld, welches sich 780m tief im Inneren der Grotte de la Dragonnière befindet (Gorges  de l'Ardèche), verunglückte der bekannte französische Höhlentaucher. Der genaue Unfallhergang ist bisher noch nicht geklärt.

Das deutsche Team der Höhlenrettung Baden-Würtemberg (Tübingen), war seit Montagnachmittag leider vergeblich für einen Rettungseinsatz in der Gorge d'Ardèche in Bereitschaft versetzt worden. Denn: "Ein Einsatz der deutschen Helfer würde voraussichtlich dann notwendig, wenn der Vermisste lebend gefunden und über eine längere Zeit in der Höhle versorgt werden müsste", erläuterte der Koordinator des Tübinger Teams.

Eric Establie galt als einer der besten Höhlentaucher weltweit. Er arbeietete als scaphandrier und leitete eine Gesellschaft für See- und Unterwasserarbeiten in Cannes.

 

asmodeus

 

 

ausführlicher:

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.verschollen-franzosen-bangen-um-hoehlentaucher.78bcb32a-17dc-4fdc-928f-875363e51585.html

 

 

Agenturmeldung vom 11. 10. 2010 

 

Paris (sda/dpa) Seit gut einer Woche ist in Südostfrankreich ein
Höhlentaucher verschüttet, aber es gibt noch Hoffnung: Am Montag
wollten Taucher den Franzosen erreichen, der etwa 200 Meter unter
der Erdoberfläche in einem Tunnelsystem gefangen ist, in dem
teilweise Wasser läuft.

Dazu müssten sich die Retter einen Weg durch das Geröll bahnen,
das den Tunnel mehrere hundert Meter vom Eingang entfernt versperrt,
berichtete die Zeitung «Le Parisien». Das Unglück ereignete sich in
der Grotte de la Dragonnière in der Ardèche-Schlucht.

Am Wochenende hatten die Rettungshelfer erstmals Klopfzeichen des
45-jährigen Verschütteten gehört. Die Helfer hoffen, dass der
erfahrene Höhlentaucher einen Ort gefunden hat, wo der Tunnel breit
genug ist, dass er sich im Trockenen aufhalten kann und genügend
Sauerstoff bekommt.

Zwei Schweizer Taucher hatten am Wochenende wasserdichte Behälter
mit einem Mobiltelefon, Lebensmitteln und Nachrichten seiner Familie
in dem Tunnel zurückgelassen. Die Helfer versuchen zudem, sich von
dragonniere%20coupeder Erdoberfläche aus zu dem Tunnel in etwa 200 Metern Tiefe
hinunterzugraben.

Der Höhlentaucher Eric Establie aus Nizza ist seit Sonntag
vorvergangener Woche in einer Höhle gefangen, die er kartographieren
wollte. Ein Erdrutsch versperrt ihm den Rückweg. Establie ist
Profitaucher und hat selber an mehreren Rettungsaktionen
teilgenommen.

 

 


von asmodeus - veröffentlicht in: News
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
Erstellen Sie einen Blog auf OverBlog - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden - Impressum - Artikel mit den meisten Kommentaren