Die alten Minen liegen im Wald verborgen und sind
selbst dann nicht leicht zu finden, wenn man, wie wir, über eine brauchbare Wegbeschreibung verfügt. Darin besteht zugleich das erhebliche Risiko, dem sich ein unerfahrener Sucher aussetzt. Denn
ab dem Moment, in dem er an seinem Ziel ankommt, befindet er sich in akuter Gefahr, inmitten von ungesicherten Schachtanlagen, die zumeist senkrecht
weit in die Tiefe reichen. Und „Tiefe“ sollte hier wörtlich verstanden werden.
Als erstes bemerkten wir die starken Mauern einer Ruine. Da standen wir aber auch schon unmittelbar am Rand des ersten Schachtes, des einzigen Loches, das wenigstens – wahrscheinlich von Jägern – markiert worden ist. Daneben, nicht mehr als drei Meter entfernt, zwei weitere Löcher, direkt vor der Aussenmauer der Ruine. Neben der Ruine, den stattlichen Überresten, eines einstmals gewaltigen Baues, der in einem steilen Abhang ruht, liegt eine respektable Abraumhalde. Diese enormen Gesteinsmassen sind zweifellos erst in jüngerer Zeit aus dem umzäunten Schacht gefördert worden und bezeugen die gewaltige Arbeitsleistung der Schatzgräber. Angesichts diese Abraumhalde darf man bereits davon ausgehen, dass hier gewiss keine Amateure am Werk gewesen sind.
Wir umgingen die Ruine, über die Abraumhalde hinabsteigend, und betrachteten uns das Bauwerk von der südlichen, der ehemaligen Vorderfront. Eine Bergerie – so die offizielle Bezeichnung – ist das jedenfalls nicht gewesen. Auf den französischen IGN-Karten, wird praktisch jede Ruine, von der man nichts verlässliches weiss, einfach als bergerie ruiné ausgewiesen – als verfallenes Hirtenhaus. Das mag oft auch zutreffend geraten sein, oft aber auch nicht – wie im konkreten Falle. Hier hausten keine Schaf- oder Ziegenhirten. Wir denken, dass es sich um eine Wehranlage oder um eine Produktionsanlage handelte. Und da diese Ruine von uralten Minen umgeben ist, aus denen schon in der Antike Edelmetall gefördert wurde, liegt der Schluss nahe, dass in diesem Bauwerk einst Erze oder Mineralien aufbereitet worden sind.
Inmitten der Ruine entdeckten wir ein weiteres
Loch, das sich bei näherer Untersuchung als Grabungsstelle erwies. Vielleicht aber auch, da es erkennbar in den Fels getrieben war, ein verfüllter Schacht sein könnte.
Etwa fünf Meter vor der Ruine, von Gebüsch halb verdeckt, gähnte uns die fünfte Öffnung im Boden entgegen. Kreisrund und oben sauber ausgemauert. Dieser Schacht ist, weil er nur etwa sechs Meter tief reicht, am leichtesten zu erforschen – wenn voraussichtlich auch nur bis zur ersten Sohle – von der aus es, wie in allen anderen Minen auch, schon bald weiter senkrecht nach unten geht.
Bei unserer jüngsten Visite hatte ich mir
diesen Schacht für eine Tiefenerkundung auserkoren. Während ich mir die Ruine und die umliegenden Minen etwas genauer ansah, filmte und fotografierte, hatte sich Manuela auf die Suche nach der
Hütte begeben, welche dem Grabungsteam seinerzeit als Unterkunft gedient hatte. Wir erhofften uns von den dort zurück gelassenen Sachen, vor allen Dingen von den Büchern, Zeitschriften oder gar
schriftlichen Unterlagen, ein paar Aufschlüsse zu erlangen und wollten natürlich auch die Schachtanlagen, nahe bei dieser Hütte, in Augenschein nehmen.
Während ich mich, auf Manuelas Rückkehr wartend, für den Abstieg in den Schacht vorbereitete, vernahm ich Stimmen, aus Richtung von oberhalb der Ruine. Meine Frau war von ihrer Suche zurückgekehrt, zugleich mit ihr waren aber auch zwei Pärchen eingetroffen, die sich, nicht anders als wir, für diesen Ort und seine Geschichte interessierten.
Sie näherten sich uns anfangs sehr zögernd und schienen sichtlich
erleichtert, nachdem sie uns erkannt hatten. Uns selber erging es nicht anders. Denn die alten Minen werden immer noch überwacht und neugierige Besucher sind vom Grundeigentümer schon wiederholt
mit dem Gewehr bedroht und vertrieben worden. Insofern hat sich die Situation also, seit dem Abzug des Grabungsteams, nur unwesentlich geändert. Vom
Herbst bis zum Frühjahr könnte
eine Begegnung mit dem rabiaten „Wächter“ möglicherweise tatsächlich folgenschwer mit einem „Jagdunfall“ enden. Gegen diese Form der Gewalt hat die Bürgerwehr von Camps aber eigenartigerweise
offenbar nichts einzuwenden. Wir hatten dieses mal doppelt Glück, zum einen, weil uns niemand vertreiben wollte und zum anderen, weil sich die Ankömmlinge als Speleokollegen entpuppten,
Holländer, die, ebenso wie ich, in die Minen hinunter steigen wollten. Ein ausgesprochener Glücksfall, denn gewisse Bedenken hinsichtlich meiner geplanten Solotour plagten mich nun nicht
weiter.
Wir trafen ein paar Absprachen über unser gemeinsames Vorgehen und dann seilten wir uns ab, in den Schacht hinter der Ruine.
Wie sich herausstellte, ist der eigentliche Schacht relativ kurz. Er mündet in einen natürlichen Felsspalt, der sich ungefähr zehn Meter tief, parallel zur Ruine erstreckt. Hier langten wir gewissermassen auf der ersten Schachtsohle an.
Überall, über die gesamte Länge der Spalte
verteilt, liegen am Boden Werkzeuge und Materialien durcheinander. Eimer, Hacken, Helme, Kabel, Brecheisen, Strickleitern, Bohrhammer und meterlange Gesteinsbohrer, wie man sie zum
Bohren von
Sprenglöchern verwendet. In der Minen scheinen also tatsächlich Sprengungen vorgenommen worden zu sein. Vermutlich aber nur gelegentlich, um Hindernisse in der Felsspalte zu beseitigen. Das
meiste Material liegt im östlichen Teil der Spalte, hauptsächlich an ihrem Ende, wo ein weiterer senkrechter Schacht schätzungsweise 30m tief nach unten führt.
In der Felswand, über diesem Schacht ist eine
elektrische Seilwinde installiert. Seile, und Elektrokabel hängen in die Tiefe hinab. Licht war bis nach unten gelegt. Die Glühbirnen, in Abständen von ungefähr 3m, an dem Kabel, sind immer noch
äusserlich unversehrt und zeugen von dem Aufwand, der hier getrieben worden ist. Der Verbrauch an Glühbirnen muss immens gewesen sein. Mir waren schon oben, im Gelände, die vielen am Boden
liegenden Glühlampen aufgefallen.
An der Schachtwand lehnt der Rest einer Rutsche, die das Heraufziehen der gefüllten Eimer erleichterte, die sonst oftmals an der Felswand hängen geblieben und umgekippt wären. Im oberen Schacht befindet sich folgerichtig ebenfalls der Rest einer ebensolchen Rutsche.
Ausser einer mächtigen wunderschönen Quarzitschicht fielen mir im
Bereich der ersten Sohle keine Anzeichen für Mineralien oder Erzvorkommen auf. Tiefer konnten wir in die Mine bei unserem ersten Besuch leider noch nicht vordringen. Wir hatten lediglich nur noch
ein zweites 20m Seil zur Verfügung,
welches vermutlich nicht bis zum Grund des unteren Schachtes, den wir nach Steinwürfen auf ungefähr 30m schätzten, reichte. Überdies fanden wir keine hinreichend sichere
Befestigungsmöglichkeit für unser Seil. Das immer noch in den Schacht hängende alte Seil, das wahrscheinlich noch von den Schatzgräbern stammt, ist zwar erstaunlich gut erhalten, aber mindestens
unzuverlässig. Das trifft leider auch auf die übrigen alten Halterungen zu. Und so verlockend uns auch die Möglichkeit erschien, unser Seil, in idealer Position, an der Seilwinde zu befestigen,
verzichteten wir lieber doch auf einen Versuch, nachdem wir die Bolzen untersucht hatten, mit denen die Winde im Fels verschraubt ist. Die Korrosion ist schon zu weit fortgeschritten. Die
Schatzsucher benutzten für den Abstieg vor Ort Strickleitern, die ebenfalls immer noch trügerisch einladend im Schacht hängen. Dass wir lieber auch darauf verzichteten versteht sich von
selbst.
Doch erst eine Untersuchung der Stelle, an der das Grabungsteam seine Arbeiten einstellte, könnte, wenn überhaupt, Aufschluss über Sinn und Zweck, Erfolg oder Misserfolg, geben. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass hier schwerpunktmässig gearbeitet worden ist, bis zum Endeder ganzen Aktion – nach mehr als fünfzehn Jahren. Was wiederum dafür spricht, dass den Ausgräbern augenscheinlich Erfolg beschieden war.
Unsere Rückkehr an die Erdoberfläche verlief ohne Zwischenfälle. Meine Frau war in der Zwischenzeit von ihrer zweiten Erkundungstour zurückgekehrt. Wir legten alle zusammen eine wohlverdiente gemeinsame Pause ein. Dann verabschiedeten sich die die Speleos, nachdem wir uns auf ein paar weitere Exkursionen verabredet hatten.
Für uns dagegen, für meine Frau und mich, war dieser Tag noch längst nicht zu Ende. Manuelas zweiter Erkundungsgang war erfolgreich verlaufen und weil uns die Zeit bis zum Hereinbrechen der Dunkelheit noch ausreichend genug erschien, beschlossen wir uns die ehemalige Unterkunft des Grabungsteams und die anderen Minen bei dieser Hütte näher zu betrachten.
Gut versteckt im Wald und umgeben von beachtlichen
Abraumhalden und Material- und Müllhaufen, macht diese Hütte insgesamt nicht den Eindruck, als sei sie seit zehn Jahren nicht mehr benutzt worden. Doch dieser Eindruck kann natürlich täuschen.
Ihre geschützte Lage und die solide Mauerkonstruktion mögen dafür gesorgt haben, dass lediglich das viel weniger stabile Dach im Lauf der Jahre zum Teil eingebrochen ist. Auch hier wirkt alles
so, als sei die Hütte urplötzlich von ihren Bewohnern verlassen worden. Der chaotische Anblick, der sich heute bietet, wird sicherlich zu einem beträchtlichen Teil auf die Plünderungen, nach dem
Abzug der Ausgräber, zurück zu führen sein.
Neben Werkzeugen, Haushaltsgegenständen und sonstigen Utensilien, fanden wir auch die von dem Insider und bei digital culture erwähnten Zeitschriften, Bücher und Broschüren vor, von denen wir uns ja einiges erhofft hatten. Doch hier ist aufgrund der bisherigen Berichte und Veröffentlichungen offensichtlich ein falsches Bild von diesen Hinterlassenschaften und von den Eigentümern gezeichnet worden. Zitat Insider: „...eine unvorstellbare Menge leerer Bierflaschen, Esoterikzeitschriften, mystische Bücher, ein hebräisch-französisches Lexikon (gemeint ist wohl ein Wörterbuch, Anm. asmodeus) und viele Sachen...“ etc. Oder in dem Artikel bei digital-culture: „Verschiedentlich wird in diesem Zusammenhang auch kolportiert, dass die Gruppe in Wirklichkeit auf der Suche nach jüdischen Vermächtnissen ist, die dort in den Bergen verborgen sein sollen. Genannt werden in diesem Zusammenhang auch die Bundeslade sowie die Tora.“ Wie schon gesagt: Die Gerüchteküche... Auf diese Weise musste beinahe zwangsläufig das Zerrbild eines wilden Haufens versoffener und völlig durchgeknallter Esofreaks entstehen. Die Gruppe tat im übrigen das ihrige dazu, um diesen Eindruck zu verstärken.[1]
Wir gewannen jedoch ein völlig anderes Bild von den Leuten, die diese Hütte bewohnt und in den alten
Minen gearbeitet haben. So entdeckten wir unter den Zeitschriftenstapeln nicht eine einzige Esoterikzeitschrift und nirgendwo in der Hütte ein Buch, das diesem Genre zugeordnet werden könnte.
Aber auch sonst keinen Hinweis darauf, dass sich hier jemand mit okkulten Dingen befasst haben sollte. Dafür aber auffallend viele Computermagazine, Body-Building-Hefte, Film/Video-Zeitschriften
und eine GEO-Ausgabe von 1980, oder ein EUREKA-Heft (vergleichbar dem deutschen PM-Magazin) und ein dicker Packen Zeitschriften aus dem Bio/Öko-Bereich. Daneben reichlich Zeugnisse von
Sprachstudien, denen sich zumindest ein Angehöriger des Teams gewidmet zu haben scheint. Sprachkurse auf Kassette, in Englisch und in Latein, Computertechnik und Elektronik, doch nichts
magisch-okkultes.
Objektiv feststellbar ist, dass hier sechs Männer
und vier Frauen zäh und ausdauernd über viele Jahre hinweg härteste Knochenarbeit unter Lebensgefahr leisteten, sich isolierten und dabei einfachste Lebensbedingungen in Kauf nahmen. Das Projekt
verschlang nicht nur beträchtliche finanzielle Mittel, sondern, was noch viel schwerer wiegt, die vielleicht besten Jahre ihres Lebens. Sollten sie diese Zeit möglicherweise auch als die beste
Zeit ihres Lebens betrachten mögen, so zahlten sie alles in allem dennoch einen hohen Preis. Und dass ist ihnen diese Sache offensichtlich wert gewesen.
Um was für eine Sache könnte es jedoch gegangen sein?
Hinweise darauf liess das Grabungsteam glücklicherweise in der Hütte zurück. Der Insider erwähnte denn auch den deutlichsten dieser Hinweise, in seinem Artikel für das DSM: Eine Zeichnung, welche wahrscheinlich das Emblem der Gruppierung darstellt. Und die er dann, seinen Vorurteilen folgend falsch interpretiert, während das digital-culture-team diese wichtige Spur schlicht und einfach übersah, oder, warum auch immer, unerwähnt lässt.[2]
Allein anhand dieser Zeichnung schlussfolgerte der
Insider jedenfalls messerscharf, dass die Crew in den Römerminen nach dem Heiligen Gral suchte – und denselben demzufolge letztlich auch gefunden haben müsste. Eine reichlich kühne Behauptung!
Wir dagegen wagen an dieser Stelle zu behaupten, dass die Zeichnung überhaupt nichts mit der Gralsymbolik zu tun hat. Dass der vermeintliche Kelch, ein völlig anderes Ding sein soll und dass das
„G“ nicht für „Gral“, sondern für den dritten Buchstaben des hebräischen Alphabet steht – für „Gimel“ – den Namen eines gewissen Vereins. So weit die vordergründige Symbolik, hinter der sich
jedoch noch eine weitere, die eigentliche, Bedeutungsebene verbirgt. So, wie dieser obskure Verein „Gimel“, samt seinen skurrilen Statuten, nichts weiter als eine Tarnkappe ist. Was wäre für
solche Zwecke auch geeigneter, als die Narrenkappe...? Unsere Behauptung stützen wir keineswegs allein auf diese naheliegende Schlussfolgerung, sondern auf uns vorliegende Informationen, aus den
Reihen des ehemaligen Grabungsteams. Auf diesem Wege erfuhren wir überdies, dass die bisher undurchsichtigen Rangeleien zwischen den Schatzgräbern und den Jägern damals darin gipfelten, dass
Waffen erst beschlagnahmt und kurz darauf wieder an ihre Eigentümer ausgehändigt wurden tatsächlich „auf Befehl von oben“. Von sehr weit oben sogar, wie wir erfuhren. Auch erscheinen solche
Zwischenfälle nun auch, wie eigentlich nicht anders zu erwarten, in einem anderen Licht. So sollen Drohgebärden anfänglich von Jägern ausgegangen sein, was durchaus glaubhaft erscheint, weil das
Grabungsteam prinzipiell darum bemüht war kein Aufsehen zu erregen und weil andererseits immer wieder mal Jäger in Gutsherrenmanier auftreten. Bedeutsam an der ganzen Angelegenheit ist die
Tatsache, dass die Gruppe unter hervorragender Protektion stand und noch bedeutsamer sind die Personen selbst, welche ihre Hände schützend über diese Gruppe scheinbarer Narren hielt. Damit war
uns im Grunde das Geheimnis schon halb enthüllt. Es war zugleich aber auch in schier unermessliche Dimensionen angewachsen. Wir werden zu gegebener Zeit in einer weiteren Folge ausführlicher auf
die wirklichen Vorgänge und ihre Hintergründe (genauer ihre Abgründe) eingehen.
Sowohl digital-culture, als auch dem Insider, zeigen
sich des weiteren uninformiert im Bezug auf ein paar andere Merkwürdigkeiten, die an sich jedem auffallen müssten, der sich in dem betreffenden Gelände aufmerksam umsieht. Unsere erste Exkursion
zu den Minen drohte, wegen ihrer sehr verborgenen Lage, bereits in Frustration zu enden, als wir, oben, auf der Kuppe des Berges, endlich an eine
grosse Ruine gelangten. Doch so gründlich wir auch die gesamte Umgebung absuchten – wir entdeckten nicht die geringste Spur von einer Mine oder von Maschinen, Material etc. Dafür entdeckten wir
etwas anderes: Einen überaus stabilen, mehr als 2m hohen Drahtzaun, in bemerkenswert gutem Zustand. Auf der Innenseite des Zaunes, zuweilen unterbrochen von Stahrohrgittertoren, verlief ein
offensichtlich freigehaltener Streifen, der, streckenweise zumindest, mit einer Enduro oder mit einem Quad gut befahrbar wäre. Als Postenweg uneingeschränkt brauchbar. Innerhalb des weiträumig
umzäunten Terrains war Hundegebell zu vernehmen. Solch eine Anlage ist für die hiessigen Verhältnisse auf jeden Fall
untypisch. Natürlich trifft man im Wald gelegentlich
auf Zäune, doch dann handelt es sich dabei regelmässig um einfache Weidezäune, schlimmstenfalls um alte Stacheldrahtsperren (gerne zum Schutz von Nutzvieh, um Löcher oder Spalten gezogen und dann
immer auf engem Raum). Der Zaun, vor dem wir standen, dient erkennbar keinem land- oder forstwirtschaftlichem Zweck. Wir hielten es für ratsamer,
unsere Neugierde im Zaum zu halten. Doch seitdem beschäftigt uns die Frage:
Was mag hinter diesem Zaun vor sich gehen...?
An den blinden Zufall, der solch eine einschüchternde Anlage hier, so nahe bei den alten Römerminen entstehen liess, mögen wir nicht so recht glauben. Auch deshalb nicht, weil die Ruine den Namen „La Gardiole“ trägt, was so viel bedeutet, wie Wachtposten. Doch was soll an der Stelle früherer Zeit anderes bewacht worden sein, als das Gold aus den Minen?
Und was wird heute dort oben bewacht, bzw. verborgen gehalten?
Wäre es nicht möglich, dass in dem Berg immer noch
gegraben wird? – nach einem Schatz, nach dem Gral, nach Gold oder nach was auch immer. Sind die alten Grabungsstellen möglicherweise deshalb derartig demonstrativ aufgegeben worden, um nur 250m
weiter entfernt ungestört weiter graben zu können? War das aufgeregte und unüberhörbare Telefonat in Camps lediglich eine Finte?
Dann war sie jedenfalls erfolgreich.
asmodeus
Wird fortgesetzt...
[1] erinnert sei beispielsweise an die Aussagen des Gimel-Präsidenten vor dem Untersuchungsrichter
[2] Da wir uns die Aufgabe gestellt haben, in diesem Blog tiefer zu graben als das üblicherweise der Fall ist, Hintergründe aufzuhellen und mögliche Zusammenhänge herzustellen – kurz, möglichst umfassend zu informieren, statt blosses Gerede und Gerüchte mit ein paar Bilder von irgendwelchen Löchern zu garnieren, spielt es für uns auch eine untergeordnete Rolle, ob Fotos von den alten Römerminen auf irgend einer Webseite schon Wochen eher zu sehen gewesen sind, als in diesem Blog. Solche Fotos waren, wie gesagt, bereits vor mehr als sechs Jahren im DSM zu sehen.
- so titelte das „Deutsche Schatzsuchermagazin“ in seiner Ausgabe 09/2004 für einen überaus
abenteuerlich aufgemachten Artikel, denn: „
scheint. So soll sich Mitte
der achtziger Jahre eine Gruppe schwer bewaffneter Personen im
schon am übernächsten Tag sollen alle Waffen wieder an ihre Eigentümer ausgehändigt worden sein. „Befehl von oben... hiess es.“ Die
aufwändigen Grabungen gingen weiter. Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen stellte es sich jedoch heraus, dass die zuständige Gemeindeverwaltung keine Grabungsgenehmigung erteilt hatte, ja, dass
noch nicht einmal eine Genehmigung beantragt worden war. Der es im Übrigen auch gar nicht bedurfte, weil die Grabungen auf privatem Grund und Boden stattfanden, wie der „Insider“ selbst
ausführte. Unter Verweis auf ein neues Auto, welches sich der betreffende Grundeigentümer kurz nach Grabungsbeginn zulegte, schloss der „Insider“ dass der Eigentümer mit den Schatzgräbern im
Bunde sei. Was sich jedoch an sich schon aus dem Umstand schliessen lässt, dass die paramilitärische Gruppe wohl kaum fünfzehn Jahre lang, ohne Einverständnis des Eigentümers, auf dessen privaten
Grundstück hätte graben können.
Zurück blieben seit dem aber auch Fragen über
Fragen. Vor ungefähr drei Jahren fragte beispielsweise ein Bekannter bei uns an, ob wir eventuell Näheres über die damaligen Vorgänge bei den alten römischen Minen wüssten. Wir hatten zwar schon
von der mysteriösen Angelegenheit gehört, wussten damals darüber aber auch nicht viel mehr, als dem Artikel im DSM zu entnehmen ist. Doch unser Interesse war geweckt und wir beschlossen der Sache
nachzugehen, wenn wir uns vorerst auch nicht allzu viel davon versprachen. Denn ganz egal welcher der unterschiedlichen Versionen, in denen die Geschichte inzwischen kursiert, man den Vorzug
geben mag, sie alle laufen darauf hinaus, dass die betreffenden Aktivitäten abrupt endeten. Dass die Ausgräber Material von nicht unerheblichem Wert einfach stehen und liegen liessen und
plötzlich, ganz entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten, still und leise, auf Nimmerwiedersehen verschwanden.
Was sich im Verlauf der fünfzehnjährigen
Grabungsarbeiten im Wald bei Camps im einzelnen abspielte, ist, wie schon erwähnt, für Neugierige heute hauptsächlich nur noch anhand der Spuren zu eruieren, welche die Schatzsucher
hinterliessen. Und diese Spuren sprechen eine deutliche Sprache. Dass daneben die unvermeidliche Gerüchteküche brodelte und noch immer brodelt, sollte uns dabei nicht weiter irritieren.
Absonderliche Schauergeschichten
Neugierig geworden, versprachen wir uns
am ehesten dort ein paar Antworten auf verschiedene unserer Fragen zu finden, wo schon die unglücklichen Albert Foncay Map und Marie-Bernard Brauge gesucht hatten – in den Höhlensystemen der
Gorge de Galamus. Unserem Entdeckerdrang stand jedoch von jeher ein ärgerliches Hindernis in Form eines Gittertores entgegen. Die Türe sichert, aus gutem Grund, den Zugang zum Höllenschlund. Man
geht auf dem Weg zur Eremitage nahe daran vorbei. Einem neugierigen Blick durch die Gitterstäbe offenbart sich lediglich die kleine Grotte, welche nach hinten hin schnell in eine enge Röhre
übergeht. Unspektakulär – und man fragt sich, warum hier solcher Aufwand für das Bisschen Grotte getrieben worden sein mag. Klar, man möchte nach Möglichkeit verhindern, dass unerfahrene,
leichtsinnige Touristen oder gar Kinder einen kleinen Abstecher unternehmen. Oder gibt es vielleicht noch andere Gründe? In einem Land, in dem zahllose, auch sehr grosse und überaus gefährliche
Höhlen selten so gesichert sind, wie der Höllenschlund, darf man sich zumindest über diese Türe wundern. Doch andererseits ist „La Trou de Cité“ bei Lastours, einer anderen Touristenattraktion im
Languedoc, gleichfalls mit einem stabilen Gitter versperrt, obwohl es sich dort, im Vergleich mit dem Höllenmaul, um eine eher „harmlose“ Höhle handelt.
Begierde, und stellten zu unserer freudigen Überraschung fest, dass die Tür ihren Zweck nicht mehr erfüllte. Diese möglicherweise einmalige Gelegenheit wollte ich
mir, obwohl völlig unvorbereitet und nicht ausgerüstet, auf gar keinen Fall entgehen lassen. Ich schlüpfte kurzentschlossen in die Grotte und dann in die rückwärtige Röhre. Nur eine knapp drei
Meter lange, enge Passage und schon tat sich vor mir eine schöne Grotte auf, deren Boden aber etwa drei Meter tief unten lag. Meine winzige Taschenlampe vermochte nicht einmal das Innere der
Grotte ausreichend zu beleuchten. Sinnlos und viel zu riskant, weiter hinein zu klettern, obwohl eine Leiter einladend unter dem Einstiegsloch am Fels lehnte. Also kehrte ich um und vereinbarte
mit meiner Frau eine Exkursion in diese Höhle zum schnellstmöglichen Zeitpunkt.
war ebenfalls aus dem Schneider. Wie der
Zufall es wollte, hatte er schon von der sagenumwobenen Höhle in der Gorge de Galamus gehört und war sichtlich begeistert, als er erfuhr, dass genau dieser Höllentrip als nächstes auf dem
Programm stand. Wir schoben das Unternehmen nicht auf die lange Bank.
Unser Weg verlief ohne Zwischenfälle bis
zu der Stelle, an der ich schon bei meinem ersten Besuch angelangt war. Hier hängten wir unser Seil ein und was sich als die erste kleine Zitterpartie erwies. Die Haken sind so über dem Abgrund
gesetzt worden, dass das Seil frei hängt. Ich kletterte also an der feuchten und glatten Wand bis zum äussersten Punkt, während Peter mich am Gurtzeug festhielt, denn das Seil musste vom
vordersten Haken her durch alle anderen Haken nach hinten gefädelt werden. Dann war die erste Hürde genommen und nachdem wir uns abgeseilt hatten, fanden wird uns, am Grund angekommen, in einer
grossen Halle wieder, die nach zwei Seiten in grosse abschüssige Galerien auslief.
hinweg ziemlich steil in die Tiefe führte. Es
war nicht zu übersehen, dass sich die Höhle in diesem Bereich vertikal entwickelt. Der Weg über die
Wir wählten den „bequemeren“ Weg. Sahen
uns jedoch gezwungen, nunmehr arbeitsteilig vorzugehen. Klettern und filmen schlossen sich in diesem Abschnitt der Höhle aus. Peter war vollauf damit ausgelastet, sich beim Filmen in einer
halbwegs stabilen Position zu halten. Also machte ich mich an den Abstieg und fotografierte, wenn ich die Hände frei hatte. So arbeitete ich mich bis zu einer Stelle vor, an der sich
der
Grotte erwähnt wird, kann kein Zweifel
daran bestehen, welche Grotte gemeint ist. Das tut beispielsweise auch André Douzet in seinem interessanten Artikel über die Eremitage
Am auffälligsten ist der
polierte Felsboden natürlich dort, wo man am wenigsten damit rechnen würde, dass ganze Heerscharen von Menschen diese Stelle passiert haben sollen – an der Kante jener Felsplatte, von der aus wir
uns in die Tiefe abgeseilt hatten. Nicht gerade ein bodenloser Abgrund, sondern „nur“ acht oder zehn Meter, die am frei hängenden Seil dennoch erst mal, ob nach unten oder auch nach oben,
überwunden werden wollen.
Eigenartigerweise fielen uns in den tieferen
Abschnitten der Höhle keine weiteren Spuren auf. Allerdings suchten wir auch nicht danach und unsere Aufmerksamkeit galt anderen, eher speleologischen
ausserordentlich schwierigen Bedingungen stattfand, darf man sicherlich zu Recht annehmen, dass sich die Bautätigkeiten auch über
einen entsprechend langen Zeitraum erstreckten und dass die Mönche diese Arbeit nicht eigenhändig verrichteten. Hier müssen unzweifelhaft Spezialisten am Werk gewesen sein. Dafür finden sich denn
auch Belege. Ein gewisser Hubert Labaut, eigentlich ein Bergbauexperte, war mit der Bauausführung betraut. Was wiederum die Frage aufwirft, warum „man“ ausgerechnet einen Bergbauspezialisten mit
dem Bau beauftragte, obwohl an Baumeistern für den Burgenbau zu der Zeit in Occitanien wohl kaum Mangel bestanden haben kann. Eine Frage, die in anderem Zusammenhang nochmals eindringlicher an
uns herantrat. Sicherlich waren auch Leute aus der Umgebung, aus St.-Paul beispielsweise, als Hilfskräfte beschäftigt. Und diese Bauleute kletterten wohl kaum tagtäglich aus weiter Entfernung,
auf mühseligen Maultierpfaden, aus dem Tal herauf, zur Baustelle. Sie hielten sich selbstredend während der gesamten Bauzeit bei der Eremitage auf – welche während dessen folglich nur wenig mit
einer Eremitage gemeinsam gehabt haben kann.
oder weniger zusammenhängenden Röhren,
Höhlen und Felsspalten besteht, ist heute längst kein Geheimnis mehr. Der Untergrund wird seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts von Speleos erkundet, ist aber noch längst nicht restlos
erforscht. Da unten könnten durchaus noch verschiedene Überraschungen verborgen sein. Und so völlig aus der Luft griffen wir diesen Gedanken ganz bestimmt nicht. Gedacht sei in dem Zusammenhang
beispielsweise nur an eine rätselhafte Episode:
der Erdoberfläche aus zu dem Tunnel in etwa
200 Metern Tiefe